Dürre, Hungersnot, von derlei Katastrophen hat man über Jahrzehnte aus aus dem Sahel vernommen, doch daß ein Wandel stattfindet, das hat die große Öffentlichkeit noch nicht festgestellt: Der Wald gewinnt Terrain, gebietet der Wüste Einhalt.
Die Wüste lebt! Chris Reij, Geograf von der Freien Universität Amsterdam, kann das belegen mit Satellitenbildern, Fotos, Zahlen, Daten und Fakten, wie der Artikel in der Online-Ausgabe des Spiegel von Hilmar Schmundt zeigt. Reij kommt seit 30 Jahren mehrmals im Jahr in den Sahel und hat dabei natürlich die Entwicklung hautnah miterleben können.
Alleine im Staat Niger kommen seit 20 Jahren jährlich 250.000 Hektar neuer Baumbestand hinzu! Das entspricht zusammengenommen einer Fläche, die etwa so groß ist, wie die Niederlande. Und darüber sollte man sich freuen, wenn es mal eine positive Nachricht ist und keine Katastrophenmeldung, die einen da aus Afrika erreicht.
Als im Niger viele junge Männer in der Hoffnungslosigkeit zu versinken drohten, machten sie sich auf, im ölgesegneten Nigeria Arbeit oder zumindest ein Auskommen zu suchen. Auch im Dorf Dan Saga war das der Fall. Fremdarbeiter auf den Feldern hatten dann nach der nächsten Regenzeit eine deutlich bessere Hirseernte, da sie keine Zeit gehabt hatten, die Gaos, wie die Akazien dort genannt werden, abzuhacken. So lernte man also, daß die Akazien den Hirsepflanzen Windschutz bieten und ein besseres Gedeihen ermöglichen. Die Bauern aus Nachbardörfern wurden darauf aufmerksam und setzten die neuen Erkenntnisse in den Folgejahren auf ihren eigenen Anbauflächen beim Hirseanbau um, sie pflanzten Akazien in die Getreidefelder.
Die Akazien haben die Fähigkeit, Stickstoffknöllchen an den Wurzelspitzen zu bilden, wovon auch andere Pflanzen profitieren können. Sie haben natürlich noch andere positive Effekte, denn man kann Äste ernten, um sie als Feuerholz zu verbrennen und die Blätter können dem Vieh in der Trockenzeit als Futter dienen. Dem Vieh dienen die Bäume in der Mittagshitze auch als Schattenspender und so bekommen sie eine ordentliche Portion Dung durch den Kot der Tiere.
Jan Oliver Löfken hat schon 2002 einen Artikel mit dem Titel “Satellitenbilder belegen: Sahelzone wird wieder grün” zu dem Thema bei “Bild der Wissenschaft” veröffentlicht. In dem Artikel wird von Luftbildern und Satellitenaufnahmen über Burkina Faso berichtet, die belegen, daß die Vegetation in extrem trockenen Regionen entlang der Sahelzone signifikant zugenommen hat.
Chris Reij hat auf die “ziemlich spektakuläre Regeneration der Vegetation” hingewiesen und er hat auch zusammen mit deutschen und amerikanischen Forschern die ansässigen Bauern nach ihren Ernteerträgen befragt. “Bis zu 70 Prozent mehr Hirse hätten sie in einer ehemals extrem dürren Provinz eingebracht.” Laut Andrew Warren vom University College London, sei auch in Niger, im Tschad, Sudan und in Eritrea eine Zunahme der Vegetation zu beobachten.
Hinzu kommt, daß die lokalen Bauern dank internationaler Hilfe bessere Methoden zum Wasserspeichern und Schutz des fruchtbaren Bodens angewandt haben. Als Schlüsseltechnik wird dabei die Errichtung von Steinwällen angesehen, die entlang von Böschungen aufgebaut wurden, damit das Wasser von Regenfällen nicht einfach wegfließt und fruchtbaren Boden wegschwemmt, sondern aufgehalten wird und im Boden versickert. “Auf Tausenden Hektar, die mit diesen Steinwällen geschützt wurden, wachsen heute Bäume. Vor 15 Jahren wuchs dort gar nichts”, sagt Reij.
Sven Titz bestätigt in seinem Artikel beim Rheinischen Merkur diese Sicht der Dinge, es wird gar von Überflutungen in Westafrika im ehemaligen Trockengürtel berichtet. Der Geograph Stefan Kröpelin von der Uni Köln, der seit 30 Jahren auf Forschungsmission durch die Sahara und die angrenzende Sahelzone reise, habe von deutlichen Anzeichen berichtet, daß sich die Sahelzone nach Norden ausdehne, vor allem in den Staaten Westsahara (annektiert von Marokko), Mauretanien, Tschad, Sudan und Ägypten. “Am besten erkennt man das abseits der stark wachsenden Siedlungen, dort, wo der Boden wenig durch Menschen genutzt wird.”
Im Norden des Sudan sei Kröpelin das frische Grün besonders aufgefallen. In der Gegend hätten früher Wüstenbedingungen geherrscht, heute aber habe er eine üppige Fauna und Flora mit Akazienbäumen und zwitschernden Vögeln vorgefunden. Immer mehr Gazellen grasten dort. Die Nomaden mit ihren Herden seien dort seit Menschengedenken noch nie so weit nach Norden gezogen, wie sie ihm erzählt hätten.
Der Autor Alexander Göbel hat für die Deutsche Welle einen Artikel mit dem Titel “Kampf gegen die Wüste” abgeliefert, der nicht erahnen läßt, daß die Natur vielleicht selbst dazu beiträgt, daß die Wüste zurückgedrängt wird. Berichtet wird von dem Dorf Kokorou im Département Tera, wo die Bewohner mit vollen Kräften dafür arbeiten, die Schäden ducrh Winderosion und Degradation wieder in Grün zu verwandeln. “Die Menschen wollen die Wüstenbildung aufhalten, mit Pflanzen, Steinwällen, kleinen Dämmen.” Der Chef der Nationalen Umweltbehörde, Attaou Laminou, habe gesagt, daß es dort noch viel weniger regne als früher, und jedes Jahr gingen im Niger 55.000 Hektar Ackerland für immer verloren.
Der Geo-Artikel von Michael Stührenberg läßt mit dem Titel “Sahara: Wüste auf dem Vormarsch” die Sache in einem ähnlichen Licht erscheinen, auch, wenn Chris Reij, der Professor für Humangeographie aus Amsterdam, Erwähnung findet. Das aber quasi nur in einem Nebensatz, der imaginär mit einem mitleidigen Lächeln dargestellt wird.
Sollten da jetzt doch wieder Zweifel an dem eingangs geschilderten erfreulichen Szenario aufkommen? Wer soll das schon wirklich wissen? Jedenfalls ist unbestritten, daß es Erfolge mit der Aufforstung von Akazien und anderen Baumarten gibt. Die werden bei Stührenberg aber eher Italienern und besonders Deutschen von der der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) zugesprochen. So wird geschrieben, daß der neue Reichtum der Bauern von Bagaye dem jüngsten GTZ-Projekt im angrenzenden Tal zu verdanken sei. Drei Jahre zuvor habe dort noch Trockenheit mit Stein und Staub geherrscht, jetzt aber gedeihe dort eine Landschaft aus Weiden und Feldern.
Im Dorf Yerimana-3 sind die meisten Häuser in etwa 3 Monaten annähernd vom Sand begraben worden. Allerdings gehört die Region dieses Dorfes zu dem Gebiet um den Tschadsee, wo man den Fluß Komadougou Yobé massiv angezapft hat, um Felder zu bewässern.
Schwarzmalerei in Schwarzafrika ist dann verständlich, wenn man berücksichtigt, daß die meisten Staaten zum Großteil ihre Staatshaushalte vom Ausland finanzieren lassen. Je schwärzer die Lage erscheint, um so spendabler werden die ausländischen Geldgeber sich zeigen. Auch Investitionen in Entwicklungshilfeprojekte wird dann eher stattgegeben.
Es erstaunt, daß es in keinem der 5 Artikel eine Erwähnung von Solaröfen gibt. Sollte das heißen, den Leuten wird nicht die Möglichkeit geboten, die fatale Brennholznutzung gegen eine umweltgerechtere Kochmethode mit Parabolspiegeln zu ersetzen? Wenn man auf das Problem des nächtlichen Holzdiebstahls trotz verbotener Abholzung eingeht, dann gehört das solare Kochen in einer solchen Region aber mindestens auch erwähnt, da hier doch eine entscheidende Schnittstelle für den Kampf gegen die Verwüstung zu sehen ist.
Es gibt sie aber, eine kleine Initiative, die dafür sorgt, daß auch der entscheidende Faktor im Niger propagiert wird: Die Verbreitung von Solarkochern! Leider hat sich der Verein FreundeInnen von Aouderas e.V. aus Braunau in Österreich nicht auf das Propagieren der Solarkocher spezialisiert: “Wir können nicht allen helfen. Darum haben wir beschlossen, es für Aouderas zu tun, einem Dorf am südlichen Rand der Sahara.”
Warum muß es eigentlich ein Parabolspiegelkocher sein? Eine Kockiste oder genauer gesagt eine Solarkochkiste ist billiger und kann im jeweiligen Land mit schon vorhandenen Mitteln hergestellt werden. Das würde einen wichtigen Teil der Wertschöpfung im Land erhalten, zumal solche Länder im Subsahara-Afrika immer Probleme mit der Devisenbeschaffung haben. Alles auf Spenden aufzubauen kann nicht der richtige Ansatz sein, wie man aus vielen Fällen in der Entwicklungshilfe inzwischen weiß. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto: Die Leute sollen sehen, daß, wenn man etwas tut, Leistung sich lohnt.
Sehr interessanter Artikel, passend zum Thema: Kann man in der Wüste Wald pflanzen? Sahara-Aufforstung in Algerien – dank Wilhelm Reich und Cloudbuster
Foto oben: stock.xchng / Serengeti Sunset 1 © Barbara Schneider
Foto unten: aouderas.com © FreundeInnen von Aouderas e.V.