Madagaskar-Blog

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Tag: Didier Ratsiraka

AREMA: Die Rückkehr der Exilierten ist unvermeidlich

Auf dem Sprung

So steht es heute als Überschrift eines Artikels in der Zeitung Malaza. Gestern hat es demnach eine Pressekonferenz der Partei AREMA gegeben. “Le retour des exilés politiques au pays dépend encore de l’organisation du gouvernement da la Haute Autorité de Transition. Ce dernier s’active actuellement dans ce sens.” Die Rückkehr der exilierten Politiker ins Land hängt noch von der Organisation der Regierung der Hohen Behörde des Übergangs ab. Letztere beschäftigt sich derzeit in diese Richtung. Die eventuelle Rückkehr in’s Land gewisser politischer Persönlichkeiten, darunter unter anderen der Admiral Didier Ratsiraka, Pierrot Rajaonarivelo, oder Tantely Andrianarivo, errege derzeit die Polemik, besonders nach dem kürzlichen Sieg der Hohen Behörde des Übergangs unter Vorsitz von Andry Rajoelina. Dieses eventuelle Comeback sei unausweichlich, wenn man betrachte, daß sich die Lage zu Gunsten des Gegners von Marc Ravalomanana gewendet habe. Das Hohe Verfassungsgericht habe gestern offiziell am Platz des 13. Mai die Legalität der Übergangsregierung bestätigt. Es handle sich schon um einen Schritt zur Errichtung einer IV Republik. Die Logik der Dinge möchte, daß diese Entscheidung durch das Hohe Verfassungsgericht als direkte Konsequenz die Annullierung gewisser Bestimmungen der alten Verfassung haben werde, und bei gleicher Gelegenheit die Aufhebung ministerieller Dekrete bezüglich der Festnahme exilierter Politiker, welche zur Zeit Marc Ravalomanana’s veröffentlicht worden seien.
Die Zeitung L’Express hat heute zu dem Thema getitelt: AREMA für eine Generalamnestie.
So läuft also der Hase! Die Madagassen werden – einmal mehr – total vera…

Foto: aboutpixel.de / Christoph Ruhland

Ankündigung der Rückkehr von Didier Ratsiraka nach Madagaskar?

Titelblatt Zeitung Malaza

Heute steht auf der Titelseite der Zeitung Malaza, die anscheinend zum Fernsehsender MATV gehört: “Andrasana manomboka anio ny amiraly Ratsiraka”, was soviel heißt, wie: “Das Warten auf den Admiral Ratsiraka beginnt heute.” Entgegen der Seitenangabe für die Seite 4 befindet sich aber in der ganzen Zeitung kein diesbezüglicher Artikel.
Es handelt sich also vielleicht um eine Provokation, um abschätzen zu können, wie die Madagassen darauf reagieren werden. Es kann jetzt jedenfalls als sicher gelten, daß es Bestrebungen gibt, zumindest Personen aus dem Dunstkreis von diesem Ex-Diktator, Terroristen und Mörder wieder nach Madagaskar zurückzuholen. Dazu gab es ja schon den Artikel bezüglich Pierrot Rajaonarivelo in diesem Blog. Und heute findet sich bei Reuters ein Artikel, in dem ein Interview mit jenem diesen Satz zu Rajoelina beinhaltet: “We have a sort of deal and I’m among the people behind him but I think as far as his approach is concerned, there’s a bit of amateurism there.” Und: “Rajaonarivelo said that any solution would have to include opposition politicians exiled after 2002.” Übersetzung: Wir haben eine Art Abkommen und ich bin unter den Leuten, die hinter ihm sind. Aber ich denke, was sein Herangehen an die Sache betrifft, so ist es ein wenig amateurhaft. Rajaonarivelo sagte, daß jede Lösung Politiker, die nach 2002 exiliert wurden, einschließen muß.
Also muß der boay kely (kleiner Junge), wie Ravalomanana seinen Herausforderer Rajoelina zu nennen pflegte, weichen für die Profis der AREMA? Wenn Ratsiraka kommen sollte, dann muß er sofort verhaftet werden und in’s Gefängnis gebracht werden, alles andere wäre ein Armutszeugnis für die Madagassen. Man erinnere sich nur daran, daß er 2002 versucht hatte, Madagaskar in mehrere Staaten zu spalten. Mit Terroraktionen, wie dem Sprengen von Brücken, hat er versucht, die Provinz Antananarivo auszuhungern. Oder man betrachte die Ereignisse, als er am 10. August 1991 ein Blutbad hat anrichten lassen, als er befahl, auf die unbewaffneten Demonstranten zu schießen, die auf dem Weg zum Präsidentenpalast in Iavoloha waren.
Heute sagte Andry Rajoelina auf dem Platz des 13. Mai, daß er bereit sei, den Gipfel der Afrikanischen Union zu empfangen. Der Club der Diktatoren kommt zum boay kely? Das hat Madagaskar wahrlich noch gefehlt.
Der gerade gestürzte Diktator Marc Ravalomanana ist verschwunden, sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Im Palast von Iavoloha soll er sich nicht mehr aufhalten und die amerikanische Botschaft ließ verlauten, daß er nicht bei ihr sei. Was soll man da noch sagen? Eine Kr.. äh, was wollte ich jetzt eigentlich in die Tastatur hacken? Aus!

Was macht Jaques Sylla am Platz des 13. Mai?

Revolution in Orange in Madagaskar

Der Botschafter für die USA, Niels Marquardt, hatte ein Gespräch mit Marc Ravalomanana geführt und im Anschluß haben die Amerikaner ihren Bürgern die sofortige Ausreise empfohlen: Ami go home! Warum haben nur die Amerikaner ihren Bürgern die Ausreise empfohlen? Was wissen die, was die anderen nicht wissen? Läuft da wieder irgendeine Schweinerei, von der noch keiner etwas ahnt?

Inzwischen haben sich die höchsten Richter auf die Seite des Volkes gestellt: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Am Samstag, am Platz des 13. Mai, wurde Ravalomanana aufgefordert, innerhalb von 4 Stunden seinen Rücktritt bekanntzugeben. Ravalomanana weigert sich aber noch, von seinem Amt als Präsident zurückzutreten. Allerdings hatte er heute nicht mehr die rote Krawatte an, wie regelmäßig in letzter Zeit, sondern eine blaue. Er wurde gezeigt, als er heute, am Sonntag, auf dem Feld irgendwo in der Nähe des Präsidentenpalastes von Iavoloha vor vermutlich mehreren tausend Anhängern einen “Gottesdienst” veranstaltete.

Gestern Abend noch soll er laut Radioberichten am Tor vom Präsidentenpalast gewesen sein, geschützt von weißen Söldnern mit Waffen im Anschlag. Einige Mitglieder der Präsidentengarde sollen auch zu ihren Einheiten zurückgekehrt sein. Macht hat Ravalomanana also immer weniger. Die Frage ist nun, ob die Berichte von der Landung von Söldnertruppen an der Küste in der Nähe von Majunga und eine angeblich mißglückte Landung bei Manakara etwas mit der Wahrheit zu tun haben?

Eines ist jedoch zu vermuten: Die Zukunft von Madagaskar erscheint nicht so rosig. Wenn man sieht, daß am Samstag der Präsident der Nationalversammlung und 2002 erster Premierminister von Ravalomanana, Jaques Sylla, am Platz des 13. Mai reden darf, da kann man sich seine Gedanken machen – auch wenn er zu sagen hatte, daß Ravalomanana zurücktreten solle. Dann lassen die Leute auch einen Pierrot Rajaonarivelo dort reden? Und vielleicht nicht nur einen Roland Ratsiraka, sondern auch einen Didier Ratsiraka?

Und Andry Rajoelina, warum fand er gerade in der französischen Botschaft Unterschlupf? Und warum soll gerade jetzt, nach so langer Zeit ohne Botschafter, morgen Jean-Marc Châtaigner, der neue Botschafter für Frankreich, kommen? Jetzt, wo es fast so aussieht, als wäre Rajoelina der Sieger im Kampf um die Macht.

Haben die Franzosen etwas mit der Krise in Madagaskar zu tun?

Botschaft von Frankreich in Antananarivo

Wer weiß das schon? Diejenigen, die beteiligt sind, halten lieber den Mund. Aber es gibt Dinge, die dennoch Anlaß geben, Fragen zu stellen. Schon im Blog planet.vaovaoweb.de gab es im letzten Jahr einen Hinweis, allerdings wurde dort noch die Vorgehensweise von Ravalomanana eher belächelt. Einem Madagaskarkenner, der unter dem Pseudonym “ed2murrow” schreibt, war das jetzt schon etwas verdächtiger: Gildas Le Lidec, der französischer Botschafter in Madagaskar war, wurde nach 5 Monaten im Juli 2008 zur „persona non grata“ erklärt und mußte daraufhin ausreisen. Das Büro des Präsidenten Marc Ravalomanana hatte 12 Gesuche zu einer Audienz zurückgewiesen. Unter normalen Umständen erscheint ein solches Vorgehen doch recht ungewöhnlich. Aber lesen wir weiter: Dieser Gildas Le Lidec war Botschafter in Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo, als 2001 die Leibwache den Machthaber Laurent-Désiré Kabila ermordete. Von 2002 bis 2005 war er Botschafter von Frankreich in Abidjan in der Elfenbeinküste, wo gegen den Präsidenten Laurent Koudou Gbagbo mehrfach versucht wurde, zu Putschen, was Anlaß zur Einmischung einer französischen Eingreiftruppe bot. Sollte das purer Zufall sein? Wenn man sich die kriminellen Machenschaften der Geheimdienste betrachtet, die manchmal – vermutlich als Spitze eines Eisbergs – an’s Tageslicht kommen, dann fällt einem dieser Glaube doch schwer. Man denke nur an die Versenkung des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior im Hafen von Auckland durch den französischen Geheimdienst am 10. Juli 1985. Staatsterrorismus par excellence.
Jetzt fragen wir weiter: Wer hat die ganzen Aufbrecher und die Plünderer bei den jüngsten Unruhen in ganz Madagaskar, besonders aber in Antananarivo, bezahlt? Wem nutzt die Zerstörung so vieler Güter am Meisten? Hat es da jemand geschickt verstanden, den Volkszorn in die gewünschte Richtung zu entfesseln? Wir erinnern uns beiläufig daran, daß Frankreich noch immer der größte Handelspartner von Madagaskar ist.
Ein Punkt, der im Artikel des “ed2murrow” auch angeschnitten wird, ist, daß Marc Ravalomanana während seiner Amtszeit eine Abkehr von den Franzosen einleitete und lieber Geschäfte mit zum Beispiel Amerikanern, Deutschen oder Südafrikanern machte. Das dürfte den Franzosen natürlich überhaupt nicht gefallen haben, denn für ihre ehemaligen Kolonien fühlen sie sich in besonderer Weise zuständig. Da wird mit allen Mitteln hinter den Kulissen gearbeitet. Und nun bringen wir den ehemaligen Präsidenten von Madagaskar, Didier Ratsiraka, auch noch in’s Spiel, der ja ein guter Freund des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac ist und die Verhältnisse in Madagaskar daher sehr gut kennt. Und zum Schluß stellt sich die Frage: Welches Spiel spielt Andry Rajoelina? Spielt er insgeheim vielleicht eine andere Rolle, als die, die er seinen Anhängern darstellt?
Wie dem auch sei, eines muß man immer wieder feststellen: Das Madagassische Volk leidet unter all diesen Machtspielen. Man dreht sich im Kreis, es gibt keinen wirklichen Fortschritt und Madagaskar bleibt am Ende der Liste der reichsten Länder, während sich die Machthaber die Taschen vollstopfen und gut und gerne in der Forbes-Liste der reichsten Menschen auftauchen könnten, wenn sie ihren Reichtum nicht so gut verstecken würden. Welch ein Kontrast!

Ministerien zurückerobert. Und was wird morgen geschehen?

Ausgebranntes Gebäude von Courts, Ankorondrano

Die am Donnerstag von den Anhängern von Andry Rajoelina und Monja Roindefo besetzten Ministerien sind in der Nacht von Militärkräften zurückerobert worden. Dabei soll es laut Berichten eines Redners auf dem Platz des 13. Mai 8 Tote gegeben haben. In einer Erklärung der Gendarmerie Nationale teilt diese mit, daß es keine Toten gegeben hat und es wird betont, daß man keine Leichen versteckt. Man ruft zur Vorsicht vor Falschinformationen auf, die derzeit im Land verbreitet werden. Andry Rajoelina rief heute, am 19. 2. 2009, dazu auf, morgen zahlreich zu kommen, er werde den Marsch anführen und er werde sein Leben für Madagaskar geben, wenn es sein müsse. In seinem Fernsehsender Viva TV hat er seine Anhänger später dazu aufgefordert, zu Essen und Trinken mitzunehmen. Wohin der Marsch gehen wird hat er zwar nicht angekündigt, aber der Logik nach dürfte es sich dabei, wie am 10. August 1991, als Didier Ratsiraka ein Blutbad anrichten ließ, um den Regierungspalast in Iavoloha handeln, der etwa 11 km Luftlinie vom Platz des 13. Mai entfernt liegt.
All jenen, die daran glauben, ist empfohlen, für einen friedlichen Ausgang zu beten.

Schüsse auf die Demonstranten von 1991

Dieses Video von französischen Journalisten zeigt einen Teil der Ereignisse vom 10. August 1991, als der damalige Präsident und Diktator von Madagaskar, Didier Ratsiraka, den Schießbefehl zum Schießen auf die Demonstranten gegeben hatte. Ein Zug von Demonstranten war auf dem Weg vom Platz des 13. Mai in Analakely zum Präsidentenpalast in Iavoloha. Der Marsch wurde von einem großen Hubschrauber aus sowjetischer Produktion erwartet, von dem Granaten geworfen wurden. Von den Bodentruppen wurden die Leute über die Felder verfolgt und beschossen. Mehr als 20 Tote sind die Bilanz dieses Tages, der eines der vorangegangenen traurigen Kapitel in der Geschichte Madagaskars ist.

TGV mit Volldampf am Platz des 13. Mai

Fernsehbild

Im Radio erinnerten heute gefragte Leute daran, daß Ravalomanana 2002 bei seinem Kampf um die Macht am Platz des 13. Mai gesagt habe, wenn er mit so vielen Menschen, die gegen ihn wären, konfrontiert wäre, dann würde er gehen. Hat er das gesagt, so stellt sich die Frage, ob er dazu steht, denn oben hat man einen kleinen Eindruck von der Menge der Leute: Wird er gehen? Am Montag wird man dann sehen können, wie viele Menschen inzwischen gegen ihn auf die Straße gehen, denn Rajoelina hat zu einer neuen Demonstration am Montag aufgerufen, wobei er diesen Tag als schulfrei erklärt hat.
Heute waren noch sehr viel mehr Menschen bei der Demonstration in Ambohijatovo, als am letzten Samstag, so, daß man wegen der Begrenztheit des Platzes beschlossen hat, zum Platz des 13. Mai umzuziehen. Das hat nun in Madagaskar schon eine gewisse Tradition. Wird das auch einmal ein Ende haben? Dabei kommen einem die Bilder eines französischen Filmberichts in den Sinn, als am 10. August 1991 der damalige Präsident Didier Ratsiraka den Befehl gab, auf die Demonstranten zu schießen, die vom Platz des 13. Mai zum Regierungspalast in Iavoloha marschierten.
Die Forderung von Rajoelina an Ravalomanana, der gerade mit seinem neuen Flugzeug in Südafrika weilt: Er soll den Rücktritt erklären.
Auf dem Bild sind die Menschenmassen in Ambohijatovo zu sehen, bevor sie nach Analakely zum Platz des 13. Mai umgezogen sind.

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