Schon seit einigen Monaten war der Empfang der Blueline Internetverbindung 4G nicht mehr so optimal gewesen. Ganz einfach deswegen, weil der Nachbar anfing, direkt an der Grundstücksgrenze in seinem Garten ein großes Haus hochzuziehen. Daher mußte ich für mein Modem mit integrierter Antenne einen Standort mit besseren Empfangseigenschaften suchen. Im ersten Stock, in der oberen linken Ecke des Fensters, direkt hinter dem immer geschlossenen Vorhang, war der Empfang gerade noch akzeptabel.
Mit der Höhe des Rohbaus wurde die Qualität des Empfangs zusehends schlechter. Zeitweise hatte anscheinend die Wetterlage den entscheidenden Einfluß darauf. Es konnte dann sein, daß stundenlang nichts mehr ging. Und da erschien dann der Lichtblick, wie oben auf dem Bild zu sehen.
Eigentlich hätte die neue Sendeanlage schon letzten Dezember in Betrieb genommen werden sollen, aber der Eigentümer des Grundstücks, auf dem man schon den Sendemast aufgestellt hatte, soll seine Zustimmung widerrufen haben. Sollte er das wegen gesundheitlicher Bedenken getan haben, so hat er sicherlich Recht, denn eigentlich kann das nicht gut sein, wenn überall diese Antennen stehen. Man kann das mit einem lachenden Auge (endlich optimaler Empfang) und einem weinenden Auge betrachten (der gesundheitliche Aspekt).
Beim ersten Anblick der Baustelle mit dem Antennenmast am 15. September war dann eines gleich klar: Das muß der Ersatz-Standort der neuen Blueline-Antenne sein.
Am 4. Oktober stellte ich dann am späten Abend fest, daß die Empfangsstärke so gut war, wie noch nie zuvor, seit ich letzten November bei Blueline Kunde geworden war. Ich montierte also das Modem ab und stellte es, nachdem ich alles gründlich gesäubert hatte, wieder auf seinen alten Platz.
Als Erstes wollte ich testen, ob man mit dem optimalen Empfang Videostreams ruckelfrei ansehen kann. Dazu setzte ich mein Headset auf – und kaum hatte ich das Ding auf den Ohren, da ging das Licht aus. Der Computer gleich mit, weil die Batterie meiner USV, hier sagt man fälschlicherweise Onduleur, kaputt ist. Also saß ich um 21:20 Uhr im Dunklen.
Normalerweise dauerte eine Stromabschaltung in Ambohitrarahaba maximal eine Stunde. Und das war ein eher selten vorkommender Fall. Vermutlich wegen der Klinik Maternité d’Ilafy gab es in den letzten Jahren eigentlich gar keine Stromabschaltungen, wenn auch aus anderen Quartieren berichtet wurde, daß mehrfach am Tag der Strom abgeschaltet wurde.
Beim Aufstehen gab es dann auch keinen Strom, und das Wasser kam mit einem verdächtig niedrigen Druck aus der Leitung. Da habe ich gleich reagiert und einen kleinen strategischen Vorrat angelegt. Zu Recht, denn in anderen Haushalten und in ganzen Stadtvierteln gab es bereits kein fließendes Naß mehr aus der Leitung.
Um kurz nach 11:00 Uhr gab es wieder Strom und auch der Druck in der Wasserleitung normalisierte sich im Laufe des Tages.
Nein, natürlich hatte die Jirama den Strom nicht wegen Blueline abgeschaltet und auch nicht wegen mir. Aber wenn wir betrachten, was die Presse dazu zu melden hatte, dann ist das ganz interessant. Da ist der Artikel “Électricité – Black-out à Antananarivo” der “L’Express de Madagascar” und dann ist da der Artikel “Madagascar: la Jirama en panne de carburants” der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua auf der Seite der afriquinfos.com.
Die Express meint, eine Quelle habe gesagt, der Vorrat an Schweröl der Galana für die Kraftwerke der Jirama sei fast zur Neige gegangen. Ansonsten wird nebulös die Frage zur finanziellen Situation der Jirama gestellt. Der Xinhua-Artikel verrät sogleich, daß gemäß einer Quelle die Jirama Zahlungsrückstände von mehreren Milliarden Ariary bei einer madagassischen Ölfirma habe. 200.000 Liter Schweröl müsse diese Firma jeden Tag liefern, um den Betrieb aller Kraftwerke für Tana sicherzustellen, man habe aber in 2 Tagen nur 150.000 Liter geliefert.
Hinzu komme, daß wegen der Trockenheit das Wasserkraftwerk von Andekaleka lediglich mit einer Kapazität von 62% betrieben werden könne, obwohl dieses Kraftwerk bis zu 40% zum Strombedarf von Tana liefern könne. Die Jirama verfüge über 114 Kraftwerke, wobei 100 davon Dieselgeneratoren seien.
Am Samstag konnte die Xinhua dann eine Bestätigung des Energieministers Elysé Ratsiraka melden, daß eine Lieferfirma nicht ausreichend Kraftstoff geliefert habe, ohne jedoch deren Namen zu nennen. Die Jirama sei nicht am Rande des Bankrotts, die Angestellten arbeiteten korrekt und würden auch regelmäßig pünktlich bezahlt, wenn die Gesellschaft auch Probleme mit ihren Finanzen habe, so habe sie genug Mittel für ihren Betrieb.
Die Chinesen sind gut informiert, könnte man meinen.