Madagaskar-Blog

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Tag: Flugzeug

Die Krise in Madagaskar dauert an – Kommen SADC-Truppen? – Droht ein Bürgerkrieg?

Die Wolken verdunkeln sich

Am Montag, dem 6. April 2009 stand in der Zeitung La Vérité ein Artikel, in dem berichtet wurde, daß es in Androndra einen Mord gegeben habe.

Zwei Brüder waren wegen politisch unterschiedlicher Ansichten in einen Streit geraten, der eine solche Eskalation erfuhr, daß der eine seinem Bruder ein Messer in den Bauch rammte. Einer der Brüder hat also sein Leben lassen müssen und der andere Bruder ist zum Brudermörder geworden. Und das nur wegen verschiedener Meinungen zur politischen Lage in Madagaskar.

Dieses Vorkommnis verdeutlicht aber recht gut, wie prekär sich die Lage derzeit auf der großen Insel gestaltet. Leider kann nicht ausgeschlossen werden, daß es so, wie zwischen den beiden Brüdern, im Volk zu schweren Auseinandersetzungen kommen kann.

Schon bei den Feierlichkeiten zur Amtseinführung von Andry Rajoelina am 21. 3. 2009 gab es eine Demonstration von vielleicht mehreren tausend Menschen im Park von Ambohijatovo, die sich für den geflüchteten Marc Ravalomanana einsetzten. Bei der Zeremonie ließ sich Rajoelina im Stadion von Mahamasina so behandeln, als sei er rechtmäßiger, gewählter Präsident von Madagaskar und ließ sich die Kette umhängen. Danach verkündete er sogleich eine Amnestie für politische Häftlinge und die politischen Exilierten, namentlich die alten Kader des Regimes unter Ratsiraka.

International ist offiziell bisher von allen Seiten eine ablehnende Haltung gegenüber dem neuen Machthaber in Madagaskar zu registrieren. Nur der französische Botschafter Jean-Marc Châtaigner, der mit dem geichen Flugzeug in Ivato angekommen ist, wie die Frau von Andry Rajoelina, hat sich offiziell mit dem neuen Präsidenten gleich am Tag nach der Inthronisierung getroffen.

Während man vom Verbleib des flüchtigen Ravalomanana einige Tage nichts gehört hatte, wurde dann mitgeteilt, er halte sich in Mbabane, der Hauptstadt von Swaziland auf. Dann hat er sich telefonisch bei den Demonstrationen der neuen Opposition gemeldet und seine baldige Rückkehr angekündigt. Immer mehr wird dabei jetzt die Möglichkeit in’s Spiel gebracht, daß Truppen der SADC nach Madagaskar kommen sollen, um den gestürzten Joghurtverkäufer wieder auf den Thron zu hieven. Sollte es wirklich so weit kommen, dann könnte das in einem echten Krieg enden.

Leider ist es so, daß Geld Macht bedeutet. Mit dem Geld kann man sich alle Schergen kaufen, die man braucht. In Madagaskar, einem der ärmsten aller Länder, sind die Preise vermutlich auch entsprechend niedrig. Daß sich immer wieder solche Leute finden, die ohne Skrupel ihr gesamtes Volk ausbluten lassen, das ist nur eines: Traurig!

Aber irgendjemand hat immer einen Vorteil, man denke an das Motto “Teile und herrsche!” Und man behalte im Hinterkopf, daß Madagaskar reich ist an Bodenschätzen!

Unter Rajoelina hat man das, was man unter Ravalomanana auch schon gemacht hat, fortgesetzt: Demonstranten mit Giftgas einnebeln und auch auf sie schießen. So wird Rajoelina kaum lange an der Macht bleiben. Vielleicht ist ja eine Rückkehr von Pierrot Rajaonarivelo geplant? Wenn man sich an das Interview mit Rajaonarivelo erinnert, dann scheint es durchaus denkbar, daß jener vielleicht den Posten des starken Mannes übernehmen soll, zumal er dem boay kely ja Amateurhaftigkeit vorgeworfen hatte. Sein Kommen hat er jedenfalls schon angekündigt.

Was für viele Madagassen gegen den aktuellen Machthaber Andry Rajoelina spricht, das ist eine offensichtlich zu große Nähe zur alten Kolonialmacht Frankreich. Viele Madagassen mögen die Franzosen wegen der kolonialen Vergangenheit nicht gerade und wünschen daher auch keine Intensivierung der Beziehungen mit diesem Land. Wenn die Spannungen anhalten und gar aus dem Ruder laufen, dann könnte es zu offenen Feindseligkeiten gegen die im Land lebenden Franzosen kommen.

Angesichts der etwa 30.000 Franzosen, die im Land leben, ist aber damit zu rechnen, daß, sobald Franzosen gezielt Opfer von Ausschreitungen werden sollten, französische Truppen, zum Beispiel der Fremdenlegion, eingreifen.

Ein Aspekt, der noch erwähnenswert ist, ist das madagassische Militär. Wenn man sieht, wie brutal das Militär vorgeht und in die Menge schießt, wieder auf unbewaffnete Demonstranten, wie es am 28. 3. 2009 geschehen ist, dann wirft das die Frage auf, wer dafür verantwortlich ist. Ein Todesopfer ist durch dieses Blutbad auf jeden Fall zu beklagen, einige Leichen sollen verschwunden sein.
Wer hat hier wirklich die Macht? Es könnte nämlich durchaus sein, daß die Meuterer, die CAPSAT-Soldaten, eine Eigendynamik entwickelt haben, denn dort führt sich manch rangniederer Krieger auf, wie man es in einer solchen Hierarchie so nicht gewohnt ist.

Warum läßt ein Machthaber, der seine Macht mit zweifelhaften Methoden errungen hat, den mehrfach verurteilten Mörder, Vergewaltiger, Folterer und Terroristen Coutiti frei? Schon, daß er Teilhaber des Ratsiraka-Regimes begnadigte, ist von vielen mit Unmut aufgenommen worden, aber die Befreiung von Coutiti dürfte ihn einige seiner Anhänger gekostet haben, die plötzlich anfangen, zu überlegen.

Warum, so kann man sich andererseits fragen, gibt es jeden Tag so viele Demonstranten, die sich den geflohenen Diktator Marc Ravalomanana, der das Land ausgesaugt und das Volk belogen und betrogen hat, zurückhaben will? Will man vielleicht nur das kleinere Übel? Warum erscheint nicht eine wirkliche Alternative auf der Bildfläche, ein Mann, der Ehre als das versteht, was sie ist? Oder vielleicht sogar eine Frau? Ist Madagaskar absolut ohne Hoffnung?

Die Protestbewegung erobert 4 Ministerien in Madagaskar

Demonstranten

Andry Rajoelina und Monja Roindefo von der selbsternannten Transitionsregierung hatten am Montag den ersten Versuch gestartet, Ministerien mit den ernannten Ministern zu übernehmen. Das klappte allerdings nicht, da Straßen von Ordnungskräften gesperrt waren und auch die Gebäude der Ministerien waren von stark bewaffneten Einheiten bewacht. Auch am Dienstag und am Mittwoch blieben solche Versuche mit Unterstüzung von ungezählten Protestlern ohne Erfolg. Am Rande dieser Ereignisse kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Mob und Polizisten, wobei es mehrere Schwerverletzte gegeben haben soll, vor allem sollen mehrere Polizisten durch Steinwürfe am Kopf getroffen worden sein.
Heute haben sich dann die Frauen der Ordnungskräfte in die erste Reihe begeben, um die Protestbewegung zu unterstützen und um dadurch ein Schießen in die Menge zu verhindern. So hat man letztlich trotz eines großen Aufgebots von Polizisten, Gendarmerie und Militär das Ministerium für Innere Sicherheit, das Erziehungsinisterium, das Innenministerium sowie das Ministerium für Dezentralisierung und Raumplanung besetzen können, nachdem man die verschlossenen Tore und Türen geknackt und aufgebrochen hatte.
Über Marc Ravalomanana hat man im Radio verbreitet, daß er gemeint haben soll, wenn das Flugzeug das Problem sei, man es verkaufen könne. Sollte das stimmen, dann zeigt das, daß er seine Felle davonschwimmen sieht. Denn zu Zugeständnissen wäre er nie bereit gewesen, wenn er sich nicht dazu gezwungen sehen würde. Andry Rajoelina hat nach zwischenzeitlichen Verhandlungen seine Position wieder geändert und bekräftigt, daß man nicht mehr verhandeln werde. Ravalomanana hat heute einen neuen Innenminister ernannt, was als ein weiteres Indiz für einen inneren Zerfall seiner Regierung gewertet werden kann. Die Chancen für einen Gipfel der Afrikanischen Union unter Ravalomanana’s Leitung scheinen also kontinuierlich zu sinken.

Marc Ravalomanana zeigt seine wahre Fratze: Blutbad in Antaninarenina

Schöne Blüte vor einer Granitmauer

Dieser 7. Februar ist wieder ein rabenschwarzer Tag, den Ravalomanana der Geschichte Madagaskars hinzugefügt hat. In seinem Flugzeug, das dem Volk gehört, soll er in Majunga gewesen sein, während er in Tana auf sein Volk schießen läßt. Ein ähnliches Bild, wie während der schlimmen Plünderungen in der vergangenen Woche, als Ravalomanana sich auch in seiner Boeing nach Morondava abgesetzt hatte.
Vor dem Präsidentenpalast Ambohitsorohitra in der Oberstadt Antaninarenina haben sich die Demonstranten versammelt, geführt von Monja Roindefo, der von Andry Rajoelina zum Premierminister ernannt wurde. In einem Fernsehbericht waren Gewehrsalven von Automatikwaffen zu hören, es wurde direkt in die Menge geschossen. Die schwer Getroffenen bleiben liegen, alle suchen Deckung. Mit 50 Toten ist mindestens zu rechnen. Die Zahl der Verletzten dürfte bei über 300 liegen. Ein Journalist der französischen RFI soll unter den Toten sein, wie im Radio verbreitet wurde. Damit würde, sollte sich das bestätigen, das Gemetzel gleich eine internationale Dimension bekommen haben.
Der amerikanische Botschafter in Antananarivo, Niels Marquardt, hat am Vortag in 2 Radiointerviews mit BBC und RFI die Regierungsführung von Marc Ravalomanana kritisiert, indem er meinte, der Zeitpunkt für eine bessere Regierungsführung sei gekommen und daß wenig Aussicht auf Finanzhilfen für Madagaskar bestünde, solange die wirtschaftliche und die politische Lage nicht geregelt sei. Außerdem habe er gesagt, daß man private und staatliche Interessen nicht zu sehr vermischen solle. Ravalomanana antwortet an diesem Tag mit einem Massaker. Die Ära Ravalomanana neigt sich mit großen Schritten ihrem Ende entgegen, wie es scheint.
In den Medien ist überwiegend Trauermusik zu hören. Andry Rajoelina gibt weinend ein Interview am Telefon.

Magro auch in der Provinz Ziel der Plünderer

Rauchwolke

Heute soll Andry Rajoelina wegen des Dialogs mit Marc Ravalomanana befragt worden sein und er habe diesen abgelehnt. Nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt seien, könne ein Dialog stattfinden. Die Forderung eines bedingungslosen Rücktritts der Regierung bleibt also bestehen. Einzelne Regierungsvertreter sollen geflüchtet sein oder zurückgetreten sein.

Vom Flugzeug, der neuen Boeing 737-700 “Force One” von Ravalomanana, wird berichtet, daß es gestern in Ivato gegen 18:35 Uhr abgeflogen sei. Gegen 20:45 Uhr sei das Flugzeug wieder auf der Landepiste gesichtet worden. Wo ist der Präsident? Ist er noch im Land?

In Tamatave, Majunga und Tulear habe man heute die Filialen von Magro (Malagasy Grossiste) geplündert. Da dachten die Leute wohl, die Gelegenheit sei günstig, um sich einen Reissack zu holen.
Dabei haben sie auch ignoriert, daß unter den berichteten etwa 20 Toten von Tana einige Plünderer gewesen sein dürften. Wahrscheinlich waren die Mehrzahl dieser Toten Plünderer.

Ergänzung etwa 12:00 Uhr:
Radio Viva sendet wieder.

Ergänzung 13:30 Uhr:
Die Familie Ravalomanana soll mit “ihrem” Jet in Morondava sein.
Rajoelina hat für morgen dazu aufgerufen, zum Platz des 13. Mai zu kommen, da er eine große Nachricht mitzuteilen habe.

TGV mit Volldampf am Platz des 13. Mai

Fernsehbild

Im Radio erinnerten heute gefragte Leute daran, daß Ravalomanana 2002 bei seinem Kampf um die Macht am Platz des 13. Mai gesagt habe, wenn er mit so vielen Menschen, die gegen ihn wären, konfrontiert wäre, dann würde er gehen. Hat er das gesagt, so stellt sich die Frage, ob er dazu steht, denn oben hat man einen kleinen Eindruck von der Menge der Leute: Wird er gehen? Am Montag wird man dann sehen können, wie viele Menschen inzwischen gegen ihn auf die Straße gehen, denn Rajoelina hat zu einer neuen Demonstration am Montag aufgerufen, wobei er diesen Tag als schulfrei erklärt hat.
Heute waren noch sehr viel mehr Menschen bei der Demonstration in Ambohijatovo, als am letzten Samstag, so, daß man wegen der Begrenztheit des Platzes beschlossen hat, zum Platz des 13. Mai umzuziehen. Das hat nun in Madagaskar schon eine gewisse Tradition. Wird das auch einmal ein Ende haben? Dabei kommen einem die Bilder eines französischen Filmberichts in den Sinn, als am 10. August 1991 der damalige Präsident Didier Ratsiraka den Befehl gab, auf die Demonstranten zu schießen, die vom Platz des 13. Mai zum Regierungspalast in Iavoloha marschierten.
Die Forderung von Rajoelina an Ravalomanana, der gerade mit seinem neuen Flugzeug in Südafrika weilt: Er soll den Rücktritt erklären.
Auf dem Bild sind die Menschenmassen in Ambohijatovo zu sehen, bevor sie nach Analakely zum Platz des 13. Mai umgezogen sind.

Neue Air Force One unerkannt – ein UFO?

Air Force One Madagascar in Brüssel

Am Montag Morgen sah ich aus dem Fenster, weil ein Jet im Landeanflug recht nah war. Er war gut zu sehen, aber schon so weit, daß ich nicht mehr lesen konnte, was darauf stand. Weiß war der Jet und hatte für die Größe des Flugzeugs recht große Winglets. Mir war bei der Geschwindigkeit nicht einmal klar, um welchen Flugzeugtyp es sich handelte, da ich es nur noch von hinten sah. Es handelte sich also weniger um ein UFO im eigentlichen Sinne, lediglich für mich war es vorerst ein unbekanntes Flugobjekt geblieben. Erst am Dienstag, als ich las, daß die neue Air Force One ausgeliefert worden sei, habe ich dann sofort recherchiert und festgestellt, daß das das Flugzeug war. Eine Boeing 737-74U (BBJ) mit der Registrierung 5R-MRP.
In der madagassischen Presse wurde das Ereignis entsprechend dem Kaufpreis von 60 Millionen Dollar aufmerksam behandelt. Der Präsident von Madagaskar, Marc Ravalomanana, meint also, daß er damit viel Zeit spart, wenn er bei seinen häufigen Flügen nicht immer zwischenlanden muss, um aufzutanken. Betrachtet man aber, daß die alte Air Force One mit der Registrierung 5R-MRM von Lauda Air 2002 zu 11 Millionen Dollar übernommen wurde, dann stellt man fest, daß 60 Millionen für ein gebrauchtes Flugzeug, das schon 1999 seinen Erstflug absolvierte, recht viel ist. Dann liest man, daß ein neues Flugzeug dieses Typs laut Katalog maximal 67 Millionen kosten soll, wo aber gerade derzeit noch viel Verhandlungsspielraum für Rabatte sein soll. Vorbesitzer des Fluggeräts soll der Milliardär Roy Disney sein – ist das der eingebaute Luxus wert? Nun, es werden viele Fragen gestellt, die nicht unbedingt plausibel zu klären sind. Das Flugzeug steht jedenfalls zum Abflug bereit. Wie wird der kommende Abschnitt in der Ära Ravalomanana in Madagaskar aussehen?

Das Bild wurde am 4. Januar in Brüssel von Philippe Van Oost fotografiert.

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