Madagaskar-Blog

Themen rund um Madagaskar und alles was interessant ist…

Archiv: März 2009

Die Weltwirtschaftskrise schickt unheilverkündende Boten voraus

Polizisten mit Kampfanzug

Wie bereits im Artikel “Alle politischen Organisationen sind in Wahrheit kriminelle Organisationen” dargelegt, wird die laufende Krise sehr viel schlimmer werden, als die “Great Depression” der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. In dem Artikel wird auf ein Interview mit Gerald Celente verwiesen, der schon viele Krisen vorausgesehen hat.

Der große Crash steht noch bevor, kann man jetzt bei der Jungen Welt lesen. Die Zahlen, mit denen derzeit hantiert wird, sind nicht mehr faßbar. Daß die Unruhen in Madagaskar nur der Auftakt für weitere Aufstände weltweit sein könnten, wurde bereits angedeutet.

Die Regierungen sind wohl sehr gut über Entwicklungen informiert und wissen, was kommen wird. Und sie sind es auch, die uns das alles eingebrockt haben, sie haben es so geplant.

Daß die Lage so eingeschätzt wird, daß es zu Aufständen kommen wird, verdeutlichen die Maßnahmen, die man in Frankreich und in Italien getroffen hat. In Frankreich sollen pensionierte Polizisten zurück in den Dienst gerufen werden und in Italien hat man in einer Eilverordnung die Aufstockung der Polizei beschlossen und Bürgerwehren erlaubt.

Einen Eindruck des Potentials, welches die verarmten Menschen in den Vereinigten Staaten darstellen, kann man auf der Seite von Reuters begutachten, wo man Leute in Zelten in einer Zeltstadt vor den Toren von Sacramento in Kalifornien leben sieht.

(16. 2. 2010 Die Reuters-Seite mit den Bildern existiert nicht mehr! Als Alternative dafür der Link zu einem Artikel bei Blick.ch. Wer bewegte Bilder vorzieht: Ein Blog-Artikel, der zahlreiche Links zu Youtube-Videos von Zeltstädten aus vielen Teilen der USA gelistet hat.)

Da steht man in den USA also nicht abseits, denn aus dem Pentagon soll verlautet sein: “Die US Army bereitet sich in aller Stille auf ‘unkonventionelle strategische Schocks’ vor.” Das heißt, zur Aufstandsbekämpfung sind Einsätze durch die Armee geplant.

Die Beschaffungsstelle der US-Armee soll im Internet eine Ausschreibung für Schutz- und Kampfanzüge über 60 Millionen Dollar veröffentlicht haben. Und da steht natürlich der neue Präsident Obama dahinter. Es gibt schon erste Seiten, auf denen Barack Hussein Obama mit Hitler verglichen wird. Mindestens ein Autor meint gar, Obama werde schlimmer.
Wait and see.

Zum Abschluß der Recherchen ist noch ein sehr umfassender Artikel bei Telepolis zu dem hinzugekommen, was bevorsteht.

Foto: aboutpixel.de / abwarten © Frank Zunker

Ankündigung der Rückkehr von Didier Ratsiraka nach Madagaskar?

Titelblatt Zeitung Malaza

Heute steht auf der Titelseite der Zeitung Malaza, die anscheinend zum Fernsehsender MATV gehört: “Andrasana manomboka anio ny amiraly Ratsiraka”, was soviel heißt, wie: “Das Warten auf den Admiral Ratsiraka beginnt heute.” Entgegen der Seitenangabe für die Seite 4 befindet sich aber in der ganzen Zeitung kein diesbezüglicher Artikel.
Es handelt sich also vielleicht um eine Provokation, um abschätzen zu können, wie die Madagassen darauf reagieren werden. Es kann jetzt jedenfalls als sicher gelten, daß es Bestrebungen gibt, zumindest Personen aus dem Dunstkreis von diesem Ex-Diktator, Terroristen und Mörder wieder nach Madagaskar zurückzuholen. Dazu gab es ja schon den Artikel bezüglich Pierrot Rajaonarivelo in diesem Blog. Und heute findet sich bei Reuters ein Artikel, in dem ein Interview mit jenem diesen Satz zu Rajoelina beinhaltet: “We have a sort of deal and I’m among the people behind him but I think as far as his approach is concerned, there’s a bit of amateurism there.” Und: “Rajaonarivelo said that any solution would have to include opposition politicians exiled after 2002.” Übersetzung: Wir haben eine Art Abkommen und ich bin unter den Leuten, die hinter ihm sind. Aber ich denke, was sein Herangehen an die Sache betrifft, so ist es ein wenig amateurhaft. Rajaonarivelo sagte, daß jede Lösung Politiker, die nach 2002 exiliert wurden, einschließen muß.
Also muß der boay kely (kleiner Junge), wie Ravalomanana seinen Herausforderer Rajoelina zu nennen pflegte, weichen für die Profis der AREMA? Wenn Ratsiraka kommen sollte, dann muß er sofort verhaftet werden und in’s Gefängnis gebracht werden, alles andere wäre ein Armutszeugnis für die Madagassen. Man erinnere sich nur daran, daß er 2002 versucht hatte, Madagaskar in mehrere Staaten zu spalten. Mit Terroraktionen, wie dem Sprengen von Brücken, hat er versucht, die Provinz Antananarivo auszuhungern. Oder man betrachte die Ereignisse, als er am 10. August 1991 ein Blutbad hat anrichten lassen, als er befahl, auf die unbewaffneten Demonstranten zu schießen, die auf dem Weg zum Präsidentenpalast in Iavoloha waren.
Heute sagte Andry Rajoelina auf dem Platz des 13. Mai, daß er bereit sei, den Gipfel der Afrikanischen Union zu empfangen. Der Club der Diktatoren kommt zum boay kely? Das hat Madagaskar wahrlich noch gefehlt.
Der gerade gestürzte Diktator Marc Ravalomanana ist verschwunden, sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Im Palast von Iavoloha soll er sich nicht mehr aufhalten und die amerikanische Botschaft ließ verlauten, daß er nicht bei ihr sei. Was soll man da noch sagen? Eine Kr.. äh, was wollte ich jetzt eigentlich in die Tastatur hacken? Aus!

Die Ära Ravalomanana ist beendet – wird Rajoelina minderjähriger Nachfolger?

Ex-Diktator Marc Ravalomanana

Nachdem die abtrünnigen Militärs gestern Abend den alten Präsidentenpalast Ambohitsorohitra eingenommen hatten, ist Marc Ravalomanana heute zurückgetreten und hat die Regierung aufgelöst, nachdem er noch am Samstag gesagt hatte, er werde nie zurücktreten. Vielleicht auch im Hinblick auf die Ermordung des Präsidenten Joao Bernardo Vieira in Guinea Bissau hatte er jetzt vielleicht so viel Angst, selbst getötet zu werden, daß er die Möglichkeit, Schutz durch die amerikanische Botschaft gewährt zu bekommen, in Anspruch genommen hat. Es scheint offensichtlich, daß Frankreich wieder mehr Einfluß geltend machen will und wohl auch wird. Ravalomanana hat bestimmt, daß die Macht auf 4 bestimmte unter den dienstältesten Generälen übergehen soll. Andry Rajoelina hat aber eine Militärregierung abgelehnt und die abtrünnigen Militärs haben dann die entsprechenden Generäle in Gewahrsam genommen. Am Platz des 13. Mai herrschte bei der versammelten Menge ein Freudentaumel. Okay, der Diktator hat abgedankt. Aber was kommt jetzt? Eine gehörige Portion Skepsis ist angebracht, wenn man den Blick in die Zukunft von Madagaskar wagen will.

Was macht Jaques Sylla am Platz des 13. Mai?

Revolution in Orange in Madagaskar

Der Botschafter für die USA, Niels Marquardt, hatte ein Gespräch mit Marc Ravalomanana geführt und im Anschluß haben die Amerikaner ihren Bürgern die sofortige Ausreise empfohlen: Ami go home! Warum haben nur die Amerikaner ihren Bürgern die Ausreise empfohlen? Was wissen die, was die anderen nicht wissen? Läuft da wieder irgendeine Schweinerei, von der noch keiner etwas ahnt?

Inzwischen haben sich die höchsten Richter auf die Seite des Volkes gestellt: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Am Samstag, am Platz des 13. Mai, wurde Ravalomanana aufgefordert, innerhalb von 4 Stunden seinen Rücktritt bekanntzugeben. Ravalomanana weigert sich aber noch, von seinem Amt als Präsident zurückzutreten. Allerdings hatte er heute nicht mehr die rote Krawatte an, wie regelmäßig in letzter Zeit, sondern eine blaue. Er wurde gezeigt, als er heute, am Sonntag, auf dem Feld irgendwo in der Nähe des Präsidentenpalastes von Iavoloha vor vermutlich mehreren tausend Anhängern einen “Gottesdienst” veranstaltete.

Gestern Abend noch soll er laut Radioberichten am Tor vom Präsidentenpalast gewesen sein, geschützt von weißen Söldnern mit Waffen im Anschlag. Einige Mitglieder der Präsidentengarde sollen auch zu ihren Einheiten zurückgekehrt sein. Macht hat Ravalomanana also immer weniger. Die Frage ist nun, ob die Berichte von der Landung von Söldnertruppen an der Küste in der Nähe von Majunga und eine angeblich mißglückte Landung bei Manakara etwas mit der Wahrheit zu tun haben?

Eines ist jedoch zu vermuten: Die Zukunft von Madagaskar erscheint nicht so rosig. Wenn man sieht, daß am Samstag der Präsident der Nationalversammlung und 2002 erster Premierminister von Ravalomanana, Jaques Sylla, am Platz des 13. Mai reden darf, da kann man sich seine Gedanken machen – auch wenn er zu sagen hatte, daß Ravalomanana zurücktreten solle. Dann lassen die Leute auch einen Pierrot Rajaonarivelo dort reden? Und vielleicht nicht nur einen Roland Ratsiraka, sondern auch einen Didier Ratsiraka?

Und Andry Rajoelina, warum fand er gerade in der französischen Botschaft Unterschlupf? Und warum soll gerade jetzt, nach so langer Zeit ohne Botschafter, morgen Jean-Marc Châtaigner, der neue Botschafter für Frankreich, kommen? Jetzt, wo es fast so aussieht, als wäre Rajoelina der Sieger im Kampf um die Macht.

Wird eine “Neue monetäre Weltordnung” kommen? Erst der Amero? Und dann…

Das Weltwährungssystem mit dem Dollar in Not

In einem Artikel bei der Wirtschaftswoche schreibt man, daß der ehemalige italienische Finanzminister Tommaso Padoa-Schioppa gesagt habe, daß man über eine neue monetäre Weltordnung nachdenken müsse.
Auf die Nachfrage, was er denn mit “neue monetäre Weltordnung” meine, habe er geantwortet:
“Dazu möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.”

Das läßt dann also den Schluß zu, daß es noch nicht so weit ist, den Plan für eine Weltwährung zu enthüllen. Aber die Bestrebungen sind im Gange und man liest immer öfter davon, daß zuerst einmal eine Währungsunion für Kanada, die USA und Mexiko geplant sei. Die Währung soll dann möglicherweise Amero heißen.

Eine andere These geht davon aus, daß der Dollar und der Euro durch eine gemeinsame Währung ersetzt werden sollen. Wie dem auch sei, daß es nicht gut um die Währungen steht, ist offenbar. Beim Euro gibt es extreme innere Spannungen, da die Staaten, die am Euro Teil haben, ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitgebracht haben.

Der Dollar ist eigentlich nicht mal mehr das Papier wert, auf das er gedruckt wird, da dem vielen Geld – das sind eigentlich Schulden, die die Vereinigten Staaten von Amerika haben – keine tatsächlichen Werte gegenüber stehen. Lediglich die Tatsache, daß der Dollar die Reservewährung für die meisten Staaten ist oder zumindest war, hält den Wert noch oben. Hinzu kommt noch Spekulation und wahrscheinlich auch Manipulation. Die Medien steuern die Mehrheit der Menschen und diese merken es nicht einmal.

Ein schönes Zitat, passend zum Thema, welches man im Netz von Alexander Hahn finden kann:

Bedenken Sie bitte, dass unser momentanes Weltfinanzsystem praktisch mit einem Bein schon im Abgrund steht und einige extrem wohlhabende und einflußreiche Leute von diesem System in der Vergangenheit sehr stark profitierten und dies sicherlich auch gerne in Zukunft möchten.

So kommt es auch, daß man bei der Preisfindung für echtes Geld, dem Gold nämlich, wohl schon seit langer Zeit Manipulation betreibt. Aber wenn es zu der befürchteten Hyperinflation kommt, dann wird vielleicht nur Silber noch besser abschneiden. Der Goldpreis geht derzeit nochmal nach unten und könnte gar die 650 $ erreichen. Das wäre dann eine gute Gelegenheit zum Kauf – viellleicht die letzte.

Gugeln auf Madagassisch mit Google Malagasy

Google Malagasy Formularfeld

Es wird vermutlich nur eine Minderheit der Leser dieses Blogs betreffen, die auch wirklich den neuen Dienst der Firma Google, nämlich Google Malagasy nutzen werden, aber auf einem Madagaskar-Blog sollte diese Nachricht dann doch nicht fehlen. Also: Tonga Soa. Wie man an der Domain sieht, hat sich Google aber noch gescheut, in Madagaskar selbst aktiv zu werden und dort einen Server hinzustellen. Kein Wunder bei der derzeitigen Krise mit den blutigen Unruhen.

Reisproduktion in Madagaskar – Analamanga erwartet hohe Produktionssteigerung

Entenschwarm am Reisfeld

In der Region Analamanga, zu welcher Antananarivo gehört, rechnet man für die Reisernte der Saison 2008-2009 mit 480.000 Tonnen, gegenüber 405.000 Tonnen in der vorangegangenen Periode, wie ein Artikel in der Midi Madagasikara gemeldet hatte. Die Bauern sollten dafür sensibilisiert werden, künftig im Rahmen der Grünen Revolution zu produzieren, um der Nahrungsmittelkrise zu begegnen. Das sei die Herausforderung, der sich die Regionaldirektion für ländliche Entwicklung der Region Analamanga gegenübersehe. Man habe eine Demonstrationsfläche von 50 ha bei jeder Kommune eingerichtet und könne dann vor Ort mit Einweisern über die Gemeindebüros (Fokontany) angemessene Techniken vermitteln und es gebe auch spürbare Auswirkungen darauf. Durch lybische Traktoren habe man neue Flächen nutzen können. Über 1.000 Tonnen Dünger würden den Bauern in dieser Saison zur Verfügung gestellt.

Nun kann man sich wieder fragen, was das soll! Man hat den Propheten im Land, aber da zählt er nichts? Schon vor längerer Zeit hat ein französischer Pater, Henri de Laulanié de Sainte Croix, ein Ingenieur der Agronomie, ein Verfahren gefunden, mit dem der Ertrag auf den Reisfeldern extrem gesteigert werden kann – und zwar ohne Chemie. Ich hatte darüber bereits 2003 berichtet. Laut dem Artikel der Midi von 2003 hatte Madagaskar eine durchschnittliche Produktion von 2 Tonnen Reis pro Hektar, was sehr wenig ist. Das von Laulanié entwickelte Verfahren erbringt in Madagaskar bis zu 23 Tonnen pro Hektar und wird schon in vielen anderen Ländern angewendet und auch an Universitäten wird dazu geforscht. Schon 1990 wurde zur Unterstützung dieses Systems zur intensiven Reiskultur SRI “Système de Riziculture Intensive” ein Verein mit dem Namen Tefy Saina gegründet. Tefy Saina kann man übersetzen mit “Den Verstand schmieden” oder “Die Schmiede des Verstandes”. Es gibt dazu eine Seite mit dem Namen tefysaina.org, die aber leider nur auf französisch existiert.
Schon alleine das Wissen, daß man die Pflänzchen im Ansaatfeld möglichst bald nach der Keimung einzeln pikieren muß, könnte den Ertrag der Bauern schon enorm steigern. Auf einem Dokument der Cornell University in Ithaca, New York, findet man den Hinweis, daß abgeerntete Reispflanzen wieder austreiben und noch eine Ernte erbringen können. Dieser Text in englischer Sprache ist für die meisten Leser sicher besser verständlich und wenn man ihn gelesen hat, dann ist man in gewisser Weise vielleicht ein größerer Reisexperte als die meisten Madagassen. Eine Seite aus Indien zeigt, daß man auch dort mit dem SRI arbeitet.

Es muß endlich in die richtige Richtung gedacht werden. Chemische Dünger kosten Geld und müssen importiert werden. Hinzu kommt, daß die damit produzierten Pflanzen im Vergleich zu natürlich produzierten minderwertiger sind. Das mag der Eine oder Andere jetzt nicht glauben, aber man kann das wohl anhand der Biophotonen nachweisen. Also besser sollte man mit der Natur produzieren.
Vielleicht hat das Ganze aber auch damit zu tun, daß Chemiekonzerne ihre Produkte verkaufen wollen und diese Interessen mit den entsprechenden Summen an Geld in den Markt drücken wollen. Und die Bestechlichkeit in Madagaskar ist ja durchaus ein ernstes Problem.
In Madagaskar könnte man ein Exempel statuieren und die Nutzung von chemischen Produkten, besonders von Giften, verbieten. Das würde dem Land einen außergewöhnlichen Ruf in der ganzen Welt bringen und viele Anhänger der Bio-Bewegung, die ja immer größer wird, würden in das gelobte Land pilgern: Madagaskar. Und für jede Reise würde das dann noch ein zusätzliches Argument darstellen – der Tourismus allgemein würde also auch profitieren.

Die Madagassen in Antananarivo leben jetzt mit der Angst

Grab in Antananarivo

Nachdem am Sonntag ein Teil der Militärs sich von dem Machthaber Marc Ravalomanana losgesagt hatte, gab es am Montag ein gewisses Vakuum, welches von der armen Bevölkerung in der Nähe von Tanjombato genutzt wurde zum Plündern. Im Fernsehen konnte man am Abend vom Montag Szenen dieser Raubzüge sehen, die sich am hellichten Tag abspielten, ohne, daß irgend jemand versuchte, einzuschreiten. Es wurden Fernsehapparate, Matratzen, Scooter und alle sonstigen Waren aus den Läden des Smart Centers in Tanjombato, zum Teil auch mit Einkaufswagen, herausgetragen und gekarrt. Courts, wo es hauptsächlich Möbel im Angebot gibt, Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik, lud im Laden zum Zugreifen ein, wie auch die französische Supermarktkette Jumbo. Die Kamera folgte dem Menschenstrom auf die Straße, alle hatten es eilig, ihre geklauten Sachen möglichst schnell in Sicherheit zu bringen. Und in der Gegenrichtung kamen jene, die sich noch mehr beeilten, um nicht leer ausgehen zu müssen. Unglaubliche Szenen, aber Realität. Bilder danach.
In einem Interview wurde dann auch am Montag Abend von abtrünnigen Militärs berichtet, wobei einer der Sprecher meinte, daß mittlerweile bereits etwa 75% der Militärs sich für die Belange des Volkes entschieden hätten. In der Zeitung “La Verité
” steht in einem kleinen Artikel, daß in Mahanoro letzten Sonntag bei einer Demonstration ein Demonstrant erschossen wurde. Nachdem die Gendarmerie sich geweigert habe, auf die Leute zu schießen, habe der lokale Distriktchef der Polizei befohlen, die Waffen gegen die Leute einzusetzen. Nach mehreren Schüssen, um die Menge zu zerstreuen, sei ein Mann unter den Kugeln der Polizisten gefallen. Wütend habe die Menge dann den Wohnsitz dieses Repräsentanten der Regierung angegriffen und die offiziellen Autos in Brand gesetzt. Hochglücklich habe dieser Distriktchef rechtzeitig entkommen können. Dieser Bericht zeigt, warum es dazu kommen könnte, daß der verbliebene Rest hinter Marc Ravalomanana auch noch die Seite wechseln könnte, da die Angst vor solchen Repressionen überall groß sein dürfte – die Nachbarn wissen ja, wer Soldat, Polizist oder Gendarm ist. Da kommt hinzu, daß man heute dem von Ravalomanana ernannten PDS für den Posten des Bürgermeisters von Antananarivo, Guy Rivo Randrianarisoa, das Haus abgebrannt hat.

Nach Mittag wurde auf sobika.com berichtet, der Verteidigungsminister von Ravalomanana, der Vize-Admiral Mamy Ranaivoniarivo, sei zurückgetreten. Später wurde berichtet, bei Radio Mada (gehört Ravalomanana) habe er dementiert, zurückgetreten zu sein. Am Abend konnte man im Fernsehen ansehen, wie viele Uniformierte anwesend waren, als er in einem Geländewagen das Gelände des Verteidigungsministeriums verlassen wollte. Man hatte das Tor mit einem Vorhängeschloß versperrt und den Minister aufgefordert, erst seinen Rücktritt zu unterschreiebn, bevor er gehen könne. Keiner der Anwesenden mochte dem Minister helfen, das Tor zu öffnen. Dann berichtete sobika.com von 5 Toten bei Kämpfen zwischen Anhängern von TGV und TIM, von denen es im Fernsehen aber keine Erwähnung gab.

Auf alle Bewohner der Stadt wirkt sich die aktuelle Lage aus. Heute waren viele Läden geschlossen und auch ein Hotel hatte ein verschlossenes Gitter, das sonst vermutlich nur nachts geschlossen wird. An vielen Stellen gab es wieder Straßensperren in der Stadt. Auch die Kinder bekommen die Krise mit, ihre Konzentrationsfähigkeit nimmt ab, und beim Spielen kann man sehen, wie Ängste zum Vorschein kommen, die dann im Spiel eingebaut und verarbeitet werden. Man denke nur an die ganzen Kinder, die mit dem Giftgas in Berührung gekommen sind.

Der Diktator selbst hat heute in einer Ansprache im Sender TVM zugegeben, Fehler gemacht zu haben und daß er jetzt zuhören werde. Das zeigt an, wie weit er gesunken ist, die Arroganz scheint verflogen zu sein. Das Ende der Ära Ravalomanana und seiner Herrschaft scheint nahe.

Pierrot Rajaonarivelo äußert sich in der Zeitung “La Vérité” zu Marc Ravalomanana

Grab in Antananarivo

In der heutigen Ausgabe bringt die Zeitung “La Vérité” ein Interview mit dem ehemaligen Vize-Premierminister Pierrot Rajaonarivelo, der aktuell im Exil in Paris lebt und Nationaler Sekretär der Partei AREMA ist.
Aus dem Interview mit dem Titel “Kein Nebeneinander mit Ravalomanana”:
Wegen seiner Erziehung und seiner politischen Verantwortlichkeit, die er repräsentiere, leide er, nicht physisch an der Seite all der Leute sein zu können, die wagten, sich unter Gefährdung ihres Lebens zu erheben und dem teuflischen Regime von Ravalomanana zu begegnen. Man habe alle die Fotos der barbarischen Taten gesehen, welche dieses Individuum unsere Brüder, Schwestern und Verwandten derart erleiden lasse, daß man glauben könne, daß das madagassische Blut nicht durch seine eigenen Adern fließe. Er sei wirklich traurig für sein Land, welches von einem Mann regiert werde, der beschlossen habe, den Krieg gegen sein Volk zu führen, Gott und die Ahnen mögen über ihn richten. Er erweise Andry Rajoelina seine Ehrerbietung für seinen Mut und seine Bestimmtheit…

Die Partei AREMA wurde gegründet von Didier Ratsiraka, dem letzten teuflischen Diktator, der in Madagaskar auf sein Volk hat schießen lassen. Unter jenem Mörder war Rajaonarivelo also Vize-Premierminister. Warum mußte er in’s Exil fliehen? Was ist hier geplant? Soll er als großer Politiker zurückkehren nach Madagaskar? Wer steckt dahinter? Ratsiraka? Frankreich?

Zur Zeitung “La Vérité” wird in einigen Zeilen in einem Artikel des Madagaskarkenners “ed2murrow” im Zusammenhang mit einem gewissen Patrick Rajoelina referiert.

Madagaskar – Abtrünnige Militärs in Soanierana kontrollieren die Straße

In Soanierana, einem Stadtteil von Antananarivo, gibt es eine Kaserne, Camp CAPSAT, die auch Lager für Munition sein soll. Dort scheint die Mehrheit jetzt gegen eine weitere Gewaltausübung gegen die Bevölkerung zu sein. Man kontrolliert die in der Nähe liegende Kreuzung von Ankadimbahoaka, um sich selbst zu schützen, da man befürchtet, daß die dem Diktator Marc Ravalomanana treuen Truppenteile versuchen werden, die eingelagerte Munition in ihren Besitz zu bekommen. Laut Bericht auf der Seite http://assidu-madagascar.info soll die Präsidentengarde gestern noch versucht haben, eine solche Operation durchzuführen. Allerdings wurde in einer Erklärung vom Chef der Sicherheit für den Präsidenten im Fernsehsender TVM am Abend oft wiederholt, daß das nicht der Fall sei.
Bei einem der Herren aus dem Geländewagen soll es sich um einen Abgeordneten handeln.

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