Nach dem Beginn der Plünderungen und Brandschatzungen in Antananarivo am 26. 1. 2009 wurde als Reaktion darauf in der Zeitung “La Verité” am 27. 1. 2009
dieser Artikel veröffentlicht:
Während man auf einen dritten Dieb im Hinterhalt warte, scheine die vorherrschende Lage in der Hauptstadt beiden Seiten aus dem Ruder geglitten zu sein. 20 Tote am gestrigen Tag, so scheine es. Auf jeden Fall seien die verschiedenen brennenden Gebäude von gestern perfekt dafür ausgewählt worden, daß sie Symbole für die ewigen Ableger des aktuellen Regimes gewesen seien, und zwar seit 2002.
Die Unzufriedenheit habe seit sehr langer Zeit in einer verarmten Bevölkerung geschwelt, jeden Gefühls der Sicherheit beraubt und vor allem kein Vertrauen mehr in die aktuellen Führer habend. Es habe permanent unterschwellige Anzeichen gegeben. Die aktuellen Führer seien ständig bei zahlreichen Gelegenheiten angepöbelt worden und die Alarmglocken hätten von allen Seiten geläutet. Aber sie hätten sich taub gestellt und hätten sich in dieser scheinheiligen Überzeugung gefallen, allmächtig und ungestraft zu sein, anders gesagt, über dem Gesetz zu stehen. Niemand, einschließlich der internationalen Gemeinschaft, aber auch die Anhänger des Regimes, könne das bestreiten. Noch vorgestern hätten die Treuen des Regimes Ravalomanana sich in ihrer Haltung der Leichtgläubigkeit in ihrem Lügengebäude verfangen, als sie eine Demonstration der Stärke zeigen wollten, einerseits durch die Dienstverpflichtung aller Beamten, besonders unter den Stäben der Ministerien und andererseits durch die Bezahlung von Empfangsgruppen in den Vierteln. Denn dieses Regime sei überzeugt gewesen, daß man alles kaufen könne, die Seelen, die Wahlstimmen und die Menschen. Außerdem hätten sie die Anhänger in den Randgebieten aufgehetzt. Ungeahnte Energien hätten sich freigesetzt bei dieser vom aktuellen Regime total unterdrückten Bevölkerung, ohne Skrupel und ohne Furcht. Es sei keine Frage, die Gewalttaten sowie den Vandalismus zu billigen. Diese, man müsse sie auch erkennen, seien bereits das tägliche Los der Bevölkerung. Ganz zu schweigen vom Sittenverfall und dem Verfall der Mentalitäten, ein Abbild jener der Führer, die alles andere seien, als Waisenknaben, trotz ihrer vorgeführten Religiosität, besonders dazu bestimmt, das Volk zu verdummen und ihre Perversität zu verbergen. Es gehe also darum, die Gründe dafür zu verstehen. Und da brauche man nicht weit weg zu suchen. Die Aspekte des täglichen Lebens dieser Bevölkerung seien beredt und erklärten für sich das Abgleiten der aktuellen Situation. Vor allem, daß die Führung, angesichts der ständigen Appelle an sie, diese systematisch mit Gleichgültigkeit und Verachtung beantwortet hätte. Es sei klar, daß das Land und die gesamte Bevölkerung nicht unbeschadet aus diesem Chaos und dieser Glut herauskämen. Die Aufrufe zum Dialog, wie alle anderen Aufrufe bezüglich der Entgleisungen des einen oder anderen, würden vergeblich bleiben. Es gebe nun auch noch genug Raum, um den am weitesten verbreiteten Schluß zu bestreiten, gemäß dem in Madagaskar in Sachen Entwicklung einmal mehr alles wieder von vorn zu beginnen sei. Denn faktisch habe seit 2002 oder davor nichts begonnen. Außer den Straßen. Die Führungsriege habe sich, um beim Staatschef und seiner Familie zu beginnen, vor aller Augen in unverschämter Weise bereichert, vor dem ganzen Volk, welches machtlos dem beigewohnt habe, durch wucherischen Ankauf und Inbesitznahme aller Gewerbezweige, ab dem Punkt, an dem Aktivitäten rentabel gewesen seien. Der ganze Staatsapparat sei bis in die letzte Ecke schamlos abgeriegelt gewesen. Das Problem sei, daß die Verpflichtung, den Geldgebern zu gefallen, und im Bemühen der internationalen Gemeinschaft zu gefallen, Ravalomanana den Demokrat gespielt habe. Eine Rolle, die ihm nicht wirklich gepaßt und die er zweifellos verabscheut habe. Aber weitgehend gut gezahlt. Mehr, als die besser bezahlten Akteure Hollywoods. Und das sei das schlagende Argument. Er sei in seinen Ambitionen unersättlich gewesen. Ein abgemessener Appetit mit umstrittenen Zutaten, um sich zu bereichern, das Volk aushungernd: 300% Preissteigerung beim Reis, fast ebenso fürs Wasser und die Elektrizität, sowie die Kraftstoffe – während die Löhne mit lächerlichen und armen 10% Wachstum pro Jahr gestiegen seien. Manche fragten sich, ob das ausreichende Gründe für diese Entgleisungen für vandalistische Taten seien, die dabei seien, sehr beunruhigende Ausmaße anzunehmen und nichts gutes verhießen für das Land, welches buchstäblich unbeherrschbar geworden sei. Das, was klar sein müsse ist, daß die Taten von gestern, die verwerflich und verurteilbar seien, der Ausdruck dieses Unmuts, von dem die Medien ohne Unterlaß gesprochen hätten, seien. Man dürfe auch nicht den Fehler begehen, zu erklären, daß die gesamte madagassische Bevölkerung, daß das Land dennoch einen Stillstand gekannt habe.
Dies möge stimmen, aber das ändere keinesfalls den Mißbrauch, der von den Behörden an der Bevölkerung begangen worden sei. Auf jeden Fall sei das, was derzeit passiere, in jeder Hinsicht beklagenswert, zeige eine unversöhnliche Logik einer Situation, deren Verantwortung zu einem sehr großen Anteil einem einzigen Mann zuzuschreiben sei. Dieser habe tatsächlich den Regen und das gute Wetter im Land gemacht…