Madagaskar-Blog

Themen rund um Madagaskar und alles was interessant ist…

Archiv: Februar 2009

Reisernte und Reisdreschen bei Regen in Madagaskar

Reisernte

Ob es regnet oder schneit (daß es schneit kommt zwar nicht vor, dafür aber manchmal Hagel), der Reis muß geerntet werden – eben auch, wenn gerade Regenzeit ist. Hier, in den Reisfeldern zwischen Ambohitrarahaba und Androhibe, sind die Reisbauern gerade bei den Erntearbeiten, während es regnet. Erst werden Bündel mit einer Handsichel geschnitten, die dann auf ein leeres Ölfaß zum Dreschen geschlagen werden.

Anschließend wird der Reis, noch mit den Spelzen, in Säcke gefüllt. Und sobald die Sonne scheint, wird der Reis dann irgendwo ausgebreitet, damit er trocknen kann. Das wird dann einige Tage wiederholt, bis der Reis trocken genug ist. Nicht selten wird der Reis auf der Straße am Straßrand ausgebreitet und behindert die Autofahrer, ja den gesamten Verkehr.

Als nächsten Schritt geht man zu einer Mühle, um den Reis entspelzen zu lassen. Das Bild entstand am 21. Januar, doch inzwischen müßten auch die letzten Nachzügler ihren Reis geerntet haben. Das Problem ist nämlich, daß es in Madagaskar nicht selten ist, daß der Reis vom Halm geklaut wird. Das ist eine traurige Sache, da man selbst den Ärmsten noch das wenige stiehlt, was sie haben und wofür sie gearbeitet haben.

Klinik in Antananarivo: Clinique MM – Mpitsabo Mikambana

Klinik MM

Sollte man in Antananarivo einen Unfall haben, oder ein anderes gesundheitliches Problem, so kann man zur Clinique MM des Chirurgen Dr. Lala Arison im Stadtteil Ampasanimalo gehen, um sich dort behandeln zu lassen. Dr. Arison hat in Deutschland studiert und ist Vertrauensarzt der Deutschen Botschaft. Die Klinik arbeitet rund um die Uhr und liegt an der Route de l’Université, also der Straße, die zur Uni führt. Es soll hier nicht ausgemalt werden, was alles passieren könnte, aber leider: Unverhofft kommt oft.

Eine Sache, die in Madagaskar und in anderen armen Ländern nicht erfreulich ist: Wer kein Geld für eine Behandlung hat, wird normalerweise in keiner Klinik aufgenommen. So geschah es, daß eine junge Frau auf der Straße zusammengebrochen war und von Passanten gestützt zur Klinik gebracht wurde. Nach kurzer Zeit wurde sie in ein Taxi gelegt und verließ die Klinik wieder. Es könnte also sein, daß das fehlende Geld der Grund dafür war. Warum kann nicht jeder Staat seinen Bürgern wenigstens eine kostenlose Unfallbehandlung und einen Notdienst garantieren?
Weil das System falsch ist – was beim Geld anfängt. Wenn der Staat Herr über seine Währung wäre, dann könnte er alle Kosten übernehmen mittels Gelddrucken. Alle Ausgaben des Staates werden bezahlt, Steuern gibt es nur, um etwas zu steuern, wie der Name sagt (Steuer auf gesundheitsschädliche Produkte zum Beispiel), aber nicht, um das Volk auszupressen und angeblich den Staat zu finanzieren. Das System steht knapp vorm Kollaps – der optimale Zeitpunkt also für einen Systemwechsel!

Obst und Gemüse: Bio ist in – Dank hohem Gesundheitsbewußtsein ist biologischer Anbau auf dem Vormarsch

Fruchtstand an einer Bananenpflanze

In letzter Zeit stößt man vermehrt auf Hinweise, daß es in der Landwirtschaft in Deutschland und Österreich an Bio-Produzenten fehlt. Bio-Produkte werden nicht in ausreichender Menge im Inland produziert und müssen daher importiert werden.

Warum gibt es eigentlich diesen Bio-Boom, der immer mehr in Mode kommt?
Den Menschen wird immer mehr klar, daß man sich mit vergifteten Produkten langfristig nur schaden kann. Es wird wohl niemand mehr behaupten wollen, daß agrochemisch erzeugte Nahrungsmittel absolut gefahrfrei für die Gesundheit konsumiert werden können.

Ja, Obst, Gemüse, Getreide und weitere Produkte aus biologischem Anbau sind teurer, als chemisch hochgepäppelte Erzeugnisse. Aber dafür hat man dann die Gewissheit, daß man nicht nur seiner Gesundheit einen sehr viel größeren Dienst erweist, sondern damit auch der Umwelt.

Und nicht nur die eigene Gesundheit profitiert davon, sondern auch die Gesundheit jener Planatagenarbeiter, die zuvor unter eigentlich unhaltbaren Umständen bei ihrer Arbeit vergiftet wurden. Man denke nur einmal an Bananen, die in Deutschland nach Äpfeln auf dem zweiten Platz beim Verzehr pro Kopf stehen. Eine Bananenplantage wird bis zu 50 Mal im Jahr mit den verschiedensten chemischen Produkten behandelt.

Es gibt da Herbizide, Fungizide, Pestizide und vielleicht noch mehr. Und diese Gifte sind dann nicht nur für die Schadorganismen Gift, sondern auch für den Menschen. Dabei werden dann die Arbeiter entsprechend mit vergiftet. Die Arbeiter haben meist keine Ausbildung, kennen die Gifte nicht, sie arbeiten unbedarft und haben oft nicht mal Schutzkleidung.

Wenn man also Bio kauft, dann unterstützt man Plantagen, die ohne Gifte auskommen und so gesündere Arbeiter haben.

Warum aber gibt es in Deutschland und Österreich so wenige Landwirte und Bauern, die auf eine ökologische Produktionsweise umstellen? Das Problem ist, daß erst ab dem dritten Jahr nach der Umstellung die Produkte als Bioprodukte verkauft werden dürfen. Da die intensivere Arbeit beim biologischen Anbau höhere Kosten verursacht, hat man 2 Jahre lang stark verringerte Erträge. Aber je größer die Nachfrage wird, um so mehr werden sich junge Landwirte, die einen Hof übernehmen, auf den biologischen Anbau festlegen.

Auf dem obigen Bild sind übrigens Bio-Bananen aus dem eigenen Garten zu sehen.

Was wird aus meiner Lebensversicherung

Glaspalast

Die meisten Deutschen haben sie, die Lebensversicherung. Genauer eigentlich die Kapitallebensversicherung.

Ganze Horden von Versicherungsvertretern und selbsternannten Finanzoptimierern ziehen durch die Lande und sind dabei doch hauptsächlich auf ihre Provision bedacht. Und durch die Vermittlung von Lebensversicherungsverträgen erzielen sie dann den Großteil ihres Einkommens in Form einer Abschlußprovision, die bei einer KLV, wie sie im Branchenjargon genannt wird, durchaus 4,5% ausmachen kann. Das heißt, der Vermittler erhält bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro eine Provision von etwa 4500 Euro.

Bevor dann der erste Euro überhaupt bei dem Vertrag als Guthaben gebucht wird und als Rückkaufwert zu Buche schlägt, zahlt der Kunde erst einmal für die Provision und sonstige Kosten der Versicherungsgesellschaft, was meist etwa 2 Jahre ist.

Eine Kapitallebensversicherung ist eigentlich weniger eine Versicherung, sondern eher ein Sparvertrag, der auch mit einem kleinen Teil eine Versicherung für den Todesfall beinhaltet.

Nun kann man aber durchaus darauf hinweisen, daß man das als “Legalen Betrug” ansehen kann, wie schon 1983 das Landgericht Hamburg in einer Entscheidung feststellte. Daher sollte man annehemen, daß das nicht die optimale Möglichkeit ist, sein Vermögen anzulegen. Auch nicht dann, wenn man die LV als HVT anbietet, nämlich als Hypothekenvortilgung, wo mit dem Argument geworben wird, daß man quasi mit dem Zeitpunkt des Abschlusses der Versicherung bereits beginnt, eine hypothetische Hypothek zu tilgen, die man in der Zukunft einmal aufnehmen möchte.

Das Geld der Anleger wird überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren angelegt, zum Beispiel Staatsanleihen – also sicher. Sicher? Nicht wirklich, denn wenn es zu einer Hyperinflation mit anschließender Währungsreform kommt, dann bleibt da wohl kaum noch etwas davon übrig.

Irgendwann müssen die Staatsschulden getilgt werden – und eine Hyperinflation ist dafür für den Staat das optimale Mittel.

Was sollte man nun mit einer solchen Lebensversicherung jetzt in dieser Zeit der Weltwirtschaftskrise anfangen? Wenn man Vertrauen in das System hat, dann braucht man nichts zu unternehmen.

Ist man aber der Meinung, daß die exorbitante Staatsverschuldung überall auf der Welt zu einer Hyperinflation führen wird, dann sollte man seine Lebensversicherung entweder möglichst schnell kündigen und auszahlen lassen oder an eine Firma verkaufen, die sich auf den Ankauf von Lebensversicherungen spezialisiert hat, wobei in diesem Fall mit einem größeren Erlös gerechnet werden kann.

Und mit diesem erhaltenen Geld kann man sich dann echtes Geld kaufen, nämlich Silber oder Gold, das in Zeiten der Inflation immer seinen Wert behalten hat. Eine Unze Gold bleibt 1 Unze Gold und eine Unze Silber bleibt 1 Unze Silber. Unter Insidern wird der Wertentwicklung von Silber ein weitaus höheres Potential eingeräumt, als beim Gold, was damit begründet wird, daß Silber auch ein Industriemetall ist und verbraucht wird.

Die Avokados sind bald reif

Avocados hängen am Baum

Interessant ist, wenn man mit den beiden Varianten ‘Avocado’ und ‘Avokado’ gugelt, dann kommt man zu der Erkenntnis, daß die richtige Schreibweise Avocado ist. Bei dieser Schreibweise gibt es etwa 388.000 Suchergebnisse, bei der offiziell nicht richtigen Schreibweise ‘Avokado’ gibt es dagegen etwa 400.000 Treffer.

Die Deutschen und andere Deutschsprachige sind also eher der Meinung, daß man das Wort mit k schreibt. Keine Zweifel braucht man bei der wissenschaftlichen Bezeichnung zu haben, denn die ist weltweit: Persea gratissima.

In Madagaskar hängen jetzt im Hochland um Tana an vielen Bäumen die meist noch unreifen Früchte, die aber jetzt nach und nach reif werden werden.

Die Avocado, die zur Familie der Lorbeergewächse gehört, stammt aus Mexiko, wo es heute eine sehr große Sortenvielfalt gibt. Sie ist eine sehr gesunde Frucht mit einem sehr hohen Fettanteil und wird immer roh gegessen. Da sie roh gegessen wird, ist sie auch so wertvoll für die Gesundheit, denn erhitzte Öle sind minderwertig. Daher sollte man auch bei Salaten immer kaltgepreßte Öle verwenden. Die ungesättigten Fettsäuren sind dabei eine ideale Vorsorge gegen Arteriosklerose und andere ernährungsbedingte Krankheiten.

Avocados sind mineralstoffreich, sie haben vor allem Magnesium, Kalium, Calcium und Eisen. Auch die Vitamine der B-Gruppe, das Provitamin A (Vorstufe des Vitamin A) und die Vitamine E und K tragen dazu bei, daß die Avocado so gesund ist. Die Avocado ist also ein Lebensmittel im wahrsten Sinne des Wortes, das einen beträchtlichen Nährwert aufweist. Und dann soll sie auch noch im Darm die Bildung von bestimmten Bakterien verhindern und beim Cholesterinhaushalt soll sie bei dessen Regulierung behilflich sein. Was will man mehr?

Bei so vielen guten Seiten, die die Avocado zeigt, kann man noch darauf hinweisen, daß die gesamte Pflanze das Toxin Persin enthält. Dieses Persin soll für den Menschen harmlos sein, aber für die meisten Tiere soll es bei Aufnahme in größeren Mengen giftig sein.

Petition an den Präsidenten von Madagaskar und den Bürgermeister von Antananarivo

Die Hand drauf

An: Den Präsidenten von Madagaskar und den Bürgermeister von Antananarivo

Für die Herren Marc Ravalomanana und Andry Rajoelina

Sehr geehrte Herren,

angesichts der politischen Krise, die Madagaskar derzeit durchzieht, unterzeichnen wir, Bürger von Madagaskar oder woanders, diese Petition, damit Sie und die Personen, die Sie jeweils unterstützen, akzeptieren, den Dialog zu beginnen, um möglichst bald alle Streitpunkte zu lösen, die Sie in Konflikt zueinander bringen, und nur das übergeordnete Interesse der Nation und des madagassischen Volkes zu betrachten.

Mit dem harten Leben, das wir bereits führen, können wir uns den Luxus nicht mehr leisten, unser Land und unser Leben von Ihnen für Ihren persönlichen Eifer als Geiseln nehmen zu lassen.

Viele Leben sind bereits ausgelöscht worden, viele Güter sind wegen dieser Krise zerstört worden. Es reicht!

Wir fordern also, daß Sie eine Lösung durch den Dialog und nicht durch die Demonstration Ihrer Autorität finden.

Wir starten auch einen Aufruf an alle Kräfte der Nation, alle Mittel einzusetzen (nationale Debatte, nationale Konzertation usw.), damit sich eine solche Krisensituation nie mehr in unserem werten Land wiederholt.

Wir Bürger wollen den Frieden und nicht Ihre egoistischen politischen Querelen.

Daß Gott Ihnen beiden und Ihren Anhängern den Mut und den Willen gibt, den Dialog zu akzeptieren.

Um ihre Heimat besorgte Madagassen

Foto: aboutpixel / Konstantin Gastmann

Rücktritt in Madagaskar – Eine Mutter handelt

Demo am Platz des 13. Mai

Nach dem schlimmen Blutbad vom Samstag in Antaninarenina war die Verteidigungsministerin Cécile Ange Dominique Manorohanta von ihrem Amt zurückgetreten. Als Begründung führte sie an, daß ein Blutvergießen ihrer Mitbürger gegen ihre Erziehung sei, gegen ihren Glauben und gegen ihre Eigenschaft als Mutter. Sie habe auch daran erinnert, daß die Hauptaufgabe der Ordnungskräfte darin bestehe, Güter und Personen zu beschützen und nicht darin, die Bevölkerung zu massakrieren. Das ist menschliches Handeln, das man als vorbildlich bezeichnen muß. Darüber sollte sich jeder einmal Gedanken machen. Die Perspektive der Mutter – versetzt Euch einfach in diese Lage und denkt darüber nach. In Madagaskar und auch überall sonst.

Der Machtkampf in Madagaskar – Auftakt zum Umsturz in vielen Ländern?

Demonstration in der Innenstadt

In Madagaskar hat der Unmut schon längere Zeit in der Bevölkerung geschwelt. Das Aufkommen öffentlicher Proteste war absolut vorhersehbar und keine Frage des ob, sondern nur eine Frage des wann.

Der Präsident hat in seiner arroganten, überheblichen Art den jungen Andry Rajoelina vollkommen unterschätzt, hat diesen quasi erst dazu gebracht, Bürgermeister von Antananarivo werden zu wollen. Als dieser dann als “TGV” Bürgermeister wurde, ging der Kampf weiter. Der Staat mischte sich in die Angelegenheiten der Commune Urbaine d’Antananarivo (CUA) ein, immer wieder gab es Vorkommnisse. Das Faß zum Überlaufen brachte die Schließung des Fernsehsenders VIVA TV, der dem ehemaligen Discjockey Rajoelina gehört.

Auslöser für die Unruhen in Madagaskar ist also nicht die derzeitige Weltwirtschaftskrise. Allerdings wird diese Krise sicherlich noch in einigen Ländern zu Unruhen führen, da der Sprengstoff so gewaltig ist, daß sogar bereits in Island durch den drohenden Staatsbankrott Unruhen ausgebrochen sind, einem Land, in dem der Wohlstand ein hohes Niveau erreicht hatte.

Ungarn, Lettland, die Ukraine und Rumänien sollen am Rande des Staatsbankrotts stehen. Da fragt man sich, welches Land als erstes tatsächlich diesen Staatsbankrott erklären wird. Sogar in der EU soll Griechenland ein großer Wackelkandidat sein und auch Italien und Spanien zählt man zu den Ländern mit sehr großem Risiko.

Im bevölkerungsreichsten Land der Erde, in China, scheint man sich schon auf Unruhen einzurichten, wenn man das Miltiär auf absoluten Gehorsam einschwören will. In diesem riesigen Land mit seinen vielen ethnischen Minderheiten soll es nach offiziellen Angaben 130 Millionen Wanderarbeiter geben, von denen bereits 20 Millonen arbeitslos sind, nach inoffiziellen Schätzungen soll die Zahl der Wanderarbeiter gar bei 300 Millionen liegen. Hinzu kommen 7 Millionen Jungakademiker, die auf Arbeitssuche sind. Man stelle sich derartige Menschenmassen ohne Einkommen und ohne ein funktionierendes Sozialsystem vor. Alle diese Menschen sind ein explosiver Sprengstoff für ein weiteres friedliches Zusammenleben.

Ravalomanana hat nur eine Sorge: Den Gipfel der Afrikanischen Union

Demo 7. 2. 2009 Platz des 13. Mai

Zum Blutbad vom Samstag ist anzumerken, daß die Demonstranten friedlich und wehrlos waren. Es sah auch nicht so aus, als wollte die Menge versuchen, den noch etwa 20m entfernten Zaun des Staatspalastes Ambohitsorohitra zu erreichen. Wäre die Menge bis zum Zaun gelangt, wäre es ihr aber wohl kaum gelungen, auf das Innengelände vom Präsidentenpalast zu gelangen, da der Zaun ein massives Eisengitter ist. Es bestand also eigentlich keine wirkliche Gefahr für den Staatspalast. Es wurde dann ohne Vorwarnung in die Menge geschossen. Selbst als erste Helfer versuchten, die zurückgebliebenen Schwerverletzten zu bergen, wurde erneut geschossen.
Ein befragter Armeegeneral soll heute in einem Radiointerview gesagt haben, daß man die Demonstranten zuerst mit einem Megaphon hätte warnen müssen. Dann hätte eine zweite Warnung folgen müssen und als letzte Warnung hätte man in die Luft schießen müssen. Das wäre die normale Vorgehensweise.
Was man hier getan hat, ist nichts anderes, als heimtückischer Mord. Die Beteiligten der Befehlskette sollten sich dafür vor Gericht verantworten müssen, wie der UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon meinte.

Marc Ravalomanana hat am Sonntag im Fernsehen in einer Ansprache ausführlich über den Gipfel der Afrikanischen Union im Juli philosophiert, der in Ivato stattfinden soll. Das scheint seine einzige Sorge, denn er spricht immer wieder davon. Dafür geht er über Leichen. Er will es auskosten, die Staatschefs der afrikanischen Staaten in Madagaskar zu empfangen. Das wird aber immer zweifelhafter, wenn man sich den Lauf der Dinge betrachtet. Heute wurde der erste Rücktritt aus seinem Kabinett bekannt, die Verteidigungsministerin Cécile Manorohanta hat ihr Amt niedergelegt.

Marc Ravalomanana zeigt seine wahre Fratze: Blutbad in Antaninarenina

Schöne Blüte vor einer Granitmauer

Dieser 7. Februar ist wieder ein rabenschwarzer Tag, den Ravalomanana der Geschichte Madagaskars hinzugefügt hat. In seinem Flugzeug, das dem Volk gehört, soll er in Majunga gewesen sein, während er in Tana auf sein Volk schießen läßt. Ein ähnliches Bild, wie während der schlimmen Plünderungen in der vergangenen Woche, als Ravalomanana sich auch in seiner Boeing nach Morondava abgesetzt hatte.
Vor dem Präsidentenpalast Ambohitsorohitra in der Oberstadt Antaninarenina haben sich die Demonstranten versammelt, geführt von Monja Roindefo, der von Andry Rajoelina zum Premierminister ernannt wurde. In einem Fernsehbericht waren Gewehrsalven von Automatikwaffen zu hören, es wurde direkt in die Menge geschossen. Die schwer Getroffenen bleiben liegen, alle suchen Deckung. Mit 50 Toten ist mindestens zu rechnen. Die Zahl der Verletzten dürfte bei über 300 liegen. Ein Journalist der französischen RFI soll unter den Toten sein, wie im Radio verbreitet wurde. Damit würde, sollte sich das bestätigen, das Gemetzel gleich eine internationale Dimension bekommen haben.
Der amerikanische Botschafter in Antananarivo, Niels Marquardt, hat am Vortag in 2 Radiointerviews mit BBC und RFI die Regierungsführung von Marc Ravalomanana kritisiert, indem er meinte, der Zeitpunkt für eine bessere Regierungsführung sei gekommen und daß wenig Aussicht auf Finanzhilfen für Madagaskar bestünde, solange die wirtschaftliche und die politische Lage nicht geregelt sei. Außerdem habe er gesagt, daß man private und staatliche Interessen nicht zu sehr vermischen solle. Ravalomanana antwortet an diesem Tag mit einem Massaker. Die Ära Ravalomanana neigt sich mit großen Schritten ihrem Ende entgegen, wie es scheint.
In den Medien ist überwiegend Trauermusik zu hören. Andry Rajoelina gibt weinend ein Interview am Telefon.

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