Madagaskar-Blog

Themen rund um Madagaskar und alles was interessant ist…

Archiv: Februar 2009

“Alle politischen Organisationen sind in Wahrheit kriminelle Organisationen”

Die Feuerwand ist entfesselt

Der Titel dieses Artikels mag vielleicht etwas provokativ erscheinen, aber der Mann, von dem das Zitat stammt, weiß wohl, wovon er redet. Es handelt sich um Gerald Celente, der Trendforscher ist und verschiedene Szenarien in den letzten 30 Jahren vorausgesagt hat. Den Börsencrash von 1987 hat er zum Beispiel vorhergesehen, den Zusammenbruch der Sowjetunion, die Asienkrise 1997, 1998 den Zusammenbruch der russischen Wirtschaft, 2000 das Platzen der Internetblase und die Rezession von 2001. Auch den Beginn des Goldpreisanstiegs im Jahr 2002, den Absturz des Immobilienmarktes 2005, 2007 die Rezession und die Panik von 2008 hat er prognostiziert. Celente ist der Meinung, daß die derzeitige Weltwirtschaftskrise sehr viel schlimmer wird, als die Great Depression der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Sogar die USA werden seiner Ansicht nach auseinanderfallen. Was er am 12. 12. 2008 über die Aussichten für 2009 in einem Interview gesagt hat, ist demnach schlimmer, als es die meisten Menschen sich bis jetzt ausmalen. Das sollte man also gelesen haben!
Das Foto aus Madagaskar soll den Zusammenhang verdeutlichen: Die Krise fegt wie eine Flammenwand über alles hinweg und wird alles bereinigen, was nicht ausweichen kann oder nicht resitent ist.

Der Fody, ein Webervogel: Der Madagaskarweber – Foudia madagascariensis

Fody - Foudia madagascariensis

Der Madagaskarweber heißt bei den Madagassen Fody, wobei das o als u gesprochen wird. Er ist der häufigste Vogel in Madagaskar und fast in allen Regionen der Insel anzutreffen. Auf dem Bild ist ein Männchen mit seinem prächtigen orangen Federkleid zu sehen. Die Weibchen haben ein besser getarntes Federkleid und sehen einem Sperling ähnlich, allerdings eher mit einem oliven Einschlag. Die Farbe vom Schnabel ist bei den Männchen sehr dunkel, während sie bei den Weibchen relativ hell ist.
In der Balzzeit kommt es nicht selten dazu, daß es durch die Verfolgungsflüge, wobei die Männchen den Weibchen nachstellen, zu schweren Unfällen kommt. In dieser Saison sind es bereits 3 Weibchen gewesen, die tot im Hof lagen. Diese sind dann ein gefundenes Fressen für die umherstreunenden Katzen. Da die Männchen Reviere haben, scheint jenes, welches sein Revier um unser Haus hat, die Weibchen also recht hartnäckig verfolgt zu haben. Unter normalen Umständen bauen die Madagaskarweber dann kunstvolle Nester, die sie aus Gras weben. Nach der Zeit, in der sich die Vögel um die Arterhaltung kümmern, verlieren die Männchen ihr Prachtgefieder.
Außerhalb der Balzzeit und der Zeit der Brut und Aufzucht der Jungen versammeln sich die Madagaskarweber in großen Schwärmen. In den Reisanbaugebieten können sie daher zu großen Schädlingen werden, wenn sie den Reis fressen.

In Madagaskar konzentriert ein Mann die ganze Macht auf sich allein

Ausgebranntes Auditorium Ankorondrano

Niemals in der jüngeren Geschichte dieses Landes, und das ohne Zweifel, hat ein Mann in solch brutaler Weise und ohne zu teilen, die Macht so auf den Punkt konzentriert. Er hat die politische Macht mit seinem Amt verknüpft – aber auch die wirtschaftliche Macht, verknüpft mit seinen eigenen Interessen, die zu jenen des Staates geworden sind.

Niemals in der jüngeren Geschichte dieses Landes und insbesondere seit dem Erscheinen der Demokratie zu Beginn der neunziger Jahre, sind die fundamentalen Freiheiten derart zurückgegangen, bis zu dem Punkt, daß man sich fragen kann, ob sie weiterbestehen, oder ob sie gewidmet sind, unter den Anschlägen der Regierung Marc Ravalomanana zu verschwinden.

Wir haben den PSD-Staat gesehen… und 1972 ist gekommen!
Wir haben den Arema-Staat gesehen… und 1991 und 2002 sind gekommen!
Wir leben heute unter dem Staat TIKO-TIM, und einmal mehr müssen wir uns erheben!

In einem Diskussionsbeitrag bei sobika.com war der oben übersetzte Text zu finden. Nach dem Gugeln ist die Originalquelle ein Beitrag im Blog von madagate.com vom 12. Januar 2009.

Kriegsähnliche Zustände in Antananarivo

Zerstörtes Einkaufszentrum Zoom Ankorondrano

Gestern noch versetzte Marc Ravalomanana alle beteiligten Parteien bei der geplanten Vermittlungsrunde der Konfliktparteien. Andry Rajoelina hatte danach erklärt, daß er nicht mehr an diesem Treffen teilnehmen werde. Und heute versammelt sich Ravalomanana mit dem Minister für Wirtschaft, Industrie und Handel und dem Präsidenten der Nationalversammlung, Jacques Sylla, wieder am Ort der Treffen der Vortage, dem Le Hintsy in Ambohimanambola. Zu dem Treffen hatte man den Sondergesandten der Vereinten Nationen, Haile Menkerios, eingeladen, wohl wissend, daß Rajoelina am Vortag gesagt hatte, nicht mehr an diesen Verhandlungen teilzunehmen. Rajoelina erklärte zudem noch am Abend, daß er gar keine Kenntnis von dem Treffen gehabt habe. Eine reine Medienveranstaltung also.
Zur gleichen Zeit werden Demonstranten von einem massiven Aufgebot an Ordnungskräften aus Mahamasina verjagt. Die Auseinandersetzungen gehen bis zum Einbruch der Dunkelheit, wo die Demonstranten nach Anosibe verfolgt werden. Wenn man die Bilder im Fernsehen sieht, dann fühlt man sich unweigerlich an Krieg erinnert. Alles ist eingenebelt, es wird geschossen (eventuell mit Gummigeschossen). Tränengasgranaten werden abgefeuert.

Es wird bitter Ernst! – Geht jetzt das Licht aus in Madagaskar?

Ausgebrannte Halle von Magro, Ankorondrano

Die Beschäftigten der JIRAMA (Jiro sy Rano Malagasy – Madagassische Strom und Wasser) wollen ab morgen streiken, um damit zu Erreichen, daß der deutsche Chef der Firma geht.
Das für heute festgesetzte Treffen zwischen Marc Ravalomanana und Andry Rajoelina kam nicht zustande. Das Treffen sollte ursprünglich um 13 Uhr stattfinden. Da Ravalomanana zu der Zeit in Tamatave weilte, habe er auf eine Verschiebung auf 15 Uhr gedrängt. Anstatt aber zu dem Treffen zu kommen, sei er nach Majunga geflogen. Damit ist auch vom vermittelnden Kirchenrat Odon Razanakololona eingeräumt worden, daß die Verhandlungen gescheitert sind und er sich von den Vermittlungsbemühungen zurückzieht. Dieses Tor hat sich also geschlossen, man kann auf düstere Aussichten blicken.
Im Radiosender Ny Antsiva wurden Interviews mit Militärangehörigen gesendet, in denen die gestrige Ankunft dubioser Kisten auf dem Flughafen Ivato bezeugt wurde, die unter hohem militärischem Einsatz und im Schutze der Dunkelheit dort in Empfang genommen worden seien. Es könne sich auch um Waffen handeln. Vorgestern habe man auf der RN2 zwischen Antananarivo und Tamatave 5 von einem großen Militäraufgebot bebgleitete (vermutlich) Tieflader gesichtet, die mit Planen zugedeckte Objekte transportiert hätten. Es könne sich dabei möglicherweise um Panzer gehandelt haben.
Ein weiterer Interviewter sei ein Soldat gewesen, der ausgesagt habe, daß er bei der Aktion der Rückeroberung der 4 Ministerien am Freitag letzter Woche dabei gewesen sei. Er habe bestätigt, daß es Tote gegeben habe.
Mit Bangen kann man jetzt in die Zukunft blicken.

Marc Ravalomanana – und wieder: Der Gipfel der Afrikanischen Union

Hotelrohbau für den Gipfel der Afrikanischen Union, Ankorondrano

Gestern kam es zu einem zweiten Treffen zwischen Marc Ravalomanana und Andry Rajoelina. Im Fernsehen berichtete Rajoelina, daß er Fragen an Ravalomanana gerichtet habe, dieser aber habe gar nicht richtig zugehört und dann vom Gipfel der Afrikanischen Union und dem MAP (Madagascar Action Plan) geredet. Ständig habe er auf seine Uhr gesehen, um schließlich zu sagen, er habe einen Termin und sich zu verabschieden.
Rajoelina gab am Abend seine Forderungen bekannt: Die sofortige Freilassung des Jean Théodore Ranjivason, der ehemaliger Minister unter Ravalomanana ist und der am 20. 2. 2009 vor seinem Haus von maskierten Männern entführt wurde, um ins Gefängnis Tsiafahy gebracht zu werden. Freie Meinungsäußerung und freier Zugang zu den öffentlichen Medien, besonders RNM und TVM. Rücktritt der Minister der Regierung von Ravalomanana. Abberufung des PdS Guy Rivo Randrianarisoa auf seinem Bürgermeisterposten. Bezüglich der Treffen mit Ravalomanana habe Rajoelina angekündigt, daß, wenn keine Fortschritte erzielt würden, noch diese Woche wieder die Versammlungen am Platz des 13. Mai aufgenommen werden.
Vom Treffen zwischen Marc Ravalomanana und Andry Rajoelina am heutigen Dienstag ist bisher keine Information durchgesickert. Es hat Ravalomanana anscheinend nicht gefallen, daß die ganze Welt über sein unmögliches Verhalten informiert wurde. Es geht um die Zukunft von Madagaskar und er hat vor allem im Kopf, daß er irgendwo hin muß und den Gipfel der Afrikanischen Union, der dem Volk überhaupt nichts bringt. Man kann also den Eindruck gewinnen, daß Ravalomanana es irgendwie schaffen will, bis Juli an der Macht zu bleiben, um diesen Gipfel zu empfangen.

Kein Marsch nach Iavoloha, sondern Treffen zwischen Ravalomanana und Rajoelina!

Ausgebrannte Halle von Magro, Ankorondrano

Der an diesem Tag von Andry Rajoelina vorgesehene Marsch ist ausgefallen, da es um 13:00 Uhr zu einem Treffen zwischen ihm und Marc Ravalomanana kam. Rajoelina schickte die Leute vom Platz des 13. Mai also wieder nach Hause. Viele der Leute, die gekommen waren, blieben aber dort und harrten bis zum Einbruch der Dukelheit aus.
Am Abend um 20:00 Uhr wurde dann im Fernsehen von Viva TV ein Interview mit Rajoelina übertragen, in welchem er sagte, daß man sich am Montag wieder treffen werde. Für die Zwischenzeit sei vereinbart worden, daß:
  • jede Form der Provokation, Verleumdung und Verbreitung falscher Nachrichten über die Medien zu stoppen sei,
  • mit allen Plünderungen und jedem Vandalismus aufzuhören sei,
  • alle Demonstrationen auf den Straßen zu stoppen seien,
  • damit aufgehört werde, politisch bedingte Festnahmen und Verfolgungen auszuführen.

Um 21:45 Uhr wurde eine Ansprache von Marc Ravalomanana im Fernsehen beim Sender TVA übertragen, in der ein etwas müde und unsicher wirkender Mann sagte, er freue sich darüber, daß man zum Gespräch gefunden habe.
So war man das aber nicht gewohnt. Der starke Mann zeigt Schwäche. Jetzt darf man gespannt sein, wie die Verhandlungen am Montag weitergehen werden.

Ministerien zurückerobert. Und was wird morgen geschehen?

Ausgebranntes Gebäude von Courts, Ankorondrano

Die am Donnerstag von den Anhängern von Andry Rajoelina und Monja Roindefo besetzten Ministerien sind in der Nacht von Militärkräften zurückerobert worden. Dabei soll es laut Berichten eines Redners auf dem Platz des 13. Mai 8 Tote gegeben haben. In einer Erklärung der Gendarmerie Nationale teilt diese mit, daß es keine Toten gegeben hat und es wird betont, daß man keine Leichen versteckt. Man ruft zur Vorsicht vor Falschinformationen auf, die derzeit im Land verbreitet werden. Andry Rajoelina rief heute, am 19. 2. 2009, dazu auf, morgen zahlreich zu kommen, er werde den Marsch anführen und er werde sein Leben für Madagaskar geben, wenn es sein müsse. In seinem Fernsehsender Viva TV hat er seine Anhänger später dazu aufgefordert, zu Essen und Trinken mitzunehmen. Wohin der Marsch gehen wird hat er zwar nicht angekündigt, aber der Logik nach dürfte es sich dabei, wie am 10. August 1991, als Didier Ratsiraka ein Blutbad anrichten ließ, um den Regierungspalast in Iavoloha handeln, der etwa 11 km Luftlinie vom Platz des 13. Mai entfernt liegt.
All jenen, die daran glauben, ist empfohlen, für einen friedlichen Ausgang zu beten.

Die Protestbewegung erobert 4 Ministerien in Madagaskar

Demonstranten

Andry Rajoelina und Monja Roindefo von der selbsternannten Transitionsregierung hatten am Montag den ersten Versuch gestartet, Ministerien mit den ernannten Ministern zu übernehmen. Das klappte allerdings nicht, da Straßen von Ordnungskräften gesperrt waren und auch die Gebäude der Ministerien waren von stark bewaffneten Einheiten bewacht. Auch am Dienstag und am Mittwoch blieben solche Versuche mit Unterstüzung von ungezählten Protestlern ohne Erfolg. Am Rande dieser Ereignisse kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Mob und Polizisten, wobei es mehrere Schwerverletzte gegeben haben soll, vor allem sollen mehrere Polizisten durch Steinwürfe am Kopf getroffen worden sein.
Heute haben sich dann die Frauen der Ordnungskräfte in die erste Reihe begeben, um die Protestbewegung zu unterstützen und um dadurch ein Schießen in die Menge zu verhindern. So hat man letztlich trotz eines großen Aufgebots von Polizisten, Gendarmerie und Militär das Ministerium für Innere Sicherheit, das Erziehungsinisterium, das Innenministerium sowie das Ministerium für Dezentralisierung und Raumplanung besetzen können, nachdem man die verschlossenen Tore und Türen geknackt und aufgebrochen hatte.
Über Marc Ravalomanana hat man im Radio verbreitet, daß er gemeint haben soll, wenn das Flugzeug das Problem sei, man es verkaufen könne. Sollte das stimmen, dann zeigt das, daß er seine Felle davonschwimmen sieht. Denn zu Zugeständnissen wäre er nie bereit gewesen, wenn er sich nicht dazu gezwungen sehen würde. Andry Rajoelina hat nach zwischenzeitlichen Verhandlungen seine Position wieder geändert und bekräftigt, daß man nicht mehr verhandeln werde. Ravalomanana hat heute einen neuen Innenminister ernannt, was als ein weiteres Indiz für einen inneren Zerfall seiner Regierung gewertet werden kann. Die Chancen für einen Gipfel der Afrikanischen Union unter Ravalomanana’s Leitung scheinen also kontinuierlich zu sinken.

Pfifferlinge (Cantharellus cibarius) in Madagaskar

Pfifferlinge (Cantharellus cibarius)

Die meisten Pilze lieben bekannterweise ein feuchtes Klima, um ihre Fruchtkörper zu entwickeln. Dazu zählt auch der Pfifferling. Und dieser sprießt derzeit in Madagaskar wegen der Regenzeit ganz gut. Es gibt mehrere Gegenden im Hochland, in denen die Pfifferlinge wachsen und auch in größeren Mengen gefunden werden, so auch in der Umgebung von Moramanga, welches an der RN2 von Antanananarivo nach Tamatave liegt. Die Pfifferlinge werden in diesen Gebieten gesammelt und nach Tana gebracht, wo sie auf der Straße und auf den Märkten angeboten und verkauft werden. Die auf dem Bild zu sehenden Pilze wurden heute Autofahrern zum Kauf angeboten. Wenn die Pfifferlinge auf dem Markt zu finden sind, dann sind sie nicht so schön geputzt.
Pfifferlinge zählen zu den Speisepilzen, die von Feinschmeckern wegen ihres Geschmacks weltweit am begehrtesten sind. Da es bisher noch nicht gelungen ist, Pfifferlinge wirtschaftlich anzubauen, ist man auf Sammler angewiesen, die sie an natürlichen Fundstellen suchen.

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