Vom 6. Mai bis zum 8. Mai fand in Antananarivo die erste Minenmesse Madagaskars statt. Firmen mit großen Minenprojekten waren ebenso mit Ständen vertreten, wie regionale Verbände, die im Minensektor tätig sind.
Im Internationalen Konferenzzentrum von Ivato (Centre des Conférences Internationales d’Ivato), wo letztes Jahr auch die FIM stattfand, beherbergte man Aussteller aus verschiedenen Ländern, von denen manche auch börsennotiert sind:
Zu den älteren in Madagaskar ansässigen Firmen zählt die 1975 verstaatlichte Kraomita Malagasy S. A.. Kraoma, die 1966 unter dem Namen COMINA (Compagnie minière d’Andriamena) gegründet wurde, hat ihre Hauptaktivität darin, Chromerz bei Briéville-Andriamena im Nordwesten Madagaskars zu gewinnen. Die jährliche Produktion soll 100.000 bis 140.000 Tonnen sein. Neuerdings ist man angeblich auch dabei, nach Goldvorkommen zu schürfen. Auf der Homepage gibt man an, 380 Beschäftigte zu haben, ein auf der Messe ausliegender Flyer dagegen besagt, daß man über 450 Personen beschäftige. Was soll man da glauben?
Seit über 50 Jahren ist die aus der Macoma hervorgegangene Holcim (Madagascar) S.A., eine Tochter des weltweit tätigen Zementherstellers Holderbank aus der Schweiz, in Madagaskar tätig. Holcim betreibt in Ibity bei Antsirabe eine Zementfabrik mit einem Jahresausstoß von 150.000 Tonnen Zement und ein Silo in Tamatave mit der Kapazität, 180.000 Tonnen Zement einzusacken.
Rio Tinto, einer der größten Konzerne im Minengeschäft weltweit, ist in Fort Dauphin über die 80%-Tochter QIT Madagascar Minerals S.A. auf der roten Insel vertreten, wo man seit wenigen Jahren Ilmenit abbaut, welches im Sand enthalten ist. Dafür hat man einen komplett neuen Hafen gebaut, den Port d’Ehoala Madagascar. Der Hafen gehört zwar der Rio Tinto-Gruppe, kann aber auch von anderen Firmen genutzt werden, zum Beispiel zum Festmachen von Kreuzfahrtschiffen oder Handelsschiffen.
Schaut man sich die Gegend um Fort Dauphin bei Google Earth an, dann kann man sehr viel neu geschaffene Infrastuktur in und um die Stadt erkennen. Viele Straßen, ganze Wohnsiedlungen und mehrere Schürfgebiete. Für die Verarbeitung des Mineralsandes wurden große Hallen gebaut, wobei in Madagaskar nur eine mechanische Trennung der Bestandteile des Sands erfolgt. Der chemische Prozeß, um das Leichtmetall Titan oder genauer Titandioxid zu gewinnen, erfolgt außer Landes. Bilder auf der Homepage von Rio Tinto geben einen Einblick aus der Normalperspektive.
Die 1994 in West Perth in Australien gegründete Firma Madagascar Resources NL hat die Tochterfirma Toliara Sands Sarl, die nördlich von Tulear 2 Ilmenit-Projekte besitzt: Ranobe und Manombo-Morombe. Beim Projekt von Ranobe fehlt nur noch der Papierkrieg und die Finanzierung für die Ausbeutung der identifizierten Lagerstätte. Man will dort bis zu 600.000 Tonnen Ilmenit im Jahr fördern. Madagascar Resources NL scheint keine Webseite zu haben und die Homepage von Toliara Sands ist recht unprofessionell. Im Mai noch zeigte man gestreckte Bilder dort und wenig umfangreiche Informationen. Jetzt findet sich nur noch der Hinweis auf die baldige Einführung einer neuen Webseite.
Ein Multi-Milliarden-Dollar-Projekt haben die Firmen Sherrit aus Kanada (40%), Sumitomo Corporation aus Japan (27,5%), Korea Resources Corporation (27,5%) und SNC-Lavalin Group Inc. (5%) mit dem Nickel-Kobalt-Projekt Ambatovy bei Moramanga auf die Beine gestellt. Die Firmen Ambatovy Minerals S.A. und Dynatec Madagascar S.A. sind die Tochtergesellschaften in Madagaskar, die den Abbau der Nickel-Kobalt-Lagerstätte im Hochland vorbereiten.
Für den Transport des Laterit-Erzes hat man eine Pipeline nach Tamatave gebaut, um es dort zu raffinieren. Die Mine soll über mindestens 27 Jahre jährlich 60.000 Tonnen Nickel fördern und 5.600 Tonnen Kobalt. Was wird man mit der ganzen unbrauchbaren Erde in Tamatave machen? Einen Berg auftürmen? Ein größeres Problem dürfte darin zu sehen sein, daß das Erz mit Säure ausgewaschen werden soll. Dafür werden riesige Mengen an Säure benötigt. Was wird mit den Abfallstoffen gemacht, gibt es eventuell Säuredämpfe, die in Wohngebiete ziehen können? Oder wird es gar ganze Säure-Seen geben? Solche Fragen stellen Kritiker.
Erdöl wird in Madagaskar inzwischen auch gefördert, doch weder der französische Konzern Total, noch der amerikanische Konzern Exxon waren auf der Messe vertreten. Vertreten war die Firma Madagascar Oil S. A.
Etwas seltsam erscheint, daß Madagascar Oil 2008 die Mehrheit des Blocks 3102 von Bemolanga, nämlich 60%, ausgerechnet an den französischen Ölkonzern Total abgegeben hat, als Ravalomanana, der bekanntermaßen den französischen Einfluß in Madagaskar reduzieren wollte, noch an der Macht war.
Wikipedia schreibt:
Madagascar Oil ist in Besitz der Ölsandfelder von Tsimiroro (geschätzte 3 Milliarden Barrels) und Bemolanga (geschätzte 16,6 Milliarden Barrels).
Hinzu kommen die Felder von Manambolo, Morondava und Manandaza.
Allerdings ist der Abbau von Ölsandfeldern sehr schädlich für die Umwelt, wie bei survie.org berichtet wird, wo als Beispiel die kanadische Provinz Alberta angeführt wird: Verknappung der Wasserressourcen (auf ein Barrel Öl komme die 6fache Menge Wasser), Ausstoß von Schwefel, Schwermetallen, saurem Regen. Auch bei der elektronischen Zeitschrift schattenblick.de ist man zu dem Thema sehr kritisch eingestellt. Man bemängelt die niedrigen vereinbarten Zahlungen an den madagassischen Staat, die in den ersten 10 Jahren lediglich 1% der Einnahmen ausmachen sollen, was man als lächerlich niedrig bezeichnet. Aufgrund der bestehenden sozialen Spannungen in Madagaskar attestiert man dem Vertrag eine enorme Sprengkraft und prophezeiht Rajoelina reichlich Gegenwind.
Erst am 29. 11. 2010 wurden die Aktien von Madagascar Oil in London an der AIM eingeführt. Seit dem 6. 1. 2011 waren die Aktien der in Bermuda registrierten Firma vom Handel ausgesetzt, da die madagassische Regierung drohte, dem Unternehmen die Liegenschaften, an denen es 100% der Anteile hält, zu entziehen, da 9 Millionen $ Steuern nicht gezahlt worden sein sollen. Erst Ende Juni wurde die Notierung mit einem Abschlag von über 50% wieder aufgenommen.
Eines scheint sicher: Wenn es um sogenannte Ölsande geht ist das ein extrem dreckiges Geschäft. Selbst Aktionäre von Shell haben sich gegen das Ölsandprojekt in der kanadischen Provinz Alberta ausgesprochen.
Bisher sind sie noch nicht erwähnt worden, aber die Chinesen sind auch in Madagaskar auf der Suche nach Rohstoffen, um ihren riesigen Rohstoffhunger zu sättigen. Auf der Messe waren mehrere chinesische Firmen vertreten. Der Stand von Madagascar Wisco Guangxin Kam Wah Resources war nicht sehr informativ, die chinesische Firma will aber im Gebiet der Küstenstadt Soalala, die etwa 112 km westlich von Majunga liegt, ab 2014 zum Abbau einer riesigen Eisenerzmine schreiten, die etwa 600 bis 700 Millionen Tonnen Eisen beherbergen soll. Milliarden-$-Investitionen sollen dafür geplant sein, inklusive dem Bau eines neuen Hafens.
Da wollen wir die Inder aber nicht Abseits stehen lassen, denn bei Jindal Madagascar plant man ebenfalls einen neuen Hafen – und das direkt in Tulear, da die Kalkstein-Lagerstätte Miary sich nur wenige Kilometer von der Stadt entfernt befindet. Man will aber nicht die gesamte Förderung des Kalksteins exportieren, sondern man denkt auch an den Bau einer Zementfabrik.
Die unter dem Namen Tantalus Rare Earths AG in Deutschland an der Börse gelistete Firma, die in Madagaskar ein Seltene Erden-Projekt exploriert, war leider nicht auf der Messe vertreten. Gerne hätte ich ein paar Fragen gestellt.
Die kanadische Firma Energizer Resources Inc., die 2007 einen Claim im Süden von Madagaskar abgesteckt hat, um dort hauptsächlich Vanadium aus der Erde zu fördern, soll auch noch Erwähnung finden. Man hat die Absicht erklärt, Vanadium in einer so hohen Reinheit herstellen zu wollen, wie es für eine Vanadium-Redox-Batterie benötigt wird.
Das Green Giant Vanadium-Projekt bei Fotadrevo soll eine der größten Vanadium-Lagerstätten weltweit sein. Nach dem kanadischen Minenstandard NI 43-101 hat man bereits Resourcen von 343.035 Tonnen V2O5 errechnen können. Für die fehlende Infrastruktur hofft man, sich mit den Eignern der etwa 30km entfernten Sakoa Kohlelagerstätte über eine gemeinsame Nutzung einigen zu können, was die Kosten für beide Parteien senken würde. Für die Kohleverschiffung soll an der Küste, direkt im Westen der Lagerstätte, ein neuer Hafen gebaut werden, der mit einer Eisenbahnlinie angebunden werden soll.
Schließlich noch der Hinweis zur Bohrfirma Tugela Drilling Solutions, die eine lange Kundenliste publiziert, für welche Explorer sie tätig ist. Ich kann mich zwar nicht erinnern, Tugela Drilling Solutions auf der Messe gesehen zu haben, aber für den Interessierten ist das sicherlich ein aufschlußreicher Hinweis mit Namen von weiteren Firmen, die eine Erkundung oder Förderung der Bodenschätze von Madagaskar durchführen.
Das in meinen Augen für Madagaskar sinnvollste Projekt ist das Kohle-Projekt von Sakoa, da man dann vor allem in den Städten von Madagskar selbst diese Kohle zum Kochen benutzen kann, anstatt Holzkohle. Das könnte eine Entlastung für die madagassischen Wälder bringen, die Köhler allerdings müssen sich dann eine andere Einahmequelle suchen.
Madagaskar ist zwar reich, gehört aber dennoch zu den ärmsten Ländern weltweit. Man ist nur potentiell reich – reich an Rohstoffvorkommen. Und was hat der Durchschnits-Madagasse davon? Bisher eigentlich nichts, denn bei ihm kommt so gut wie nichts an.
Einige der letzten Wälder müssen weichen, damit man die Rohstoffe der Erde entreißen kann. Angesichts der massiven Umweltzerstörungen der madagassischen Landschaft mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna wird nicht nur so manchem Biologen das Herz bluten.
Der wachsende Wohlstand in den Entwicklungsländern fordert seinen Preis.
Viele Madagassen werden zwar Arbeit in der Minenindustrie finden, aber die Firmen bringen auch viele Fachleute aus dem Ausland mit. Und diese ausländischen Fachleute bekommen ein sehr viel höheres Gehalt, als die Madagassen, was wiederum Einfluß auf das direkte Umfeld einer Minenregion hat, indem das allgemeine Preisniveau steigt. Die ärmsten Bevölkerungsschichten fallen dabei – einmal mehr – hinten runter.