Madagaskar-Blog

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Tag: Andry Rajoelina

Das Militär bekommt nicht die versprochene Erhöhung des Solds – Die Soldaten sind verärgert

Hochaus in Tana

Unzufriedenheit der Soldaten
Nicht gehaltenes Versprechen. Das sei es, was momentan ein Knurren der Militärs verursache. In der Tat habe der Präsident der HAT, Andry Rajoelina, ihnen bis zur Feier des Festes der Unabhängigkeit eine Gehaltserhöhung versprochen, sowie Prämien und Vorteile der Streitkräfte. Er habe es öffentlich während der nationalen Militär-Sitzungen erklärt, die im internationalen Konferenz-Zentrum von Ivato Ende Mai gehalten worden seien, indem er erwähnt habe, daß ihre derzeitige Bezahlung nicht mehr proportional zu den Lebenshaltungskosten sei. Es sei sogar ein eigenständiges Budget für sie vorgesehen, ohne ein anderes Versprechen eines Projekts von Immobilienkrediten zu vergessen. “Tatsache ist aber, daß es nach der Überweisung meines Solds keine Änderung auf meinem Bankkonto gibt”, habe ein Offizier gestern bei der Betrachtung seines Kontos festgestellt.

Abgeschaffte Vorteile
Er ist nicht der einzige, der enttäuscht worden sei, denn weder seine Kollegen der Gendarmerie, noch die anderen Soldaten in den anderen Körperschaften, hätten einen steigenden Sold gesehen. Jedoch hätten sie sie sich viel von dieser Änderung ihrer Bezahlung erwartet, in Anbetracht der Anstrengungen, die sie während dieser Krisenperiode geleistet hätten, und im Hinblick darauf, das nationale Fest in der Familie vorzubereiten. Und was sie enorm geschockt habe, sei die Tatsache, daß dieses Versprechen derart übertrieben mitgeteilt worden sei und nicht einmal gehalten worden sei, ohne eine glaubwürdige Begründung hervorzubringen. Wohlgemerkt habe der Premierminister der HAT, Monja Roindefo, während der nationalen Militär-Sitzungen ebenfalls angekündigt, daß die Vorteile der Beamten kürzlich eine Verbesserung erfahren sollten. In Wahrheit seien aber seit der Einführung der HAT alle Vorteile der Staatsbeamten abgeschafft worden.

Navalona R.

Dieser Artikel ist in der Midi Madagasikara erschienen und zeigt eines deutlich: Sie sind alle gleich.

Wer steckt hinter dem Terrorismus und den Morden in Antananarivo, wer sind die Hintermänner?

Andry Rajoelina

Letzte Woche wurden wieder einige Menschen erschossen. Einer unbeteiligten Buchverkäuferin hat man das Gehirn aus dem Kopf geschossen. Auf der Straße konnte man das zweifelhafte Recht genießen, sich jederzeit erschießen zu lassen. In Pickups oder teuren Geländewagen sind Terroristen in zivil durch die Straßen gefahren und haben auf Passanten geschossen. Freiheiten wurden eingeschränkt. Radiosender wurden geschlossen, Journalisten wurden bedroht.

Wenn das öffentliche Morden so noch einige Zeit weiter geht, wird es schnell zu einem Bürgerkrieg ausarten. Mit Guerilla-Taktiken wird man dann auf die Gewalt vermutlich antworten.

Dann besitzt der HAT-Verteidigungsminister, Colonel Noël Rakotonandrasana, noch die Unverfrorenheit, zu behaupten, man habe nicht in die Menge geschossen? Das Video bei topmada.com beweist das Gegenteil. Wer sensibel ist, sollte sich das nicht ansehen, denn es wird der Kopf der Buchverkäuferin Haja gezeigt und die Leiche eines Mannes, dem es einen Teil des Arms herausgefetzt hat. Solche Wunden gibt es bei normaler Munition wohl kaum. Es darf vermutet werden, daß Dum-Dum-Geschosse verwendet wurden. “Die militärische Nutzung von solchen Geschossen ist bis heute geächtet und gilt als Kriegsverbrechen.

Die Übergangsregierung HAT (Haute Autorité de Transition) hatte eine Rückkehr der Exilierten AREMA-Schergen vor dem 26. Juni verboten und Monja Roindefo wollte es noch hinauszögern, aber Pierrot Rajaonarivelo ist trotzdem inzwischen in Madagaskar angekommen, frei und unbehelligt.

Andry Rajoelina scheint schon gar nicht mehr der starke Mann zu sein, wenn man die Medienpräsenz betrachtet. Da führt eher Monja Roindefo. Und wer jetzt wirklich die Macht innehat, das ist für Außenstehende nicht zu durchblicken. Wenn in zivil gekleidete Männer in Pickups oder Geländewagen durch die Straßen fahren und Jagd auf Menschen machen, ohne, daß sich jemand der sogenannten Machthaber darüber äußert, dann ist das entweder ein Zeichen der Schwäche der Regierung oder eben dafür, daß die Militärs das Zepter in der Hand haben. Man sollte hier die CAPSAT-Meuterer als die Verdächtigen betrachten.

Da paß gut der Bericht von topmada.com ins Bild, daß Soldaten jetzt beim Supermarkt Jumbo einkaufen gehen. Mit Kampfuniform und geschulterter Kalaschnikow. Also scheinen sie jetzt sehr viel mehr Geld zu haben, als vorher. Warum wohl?

Aber angeblich soll es jetzt eine Einladung der UN für Andry Rajoelina vom 1. bis 3. Juni nach New York geben, um an einer Konferenz zur Weltwirschaftskrise teilzunehmen. Das kommt doch irgendwie einer offiziellen Anerkennung gleich. Eine erste schüchterne, aber internationale Anerkennung also. Wenn man Frankreich als Unterstützer des Umsturzes vermutet, dann ist eine solche Anerkennung nur logisch. Wird sich das ausweiten? Wird das Regime um Andry Rajoelina bald auch von einzelnen Staaten anerkannt werden?

Daß das ganze Chaos gewollt ist, das erscheint naheliegend. Madagaskar ist reich an Rohstoffen und die sollen vermutlich möglichst billig ausgebeutet werden. Erdöl scheint man ja viel gefunden zu haben. Man betrachte sich die Geschichte einiger Länder in Afrika. Man betrachte sich dabei Kongo Kinshasa, das ehemalige Zaire, wo in den letzten Jahren ungezählte Menschen Opfer der internationalen Interessen und der Korruption geworden sind. Es sollen schon über 5 Millionen Tote zu beklagen sein. Und das ist eigentlich überhaupt nicht bekannt, kaum jemand weiß um die wahren Hintergründe.

Die Krise in Madagaskar dauert an – Kommen SADC-Truppen? – Droht ein Bürgerkrieg?

Die Wolken verdunkeln sich

Am Montag, dem 6. April 2009 stand in der Zeitung La Vérité ein Artikel, in dem berichtet wurde, daß es in Androndra einen Mord gegeben habe.

Zwei Brüder waren wegen politisch unterschiedlicher Ansichten in einen Streit geraten, der eine solche Eskalation erfuhr, daß der eine seinem Bruder ein Messer in den Bauch rammte. Einer der Brüder hat also sein Leben lassen müssen und der andere Bruder ist zum Brudermörder geworden. Und das nur wegen verschiedener Meinungen zur politischen Lage in Madagaskar.

Dieses Vorkommnis verdeutlicht aber recht gut, wie prekär sich die Lage derzeit auf der großen Insel gestaltet. Leider kann nicht ausgeschlossen werden, daß es so, wie zwischen den beiden Brüdern, im Volk zu schweren Auseinandersetzungen kommen kann.

Schon bei den Feierlichkeiten zur Amtseinführung von Andry Rajoelina am 21. 3. 2009 gab es eine Demonstration von vielleicht mehreren tausend Menschen im Park von Ambohijatovo, die sich für den geflüchteten Marc Ravalomanana einsetzten. Bei der Zeremonie ließ sich Rajoelina im Stadion von Mahamasina so behandeln, als sei er rechtmäßiger, gewählter Präsident von Madagaskar und ließ sich die Kette umhängen. Danach verkündete er sogleich eine Amnestie für politische Häftlinge und die politischen Exilierten, namentlich die alten Kader des Regimes unter Ratsiraka.

International ist offiziell bisher von allen Seiten eine ablehnende Haltung gegenüber dem neuen Machthaber in Madagaskar zu registrieren. Nur der französische Botschafter Jean-Marc Châtaigner, der mit dem geichen Flugzeug in Ivato angekommen ist, wie die Frau von Andry Rajoelina, hat sich offiziell mit dem neuen Präsidenten gleich am Tag nach der Inthronisierung getroffen.

Während man vom Verbleib des flüchtigen Ravalomanana einige Tage nichts gehört hatte, wurde dann mitgeteilt, er halte sich in Mbabane, der Hauptstadt von Swaziland auf. Dann hat er sich telefonisch bei den Demonstrationen der neuen Opposition gemeldet und seine baldige Rückkehr angekündigt. Immer mehr wird dabei jetzt die Möglichkeit in’s Spiel gebracht, daß Truppen der SADC nach Madagaskar kommen sollen, um den gestürzten Joghurtverkäufer wieder auf den Thron zu hieven. Sollte es wirklich so weit kommen, dann könnte das in einem echten Krieg enden.

Leider ist es so, daß Geld Macht bedeutet. Mit dem Geld kann man sich alle Schergen kaufen, die man braucht. In Madagaskar, einem der ärmsten aller Länder, sind die Preise vermutlich auch entsprechend niedrig. Daß sich immer wieder solche Leute finden, die ohne Skrupel ihr gesamtes Volk ausbluten lassen, das ist nur eines: Traurig!

Aber irgendjemand hat immer einen Vorteil, man denke an das Motto “Teile und herrsche!” Und man behalte im Hinterkopf, daß Madagaskar reich ist an Bodenschätzen!

Unter Rajoelina hat man das, was man unter Ravalomanana auch schon gemacht hat, fortgesetzt: Demonstranten mit Giftgas einnebeln und auch auf sie schießen. So wird Rajoelina kaum lange an der Macht bleiben. Vielleicht ist ja eine Rückkehr von Pierrot Rajaonarivelo geplant? Wenn man sich an das Interview mit Rajaonarivelo erinnert, dann scheint es durchaus denkbar, daß jener vielleicht den Posten des starken Mannes übernehmen soll, zumal er dem boay kely ja Amateurhaftigkeit vorgeworfen hatte. Sein Kommen hat er jedenfalls schon angekündigt.

Was für viele Madagassen gegen den aktuellen Machthaber Andry Rajoelina spricht, das ist eine offensichtlich zu große Nähe zur alten Kolonialmacht Frankreich. Viele Madagassen mögen die Franzosen wegen der kolonialen Vergangenheit nicht gerade und wünschen daher auch keine Intensivierung der Beziehungen mit diesem Land. Wenn die Spannungen anhalten und gar aus dem Ruder laufen, dann könnte es zu offenen Feindseligkeiten gegen die im Land lebenden Franzosen kommen.

Angesichts der etwa 30.000 Franzosen, die im Land leben, ist aber damit zu rechnen, daß, sobald Franzosen gezielt Opfer von Ausschreitungen werden sollten, französische Truppen, zum Beispiel der Fremdenlegion, eingreifen.

Ein Aspekt, der noch erwähnenswert ist, ist das madagassische Militär. Wenn man sieht, wie brutal das Militär vorgeht und in die Menge schießt, wieder auf unbewaffnete Demonstranten, wie es am 28. 3. 2009 geschehen ist, dann wirft das die Frage auf, wer dafür verantwortlich ist. Ein Todesopfer ist durch dieses Blutbad auf jeden Fall zu beklagen, einige Leichen sollen verschwunden sein.
Wer hat hier wirklich die Macht? Es könnte nämlich durchaus sein, daß die Meuterer, die CAPSAT-Soldaten, eine Eigendynamik entwickelt haben, denn dort führt sich manch rangniederer Krieger auf, wie man es in einer solchen Hierarchie so nicht gewohnt ist.

Warum läßt ein Machthaber, der seine Macht mit zweifelhaften Methoden errungen hat, den mehrfach verurteilten Mörder, Vergewaltiger, Folterer und Terroristen Coutiti frei? Schon, daß er Teilhaber des Ratsiraka-Regimes begnadigte, ist von vielen mit Unmut aufgenommen worden, aber die Befreiung von Coutiti dürfte ihn einige seiner Anhänger gekostet haben, die plötzlich anfangen, zu überlegen.

Warum, so kann man sich andererseits fragen, gibt es jeden Tag so viele Demonstranten, die sich den geflohenen Diktator Marc Ravalomanana, der das Land ausgesaugt und das Volk belogen und betrogen hat, zurückhaben will? Will man vielleicht nur das kleinere Übel? Warum erscheint nicht eine wirkliche Alternative auf der Bildfläche, ein Mann, der Ehre als das versteht, was sie ist? Oder vielleicht sogar eine Frau? Ist Madagaskar absolut ohne Hoffnung?

AREMA: Die Rückkehr der Exilierten ist unvermeidlich

Auf dem Sprung

So steht es heute als Überschrift eines Artikels in der Zeitung Malaza. Gestern hat es demnach eine Pressekonferenz der Partei AREMA gegeben. “Le retour des exilés politiques au pays dépend encore de l’organisation du gouvernement da la Haute Autorité de Transition. Ce dernier s’active actuellement dans ce sens.” Die Rückkehr der exilierten Politiker ins Land hängt noch von der Organisation der Regierung der Hohen Behörde des Übergangs ab. Letztere beschäftigt sich derzeit in diese Richtung. Die eventuelle Rückkehr in’s Land gewisser politischer Persönlichkeiten, darunter unter anderen der Admiral Didier Ratsiraka, Pierrot Rajaonarivelo, oder Tantely Andrianarivo, errege derzeit die Polemik, besonders nach dem kürzlichen Sieg der Hohen Behörde des Übergangs unter Vorsitz von Andry Rajoelina. Dieses eventuelle Comeback sei unausweichlich, wenn man betrachte, daß sich die Lage zu Gunsten des Gegners von Marc Ravalomanana gewendet habe. Das Hohe Verfassungsgericht habe gestern offiziell am Platz des 13. Mai die Legalität der Übergangsregierung bestätigt. Es handle sich schon um einen Schritt zur Errichtung einer IV Republik. Die Logik der Dinge möchte, daß diese Entscheidung durch das Hohe Verfassungsgericht als direkte Konsequenz die Annullierung gewisser Bestimmungen der alten Verfassung haben werde, und bei gleicher Gelegenheit die Aufhebung ministerieller Dekrete bezüglich der Festnahme exilierter Politiker, welche zur Zeit Marc Ravalomanana’s veröffentlicht worden seien.
Die Zeitung L’Express hat heute zu dem Thema getitelt: AREMA für eine Generalamnestie.
So läuft also der Hase! Die Madagassen werden – einmal mehr – total vera…

Foto: aboutpixel.de / Christoph Ruhland

Ankündigung der Rückkehr von Didier Ratsiraka nach Madagaskar?

Titelblatt Zeitung Malaza

Heute steht auf der Titelseite der Zeitung Malaza, die anscheinend zum Fernsehsender MATV gehört: “Andrasana manomboka anio ny amiraly Ratsiraka”, was soviel heißt, wie: “Das Warten auf den Admiral Ratsiraka beginnt heute.” Entgegen der Seitenangabe für die Seite 4 befindet sich aber in der ganzen Zeitung kein diesbezüglicher Artikel.
Es handelt sich also vielleicht um eine Provokation, um abschätzen zu können, wie die Madagassen darauf reagieren werden. Es kann jetzt jedenfalls als sicher gelten, daß es Bestrebungen gibt, zumindest Personen aus dem Dunstkreis von diesem Ex-Diktator, Terroristen und Mörder wieder nach Madagaskar zurückzuholen. Dazu gab es ja schon den Artikel bezüglich Pierrot Rajaonarivelo in diesem Blog. Und heute findet sich bei Reuters ein Artikel, in dem ein Interview mit jenem diesen Satz zu Rajoelina beinhaltet: “We have a sort of deal and I’m among the people behind him but I think as far as his approach is concerned, there’s a bit of amateurism there.” Und: “Rajaonarivelo said that any solution would have to include opposition politicians exiled after 2002.” Übersetzung: Wir haben eine Art Abkommen und ich bin unter den Leuten, die hinter ihm sind. Aber ich denke, was sein Herangehen an die Sache betrifft, so ist es ein wenig amateurhaft. Rajaonarivelo sagte, daß jede Lösung Politiker, die nach 2002 exiliert wurden, einschließen muß.
Also muß der boay kely (kleiner Junge), wie Ravalomanana seinen Herausforderer Rajoelina zu nennen pflegte, weichen für die Profis der AREMA? Wenn Ratsiraka kommen sollte, dann muß er sofort verhaftet werden und in’s Gefängnis gebracht werden, alles andere wäre ein Armutszeugnis für die Madagassen. Man erinnere sich nur daran, daß er 2002 versucht hatte, Madagaskar in mehrere Staaten zu spalten. Mit Terroraktionen, wie dem Sprengen von Brücken, hat er versucht, die Provinz Antananarivo auszuhungern. Oder man betrachte die Ereignisse, als er am 10. August 1991 ein Blutbad hat anrichten lassen, als er befahl, auf die unbewaffneten Demonstranten zu schießen, die auf dem Weg zum Präsidentenpalast in Iavoloha waren.
Heute sagte Andry Rajoelina auf dem Platz des 13. Mai, daß er bereit sei, den Gipfel der Afrikanischen Union zu empfangen. Der Club der Diktatoren kommt zum boay kely? Das hat Madagaskar wahrlich noch gefehlt.
Der gerade gestürzte Diktator Marc Ravalomanana ist verschwunden, sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Im Palast von Iavoloha soll er sich nicht mehr aufhalten und die amerikanische Botschaft ließ verlauten, daß er nicht bei ihr sei. Was soll man da noch sagen? Eine Kr.. äh, was wollte ich jetzt eigentlich in die Tastatur hacken? Aus!

Die Ära Ravalomanana ist beendet – wird Rajoelina minderjähriger Nachfolger?

Ex-Diktator Marc Ravalomanana

Nachdem die abtrünnigen Militärs gestern Abend den alten Präsidentenpalast Ambohitsorohitra eingenommen hatten, ist Marc Ravalomanana heute zurückgetreten und hat die Regierung aufgelöst, nachdem er noch am Samstag gesagt hatte, er werde nie zurücktreten. Vielleicht auch im Hinblick auf die Ermordung des Präsidenten Joao Bernardo Vieira in Guinea Bissau hatte er jetzt vielleicht so viel Angst, selbst getötet zu werden, daß er die Möglichkeit, Schutz durch die amerikanische Botschaft gewährt zu bekommen, in Anspruch genommen hat. Es scheint offensichtlich, daß Frankreich wieder mehr Einfluß geltend machen will und wohl auch wird. Ravalomanana hat bestimmt, daß die Macht auf 4 bestimmte unter den dienstältesten Generälen übergehen soll. Andry Rajoelina hat aber eine Militärregierung abgelehnt und die abtrünnigen Militärs haben dann die entsprechenden Generäle in Gewahrsam genommen. Am Platz des 13. Mai herrschte bei der versammelten Menge ein Freudentaumel. Okay, der Diktator hat abgedankt. Aber was kommt jetzt? Eine gehörige Portion Skepsis ist angebracht, wenn man den Blick in die Zukunft von Madagaskar wagen will.

Was macht Jaques Sylla am Platz des 13. Mai?

Revolution in Orange in Madagaskar

Der Botschafter für die USA, Niels Marquardt, hatte ein Gespräch mit Marc Ravalomanana geführt und im Anschluß haben die Amerikaner ihren Bürgern die sofortige Ausreise empfohlen: Ami go home! Warum haben nur die Amerikaner ihren Bürgern die Ausreise empfohlen? Was wissen die, was die anderen nicht wissen? Läuft da wieder irgendeine Schweinerei, von der noch keiner etwas ahnt?

Inzwischen haben sich die höchsten Richter auf die Seite des Volkes gestellt: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Am Samstag, am Platz des 13. Mai, wurde Ravalomanana aufgefordert, innerhalb von 4 Stunden seinen Rücktritt bekanntzugeben. Ravalomanana weigert sich aber noch, von seinem Amt als Präsident zurückzutreten. Allerdings hatte er heute nicht mehr die rote Krawatte an, wie regelmäßig in letzter Zeit, sondern eine blaue. Er wurde gezeigt, als er heute, am Sonntag, auf dem Feld irgendwo in der Nähe des Präsidentenpalastes von Iavoloha vor vermutlich mehreren tausend Anhängern einen “Gottesdienst” veranstaltete.

Gestern Abend noch soll er laut Radioberichten am Tor vom Präsidentenpalast gewesen sein, geschützt von weißen Söldnern mit Waffen im Anschlag. Einige Mitglieder der Präsidentengarde sollen auch zu ihren Einheiten zurückgekehrt sein. Macht hat Ravalomanana also immer weniger. Die Frage ist nun, ob die Berichte von der Landung von Söldnertruppen an der Küste in der Nähe von Majunga und eine angeblich mißglückte Landung bei Manakara etwas mit der Wahrheit zu tun haben?

Eines ist jedoch zu vermuten: Die Zukunft von Madagaskar erscheint nicht so rosig. Wenn man sieht, daß am Samstag der Präsident der Nationalversammlung und 2002 erster Premierminister von Ravalomanana, Jaques Sylla, am Platz des 13. Mai reden darf, da kann man sich seine Gedanken machen – auch wenn er zu sagen hatte, daß Ravalomanana zurücktreten solle. Dann lassen die Leute auch einen Pierrot Rajaonarivelo dort reden? Und vielleicht nicht nur einen Roland Ratsiraka, sondern auch einen Didier Ratsiraka?

Und Andry Rajoelina, warum fand er gerade in der französischen Botschaft Unterschlupf? Und warum soll gerade jetzt, nach so langer Zeit ohne Botschafter, morgen Jean-Marc Châtaigner, der neue Botschafter für Frankreich, kommen? Jetzt, wo es fast so aussieht, als wäre Rajoelina der Sieger im Kampf um die Macht.

Pierrot Rajaonarivelo äußert sich in der Zeitung “La Vérité” zu Marc Ravalomanana

Grab in Antananarivo

In der heutigen Ausgabe bringt die Zeitung “La Vérité” ein Interview mit dem ehemaligen Vize-Premierminister Pierrot Rajaonarivelo, der aktuell im Exil in Paris lebt und Nationaler Sekretär der Partei AREMA ist.
Aus dem Interview mit dem Titel “Kein Nebeneinander mit Ravalomanana”:
Wegen seiner Erziehung und seiner politischen Verantwortlichkeit, die er repräsentiere, leide er, nicht physisch an der Seite all der Leute sein zu können, die wagten, sich unter Gefährdung ihres Lebens zu erheben und dem teuflischen Regime von Ravalomanana zu begegnen. Man habe alle die Fotos der barbarischen Taten gesehen, welche dieses Individuum unsere Brüder, Schwestern und Verwandten derart erleiden lasse, daß man glauben könne, daß das madagassische Blut nicht durch seine eigenen Adern fließe. Er sei wirklich traurig für sein Land, welches von einem Mann regiert werde, der beschlossen habe, den Krieg gegen sein Volk zu führen, Gott und die Ahnen mögen über ihn richten. Er erweise Andry Rajoelina seine Ehrerbietung für seinen Mut und seine Bestimmtheit…

Die Partei AREMA wurde gegründet von Didier Ratsiraka, dem letzten teuflischen Diktator, der in Madagaskar auf sein Volk hat schießen lassen. Unter jenem Mörder war Rajaonarivelo also Vize-Premierminister. Warum mußte er in’s Exil fliehen? Was ist hier geplant? Soll er als großer Politiker zurückkehren nach Madagaskar? Wer steckt dahinter? Ratsiraka? Frankreich?

Zur Zeitung “La Vérité” wird in einigen Zeilen in einem Artikel des Madagaskarkenners “ed2murrow” im Zusammenhang mit einem gewissen Patrick Rajoelina referiert.

Marc Ravalomanana – Eine Schande für Madagaskar

Diktator Marc Ravalomanana

Im Fernsehen gab es gestern, am Donnerstag Abend, wieder kriegsähnliche Szenen aus der Innenstadt von Antananarivo zu sehen. Der Sender TV-Plus, der noch am Mittwoch ausführlich die Söldner gezeigt hatte, war nicht mehr auf Sendung, sondern sendete ein Standbild mit dem Hinweis auf Technische Probleme. Das technische Problem, ist zu vermuten, bestand darin, daß man zu viel gebracht hatte – man hatte nämlich auch eine telefonische Ansprache von Andry Rajoelina gesendet. Bilder der Söldner sind unter anderem bei madagate.com zu sehen.

Zivilisten, die nichts mit den Demonstrationen zu tun haben, werden terrorisiert – oder eben auch einfach erschossen, wie das vorgestern mit dem jungen Mann in Isotry der Fall war, der als Straßenverkäufer seiner Arbeit nachging. Verkäufer auf der Straße werden wie Verbrecher behandelt, auch Frauen. Sogar in Schulen werden die Schüler terrorisiert. Beide Seiten sind an solchen Untaten beteiligt. Heute haben Demonstranten, Anhänger von Andry Rajoelina, die Schüler des Lycée Français am Verlassen der Schule gehindert, da sie es auf vermutete Kinder von Regierungspolitikern abgesehen haben sollen. Solche Zustände hat es in Madagaskar noch nie gegeben. Ein Diktator will, einmal mehr, mit aller Gewalt an der Macht kleben bleiben, um wie ein kleiner Junge im Sandkasten ein Spielzeug (Gipfel der AU) zu erringen. Dieser Junge will alles mit Geld regeln. Die Soldaten bekommen Prämien. Die Minister bekommen Prämien, es werden überall Prämien gezahlt. Keiner wagt es, ihm zu widersprechen, alle kuschen sie vor ihm, da sie Angst vor seiner Boshaftigkeit und seiner Macht haben. Die Ärmsten der Armen können kaum ablehnen, wenn ihnen Geld geboten wird, das sie wieder für ein, zwei Wochen in die Lage versetzt, den Reis für die Familie zu kaufen. Was der Junge aber nicht kaufen kann, das ist Liebe, Sympathie. Das sollte er eigentlich wissen, als 2. Vorsitzender der protestantischen Kirche FJKM. Es ist ein Hohn, daß jemand, der auf sein unbewaffnetes Volk schießen läßt, ein solches Amt in einer christlichen Kirche weiter behalten kann. Die Gemeinden sollten aus der FJKM austreten und eine neue Dachorganisation gründen. Dann wären die beiden Vorsitzenden die einzigen Mitglieder.
Was sagte Ravalomanana 2002 am Platz des 13. Mai? Wenn 200 Demonstranten dort am Platz des 13. Mai gegen ihn demonstrieren würden, dann würde er gehen. Das hätten die Leute seinerzeit sofort als gültigen Vertrag, notariell beglaubigt, einfordern sollen. Und sie sollten es auch jetzt tun mit dem kommenden Nachfolger, egal wer da kommen möge, ob das nun ein Andry Rajoelina ist (was immer unwahrscheinlicher wird, da auch ihm die Verantwortung für die Krise vorgeworfen wird), ein Monja Roindefo oder wer auch immer.
Jetzt schon muß den Leuten klar werden, daß sie aktiv weiter Forderungen stellen müssen, die verhindern, daß in ein paar Jahren wieder die gleiche Situation herrschen könnte. Der Kampf zur Erreichung der Ziele darf erst dann beendet sein, wenn solche vorgesehenen Auswege einer Krise in der Verfassung stehen. Aus der Geschichte muß man doch lernen können.

Haben die Franzosen etwas mit der Krise in Madagaskar zu tun?

Botschaft von Frankreich in Antananarivo

Wer weiß das schon? Diejenigen, die beteiligt sind, halten lieber den Mund. Aber es gibt Dinge, die dennoch Anlaß geben, Fragen zu stellen. Schon im Blog planet.vaovaoweb.de gab es im letzten Jahr einen Hinweis, allerdings wurde dort noch die Vorgehensweise von Ravalomanana eher belächelt. Einem Madagaskarkenner, der unter dem Pseudonym “ed2murrow” schreibt, war das jetzt schon etwas verdächtiger: Gildas Le Lidec, der französischer Botschafter in Madagaskar war, wurde nach 5 Monaten im Juli 2008 zur „persona non grata“ erklärt und mußte daraufhin ausreisen. Das Büro des Präsidenten Marc Ravalomanana hatte 12 Gesuche zu einer Audienz zurückgewiesen. Unter normalen Umständen erscheint ein solches Vorgehen doch recht ungewöhnlich. Aber lesen wir weiter: Dieser Gildas Le Lidec war Botschafter in Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo, als 2001 die Leibwache den Machthaber Laurent-Désiré Kabila ermordete. Von 2002 bis 2005 war er Botschafter von Frankreich in Abidjan in der Elfenbeinküste, wo gegen den Präsidenten Laurent Koudou Gbagbo mehrfach versucht wurde, zu Putschen, was Anlaß zur Einmischung einer französischen Eingreiftruppe bot. Sollte das purer Zufall sein? Wenn man sich die kriminellen Machenschaften der Geheimdienste betrachtet, die manchmal – vermutlich als Spitze eines Eisbergs – an’s Tageslicht kommen, dann fällt einem dieser Glaube doch schwer. Man denke nur an die Versenkung des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior im Hafen von Auckland durch den französischen Geheimdienst am 10. Juli 1985. Staatsterrorismus par excellence.
Jetzt fragen wir weiter: Wer hat die ganzen Aufbrecher und die Plünderer bei den jüngsten Unruhen in ganz Madagaskar, besonders aber in Antananarivo, bezahlt? Wem nutzt die Zerstörung so vieler Güter am Meisten? Hat es da jemand geschickt verstanden, den Volkszorn in die gewünschte Richtung zu entfesseln? Wir erinnern uns beiläufig daran, daß Frankreich noch immer der größte Handelspartner von Madagaskar ist.
Ein Punkt, der im Artikel des “ed2murrow” auch angeschnitten wird, ist, daß Marc Ravalomanana während seiner Amtszeit eine Abkehr von den Franzosen einleitete und lieber Geschäfte mit zum Beispiel Amerikanern, Deutschen oder Südafrikanern machte. Das dürfte den Franzosen natürlich überhaupt nicht gefallen haben, denn für ihre ehemaligen Kolonien fühlen sie sich in besonderer Weise zuständig. Da wird mit allen Mitteln hinter den Kulissen gearbeitet. Und nun bringen wir den ehemaligen Präsidenten von Madagaskar, Didier Ratsiraka, auch noch in’s Spiel, der ja ein guter Freund des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac ist und die Verhältnisse in Madagaskar daher sehr gut kennt. Und zum Schluß stellt sich die Frage: Welches Spiel spielt Andry Rajoelina? Spielt er insgeheim vielleicht eine andere Rolle, als die, die er seinen Anhängern darstellt?
Wie dem auch sei, eines muß man immer wieder feststellen: Das Madagassische Volk leidet unter all diesen Machtspielen. Man dreht sich im Kreis, es gibt keinen wirklichen Fortschritt und Madagaskar bleibt am Ende der Liste der reichsten Länder, während sich die Machthaber die Taschen vollstopfen und gut und gerne in der Forbes-Liste der reichsten Menschen auftauchen könnten, wenn sie ihren Reichtum nicht so gut verstecken würden. Welch ein Kontrast!

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