Madagaskar-Blog

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Tag: Diktator

Die Krise in Madagaskar dauert an – Kommen SADC-Truppen? – Droht ein Bürgerkrieg?

Die Wolken verdunkeln sich

Am Montag, dem 6. April 2009 stand in der Zeitung La Vérité ein Artikel, in dem berichtet wurde, daß es in Androndra einen Mord gegeben habe.

Zwei Brüder waren wegen politisch unterschiedlicher Ansichten in einen Streit geraten, der eine solche Eskalation erfuhr, daß der eine seinem Bruder ein Messer in den Bauch rammte. Einer der Brüder hat also sein Leben lassen müssen und der andere Bruder ist zum Brudermörder geworden. Und das nur wegen verschiedener Meinungen zur politischen Lage in Madagaskar.

Dieses Vorkommnis verdeutlicht aber recht gut, wie prekär sich die Lage derzeit auf der großen Insel gestaltet. Leider kann nicht ausgeschlossen werden, daß es so, wie zwischen den beiden Brüdern, im Volk zu schweren Auseinandersetzungen kommen kann.

Schon bei den Feierlichkeiten zur Amtseinführung von Andry Rajoelina am 21. 3. 2009 gab es eine Demonstration von vielleicht mehreren tausend Menschen im Park von Ambohijatovo, die sich für den geflüchteten Marc Ravalomanana einsetzten. Bei der Zeremonie ließ sich Rajoelina im Stadion von Mahamasina so behandeln, als sei er rechtmäßiger, gewählter Präsident von Madagaskar und ließ sich die Kette umhängen. Danach verkündete er sogleich eine Amnestie für politische Häftlinge und die politischen Exilierten, namentlich die alten Kader des Regimes unter Ratsiraka.

International ist offiziell bisher von allen Seiten eine ablehnende Haltung gegenüber dem neuen Machthaber in Madagaskar zu registrieren. Nur der französische Botschafter Jean-Marc Châtaigner, der mit dem geichen Flugzeug in Ivato angekommen ist, wie die Frau von Andry Rajoelina, hat sich offiziell mit dem neuen Präsidenten gleich am Tag nach der Inthronisierung getroffen.

Während man vom Verbleib des flüchtigen Ravalomanana einige Tage nichts gehört hatte, wurde dann mitgeteilt, er halte sich in Mbabane, der Hauptstadt von Swaziland auf. Dann hat er sich telefonisch bei den Demonstrationen der neuen Opposition gemeldet und seine baldige Rückkehr angekündigt. Immer mehr wird dabei jetzt die Möglichkeit in’s Spiel gebracht, daß Truppen der SADC nach Madagaskar kommen sollen, um den gestürzten Joghurtverkäufer wieder auf den Thron zu hieven. Sollte es wirklich so weit kommen, dann könnte das in einem echten Krieg enden.

Leider ist es so, daß Geld Macht bedeutet. Mit dem Geld kann man sich alle Schergen kaufen, die man braucht. In Madagaskar, einem der ärmsten aller Länder, sind die Preise vermutlich auch entsprechend niedrig. Daß sich immer wieder solche Leute finden, die ohne Skrupel ihr gesamtes Volk ausbluten lassen, das ist nur eines: Traurig!

Aber irgendjemand hat immer einen Vorteil, man denke an das Motto “Teile und herrsche!” Und man behalte im Hinterkopf, daß Madagaskar reich ist an Bodenschätzen!

Unter Rajoelina hat man das, was man unter Ravalomanana auch schon gemacht hat, fortgesetzt: Demonstranten mit Giftgas einnebeln und auch auf sie schießen. So wird Rajoelina kaum lange an der Macht bleiben. Vielleicht ist ja eine Rückkehr von Pierrot Rajaonarivelo geplant? Wenn man sich an das Interview mit Rajaonarivelo erinnert, dann scheint es durchaus denkbar, daß jener vielleicht den Posten des starken Mannes übernehmen soll, zumal er dem boay kely ja Amateurhaftigkeit vorgeworfen hatte. Sein Kommen hat er jedenfalls schon angekündigt.

Was für viele Madagassen gegen den aktuellen Machthaber Andry Rajoelina spricht, das ist eine offensichtlich zu große Nähe zur alten Kolonialmacht Frankreich. Viele Madagassen mögen die Franzosen wegen der kolonialen Vergangenheit nicht gerade und wünschen daher auch keine Intensivierung der Beziehungen mit diesem Land. Wenn die Spannungen anhalten und gar aus dem Ruder laufen, dann könnte es zu offenen Feindseligkeiten gegen die im Land lebenden Franzosen kommen.

Angesichts der etwa 30.000 Franzosen, die im Land leben, ist aber damit zu rechnen, daß, sobald Franzosen gezielt Opfer von Ausschreitungen werden sollten, französische Truppen, zum Beispiel der Fremdenlegion, eingreifen.

Ein Aspekt, der noch erwähnenswert ist, ist das madagassische Militär. Wenn man sieht, wie brutal das Militär vorgeht und in die Menge schießt, wieder auf unbewaffnete Demonstranten, wie es am 28. 3. 2009 geschehen ist, dann wirft das die Frage auf, wer dafür verantwortlich ist. Ein Todesopfer ist durch dieses Blutbad auf jeden Fall zu beklagen, einige Leichen sollen verschwunden sein.
Wer hat hier wirklich die Macht? Es könnte nämlich durchaus sein, daß die Meuterer, die CAPSAT-Soldaten, eine Eigendynamik entwickelt haben, denn dort führt sich manch rangniederer Krieger auf, wie man es in einer solchen Hierarchie so nicht gewohnt ist.

Warum läßt ein Machthaber, der seine Macht mit zweifelhaften Methoden errungen hat, den mehrfach verurteilten Mörder, Vergewaltiger, Folterer und Terroristen Coutiti frei? Schon, daß er Teilhaber des Ratsiraka-Regimes begnadigte, ist von vielen mit Unmut aufgenommen worden, aber die Befreiung von Coutiti dürfte ihn einige seiner Anhänger gekostet haben, die plötzlich anfangen, zu überlegen.

Warum, so kann man sich andererseits fragen, gibt es jeden Tag so viele Demonstranten, die sich den geflohenen Diktator Marc Ravalomanana, der das Land ausgesaugt und das Volk belogen und betrogen hat, zurückhaben will? Will man vielleicht nur das kleinere Übel? Warum erscheint nicht eine wirkliche Alternative auf der Bildfläche, ein Mann, der Ehre als das versteht, was sie ist? Oder vielleicht sogar eine Frau? Ist Madagaskar absolut ohne Hoffnung?

Ankündigung der Rückkehr von Didier Ratsiraka nach Madagaskar?

Titelblatt Zeitung Malaza

Heute steht auf der Titelseite der Zeitung Malaza, die anscheinend zum Fernsehsender MATV gehört: “Andrasana manomboka anio ny amiraly Ratsiraka”, was soviel heißt, wie: “Das Warten auf den Admiral Ratsiraka beginnt heute.” Entgegen der Seitenangabe für die Seite 4 befindet sich aber in der ganzen Zeitung kein diesbezüglicher Artikel.
Es handelt sich also vielleicht um eine Provokation, um abschätzen zu können, wie die Madagassen darauf reagieren werden. Es kann jetzt jedenfalls als sicher gelten, daß es Bestrebungen gibt, zumindest Personen aus dem Dunstkreis von diesem Ex-Diktator, Terroristen und Mörder wieder nach Madagaskar zurückzuholen. Dazu gab es ja schon den Artikel bezüglich Pierrot Rajaonarivelo in diesem Blog. Und heute findet sich bei Reuters ein Artikel, in dem ein Interview mit jenem diesen Satz zu Rajoelina beinhaltet: “We have a sort of deal and I’m among the people behind him but I think as far as his approach is concerned, there’s a bit of amateurism there.” Und: “Rajaonarivelo said that any solution would have to include opposition politicians exiled after 2002.” Übersetzung: Wir haben eine Art Abkommen und ich bin unter den Leuten, die hinter ihm sind. Aber ich denke, was sein Herangehen an die Sache betrifft, so ist es ein wenig amateurhaft. Rajaonarivelo sagte, daß jede Lösung Politiker, die nach 2002 exiliert wurden, einschließen muß.
Also muß der boay kely (kleiner Junge), wie Ravalomanana seinen Herausforderer Rajoelina zu nennen pflegte, weichen für die Profis der AREMA? Wenn Ratsiraka kommen sollte, dann muß er sofort verhaftet werden und in’s Gefängnis gebracht werden, alles andere wäre ein Armutszeugnis für die Madagassen. Man erinnere sich nur daran, daß er 2002 versucht hatte, Madagaskar in mehrere Staaten zu spalten. Mit Terroraktionen, wie dem Sprengen von Brücken, hat er versucht, die Provinz Antananarivo auszuhungern. Oder man betrachte die Ereignisse, als er am 10. August 1991 ein Blutbad hat anrichten lassen, als er befahl, auf die unbewaffneten Demonstranten zu schießen, die auf dem Weg zum Präsidentenpalast in Iavoloha waren.
Heute sagte Andry Rajoelina auf dem Platz des 13. Mai, daß er bereit sei, den Gipfel der Afrikanischen Union zu empfangen. Der Club der Diktatoren kommt zum boay kely? Das hat Madagaskar wahrlich noch gefehlt.
Der gerade gestürzte Diktator Marc Ravalomanana ist verschwunden, sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Im Palast von Iavoloha soll er sich nicht mehr aufhalten und die amerikanische Botschaft ließ verlauten, daß er nicht bei ihr sei. Was soll man da noch sagen? Eine Kr.. äh, was wollte ich jetzt eigentlich in die Tastatur hacken? Aus!

Die Ära Ravalomanana ist beendet – wird Rajoelina minderjähriger Nachfolger?

Ex-Diktator Marc Ravalomanana

Nachdem die abtrünnigen Militärs gestern Abend den alten Präsidentenpalast Ambohitsorohitra eingenommen hatten, ist Marc Ravalomanana heute zurückgetreten und hat die Regierung aufgelöst, nachdem er noch am Samstag gesagt hatte, er werde nie zurücktreten. Vielleicht auch im Hinblick auf die Ermordung des Präsidenten Joao Bernardo Vieira in Guinea Bissau hatte er jetzt vielleicht so viel Angst, selbst getötet zu werden, daß er die Möglichkeit, Schutz durch die amerikanische Botschaft gewährt zu bekommen, in Anspruch genommen hat. Es scheint offensichtlich, daß Frankreich wieder mehr Einfluß geltend machen will und wohl auch wird. Ravalomanana hat bestimmt, daß die Macht auf 4 bestimmte unter den dienstältesten Generälen übergehen soll. Andry Rajoelina hat aber eine Militärregierung abgelehnt und die abtrünnigen Militärs haben dann die entsprechenden Generäle in Gewahrsam genommen. Am Platz des 13. Mai herrschte bei der versammelten Menge ein Freudentaumel. Okay, der Diktator hat abgedankt. Aber was kommt jetzt? Eine gehörige Portion Skepsis ist angebracht, wenn man den Blick in die Zukunft von Madagaskar wagen will.

Die Madagassen in Antananarivo leben jetzt mit der Angst

Grab in Antananarivo

Nachdem am Sonntag ein Teil der Militärs sich von dem Machthaber Marc Ravalomanana losgesagt hatte, gab es am Montag ein gewisses Vakuum, welches von der armen Bevölkerung in der Nähe von Tanjombato genutzt wurde zum Plündern. Im Fernsehen konnte man am Abend vom Montag Szenen dieser Raubzüge sehen, die sich am hellichten Tag abspielten, ohne, daß irgend jemand versuchte, einzuschreiten. Es wurden Fernsehapparate, Matratzen, Scooter und alle sonstigen Waren aus den Läden des Smart Centers in Tanjombato, zum Teil auch mit Einkaufswagen, herausgetragen und gekarrt. Courts, wo es hauptsächlich Möbel im Angebot gibt, Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik, lud im Laden zum Zugreifen ein, wie auch die französische Supermarktkette Jumbo. Die Kamera folgte dem Menschenstrom auf die Straße, alle hatten es eilig, ihre geklauten Sachen möglichst schnell in Sicherheit zu bringen. Und in der Gegenrichtung kamen jene, die sich noch mehr beeilten, um nicht leer ausgehen zu müssen. Unglaubliche Szenen, aber Realität. Bilder danach.
In einem Interview wurde dann auch am Montag Abend von abtrünnigen Militärs berichtet, wobei einer der Sprecher meinte, daß mittlerweile bereits etwa 75% der Militärs sich für die Belange des Volkes entschieden hätten. In der Zeitung “La Verité
” steht in einem kleinen Artikel, daß in Mahanoro letzten Sonntag bei einer Demonstration ein Demonstrant erschossen wurde. Nachdem die Gendarmerie sich geweigert habe, auf die Leute zu schießen, habe der lokale Distriktchef der Polizei befohlen, die Waffen gegen die Leute einzusetzen. Nach mehreren Schüssen, um die Menge zu zerstreuen, sei ein Mann unter den Kugeln der Polizisten gefallen. Wütend habe die Menge dann den Wohnsitz dieses Repräsentanten der Regierung angegriffen und die offiziellen Autos in Brand gesetzt. Hochglücklich habe dieser Distriktchef rechtzeitig entkommen können. Dieser Bericht zeigt, warum es dazu kommen könnte, daß der verbliebene Rest hinter Marc Ravalomanana auch noch die Seite wechseln könnte, da die Angst vor solchen Repressionen überall groß sein dürfte – die Nachbarn wissen ja, wer Soldat, Polizist oder Gendarm ist. Da kommt hinzu, daß man heute dem von Ravalomanana ernannten PDS für den Posten des Bürgermeisters von Antananarivo, Guy Rivo Randrianarisoa, das Haus abgebrannt hat.

Nach Mittag wurde auf sobika.com berichtet, der Verteidigungsminister von Ravalomanana, der Vize-Admiral Mamy Ranaivoniarivo, sei zurückgetreten. Später wurde berichtet, bei Radio Mada (gehört Ravalomanana) habe er dementiert, zurückgetreten zu sein. Am Abend konnte man im Fernsehen ansehen, wie viele Uniformierte anwesend waren, als er in einem Geländewagen das Gelände des Verteidigungsministeriums verlassen wollte. Man hatte das Tor mit einem Vorhängeschloß versperrt und den Minister aufgefordert, erst seinen Rücktritt zu unterschreiebn, bevor er gehen könne. Keiner der Anwesenden mochte dem Minister helfen, das Tor zu öffnen. Dann berichtete sobika.com von 5 Toten bei Kämpfen zwischen Anhängern von TGV und TIM, von denen es im Fernsehen aber keine Erwähnung gab.

Auf alle Bewohner der Stadt wirkt sich die aktuelle Lage aus. Heute waren viele Läden geschlossen und auch ein Hotel hatte ein verschlossenes Gitter, das sonst vermutlich nur nachts geschlossen wird. An vielen Stellen gab es wieder Straßensperren in der Stadt. Auch die Kinder bekommen die Krise mit, ihre Konzentrationsfähigkeit nimmt ab, und beim Spielen kann man sehen, wie Ängste zum Vorschein kommen, die dann im Spiel eingebaut und verarbeitet werden. Man denke nur an die ganzen Kinder, die mit dem Giftgas in Berührung gekommen sind.

Der Diktator selbst hat heute in einer Ansprache im Sender TVM zugegeben, Fehler gemacht zu haben und daß er jetzt zuhören werde. Das zeigt an, wie weit er gesunken ist, die Arroganz scheint verflogen zu sein. Das Ende der Ära Ravalomanana und seiner Herrschaft scheint nahe.

Pierrot Rajaonarivelo äußert sich in der Zeitung “La Vérité” zu Marc Ravalomanana

Grab in Antananarivo

In der heutigen Ausgabe bringt die Zeitung “La Vérité” ein Interview mit dem ehemaligen Vize-Premierminister Pierrot Rajaonarivelo, der aktuell im Exil in Paris lebt und Nationaler Sekretär der Partei AREMA ist.
Aus dem Interview mit dem Titel “Kein Nebeneinander mit Ravalomanana”:
Wegen seiner Erziehung und seiner politischen Verantwortlichkeit, die er repräsentiere, leide er, nicht physisch an der Seite all der Leute sein zu können, die wagten, sich unter Gefährdung ihres Lebens zu erheben und dem teuflischen Regime von Ravalomanana zu begegnen. Man habe alle die Fotos der barbarischen Taten gesehen, welche dieses Individuum unsere Brüder, Schwestern und Verwandten derart erleiden lasse, daß man glauben könne, daß das madagassische Blut nicht durch seine eigenen Adern fließe. Er sei wirklich traurig für sein Land, welches von einem Mann regiert werde, der beschlossen habe, den Krieg gegen sein Volk zu führen, Gott und die Ahnen mögen über ihn richten. Er erweise Andry Rajoelina seine Ehrerbietung für seinen Mut und seine Bestimmtheit…

Die Partei AREMA wurde gegründet von Didier Ratsiraka, dem letzten teuflischen Diktator, der in Madagaskar auf sein Volk hat schießen lassen. Unter jenem Mörder war Rajaonarivelo also Vize-Premierminister. Warum mußte er in’s Exil fliehen? Was ist hier geplant? Soll er als großer Politiker zurückkehren nach Madagaskar? Wer steckt dahinter? Ratsiraka? Frankreich?

Zur Zeitung “La Vérité” wird in einigen Zeilen in einem Artikel des Madagaskarkenners “ed2murrow” im Zusammenhang mit einem gewissen Patrick Rajoelina referiert.

Madagaskar – Abtrünnige Militärs in Soanierana kontrollieren die Straße

In Soanierana, einem Stadtteil von Antananarivo, gibt es eine Kaserne, Camp CAPSAT, die auch Lager für Munition sein soll. Dort scheint die Mehrheit jetzt gegen eine weitere Gewaltausübung gegen die Bevölkerung zu sein. Man kontrolliert die in der Nähe liegende Kreuzung von Ankadimbahoaka, um sich selbst zu schützen, da man befürchtet, daß die dem Diktator Marc Ravalomanana treuen Truppenteile versuchen werden, die eingelagerte Munition in ihren Besitz zu bekommen. Laut Bericht auf der Seite http://assidu-madagascar.info soll die Präsidentengarde gestern noch versucht haben, eine solche Operation durchzuführen. Allerdings wurde in einer Erklärung vom Chef der Sicherheit für den Präsidenten im Fernsehsender TVM am Abend oft wiederholt, daß das nicht der Fall sei.
Bei einem der Herren aus dem Geländewagen soll es sich um einen Abgeordneten handeln.

Teile der Armee verweigern Ravalomanana die Gefolgschaft

In dieser Woche wurden verschiedene Stadtteile von Antananarivo Schauplatz kriegsähnlicher Szenen. Dabei wurden auch Teile der Zivilbevölkerung Opfer. Die ganze Stadt lebt jetzt mit der Angst. Die Bewohner in den den betroffenen Gebieten sind alle Opfer dieser Gewalt, die sich auf der Straße entladen hat. Unbeteiligte Passanten wurden geschlagen, verhaftet und sogar getötet. Wenn Leute in Gruppen auf der Straße unterwegs waren, wurden sie leicht zu Opfern der “Ordnungskräfte”, die grundlos auf die Leute eingeschlagen haben. Besonders hatte man es auf jene abgesehen, die zu den Ärmsten der Armen zählen, die man daran erkennt, daß sie barfuß laufen. Hinzu kommt, daß auch Schüler Opfer auf beiden Seiten der Konfliktparteien geworden sind. Das Kinderkrankenhaus in Tsaralalana soll voll sein, weil viele Kinder mit dem Tränengas in Berührung gekommen sind. All das sind Auswüchse einer Krise, die man verurteilen muß.
Heute kam es in der Folge dieser Gewaltexplosion dazu, daß Teile der Armee sich von dieser Gewalt gegen die Bevölkerung losgesagt haben. Im Radiosender Ny Antsiva wurde das berichtet und Minuten später wurde der Sender gestört, so, daß man dem Programm nicht mehr folgen konnte. Soldaten sollen laut einem ersten Bericht bei BBC gesagt haben, daß sie sich dem Kommando des Oppositionsführers Andry Rajoelison unterstellen wollen. Auf einem anderen Blog, topmada.com, wird berichtet, daß die Präsidentengarde die abtrünnige Kaserne angegriffen habe, um Waffen sicherzustellen, wobei 10 Mitglieder der Präsidentengarde gefangen worden sein sollen.
Sollte nicht die Mehrheit der Militärs dem Diktator den Befehl verweigern, so könnte es bei falscher Reaktion der Beteiligten schnell zu einem echten Bürgerkrieg führen. Es ist zu hoffen, daß auf beiden Seiten mit Besonnenheit reagiert wird.
Es fällt auf, daß Marc Ravalomanana in der letzten Zeit, wenn er öffentlich aufgeteten ist, fast immer eine knallrote Krawatte getragen hat. Was hat das zu bedeuten?

Marc Ravalomanana – Eine Schande für Madagaskar

Diktator Marc Ravalomanana

Im Fernsehen gab es gestern, am Donnerstag Abend, wieder kriegsähnliche Szenen aus der Innenstadt von Antananarivo zu sehen. Der Sender TV-Plus, der noch am Mittwoch ausführlich die Söldner gezeigt hatte, war nicht mehr auf Sendung, sondern sendete ein Standbild mit dem Hinweis auf Technische Probleme. Das technische Problem, ist zu vermuten, bestand darin, daß man zu viel gebracht hatte – man hatte nämlich auch eine telefonische Ansprache von Andry Rajoelina gesendet. Bilder der Söldner sind unter anderem bei madagate.com zu sehen.

Zivilisten, die nichts mit den Demonstrationen zu tun haben, werden terrorisiert – oder eben auch einfach erschossen, wie das vorgestern mit dem jungen Mann in Isotry der Fall war, der als Straßenverkäufer seiner Arbeit nachging. Verkäufer auf der Straße werden wie Verbrecher behandelt, auch Frauen. Sogar in Schulen werden die Schüler terrorisiert. Beide Seiten sind an solchen Untaten beteiligt. Heute haben Demonstranten, Anhänger von Andry Rajoelina, die Schüler des Lycée Français am Verlassen der Schule gehindert, da sie es auf vermutete Kinder von Regierungspolitikern abgesehen haben sollen. Solche Zustände hat es in Madagaskar noch nie gegeben. Ein Diktator will, einmal mehr, mit aller Gewalt an der Macht kleben bleiben, um wie ein kleiner Junge im Sandkasten ein Spielzeug (Gipfel der AU) zu erringen. Dieser Junge will alles mit Geld regeln. Die Soldaten bekommen Prämien. Die Minister bekommen Prämien, es werden überall Prämien gezahlt. Keiner wagt es, ihm zu widersprechen, alle kuschen sie vor ihm, da sie Angst vor seiner Boshaftigkeit und seiner Macht haben. Die Ärmsten der Armen können kaum ablehnen, wenn ihnen Geld geboten wird, das sie wieder für ein, zwei Wochen in die Lage versetzt, den Reis für die Familie zu kaufen. Was der Junge aber nicht kaufen kann, das ist Liebe, Sympathie. Das sollte er eigentlich wissen, als 2. Vorsitzender der protestantischen Kirche FJKM. Es ist ein Hohn, daß jemand, der auf sein unbewaffnetes Volk schießen läßt, ein solches Amt in einer christlichen Kirche weiter behalten kann. Die Gemeinden sollten aus der FJKM austreten und eine neue Dachorganisation gründen. Dann wären die beiden Vorsitzenden die einzigen Mitglieder.
Was sagte Ravalomanana 2002 am Platz des 13. Mai? Wenn 200 Demonstranten dort am Platz des 13. Mai gegen ihn demonstrieren würden, dann würde er gehen. Das hätten die Leute seinerzeit sofort als gültigen Vertrag, notariell beglaubigt, einfordern sollen. Und sie sollten es auch jetzt tun mit dem kommenden Nachfolger, egal wer da kommen möge, ob das nun ein Andry Rajoelina ist (was immer unwahrscheinlicher wird, da auch ihm die Verantwortung für die Krise vorgeworfen wird), ein Monja Roindefo oder wer auch immer.
Jetzt schon muß den Leuten klar werden, daß sie aktiv weiter Forderungen stellen müssen, die verhindern, daß in ein paar Jahren wieder die gleiche Situation herrschen könnte. Der Kampf zur Erreichung der Ziele darf erst dann beendet sein, wenn solche vorgesehenen Auswege einer Krise in der Verfassung stehen. Aus der Geschichte muß man doch lernen können.

Schüsse auf die Demonstranten von 1991

Dieses Video von französischen Journalisten zeigt einen Teil der Ereignisse vom 10. August 1991, als der damalige Präsident und Diktator von Madagaskar, Didier Ratsiraka, den Schießbefehl zum Schießen auf die Demonstranten gegeben hatte. Ein Zug von Demonstranten war auf dem Weg vom Platz des 13. Mai in Analakely zum Präsidentenpalast in Iavoloha. Der Marsch wurde von einem großen Hubschrauber aus sowjetischer Produktion erwartet, von dem Granaten geworfen wurden. Von den Bodentruppen wurden die Leute über die Felder verfolgt und beschossen. Mehr als 20 Tote sind die Bilanz dieses Tages, der eines der vorangegangenen traurigen Kapitel in der Geschichte Madagaskars ist.

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