Madagaskar-Blog

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Tag: Madagassen

NBM Nouvelle Brasserie de Madagascar – Das etablierte THB Three Horses Beer erhält Konkurrenz – Prost!

Her mit dem Bier

Gestern lief im madagassischen Fernsehen eine Image-Kampagne für eine neue Brauerei. Das dürfte von vielen Liebhabern des Gerstensafts mit einem vielfachen Prost begrüßt werden. Man zeigte das Firmengelände während der Bauphase in verschiedenen Bauabschnitten. Die Wahl sei auf Ambatolampy gefallen, weil es vorzügliches Wasser in der Umgebung gebe und die Nähe zu Antananarivo gegeben sei.

Die neue Brauerei heißt Nouvelle Brasserie de Madagascar und hat ihren Sitz in Ambatolampy, welches an der RN 7 zwischen Antananarivo und Antsirabe liegt. Die Firma ist ein Joint-Venture zwischen der Phoenix Beverages Group aus Mauritius und Unibrasa, einer belgischen Brauerei. Die Investitionskosten sollten sich laut einem Artikel in der Madagascar Tribune vom 12. 4. 2008 auf 17 Millionen Euro belaufen und man werde direkt 200 bis 250 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Produktionskapazität der Brauerei betrage 300.000 Hektoliter.

Der Markteintritt des neuen Bieres scheint also unmittelbar bevorzustehen. Nun wird also die Brasserie Star mit ihrem ehemaligen Monopol um das Three Horses Beer THB mit größerer Konkurrenz leben müssen. Je nach dem, wie der Geschmack des neuen Produkts ausfallen wird und natürlich auch, wie die Preisgestaltung sein wird, wird sich zeigen, wieviele Marktanteile man erringen kann. Vielleicht bringt NBM ja kleinere Flaschen auf den Markt und erhofft sich so einen Vorteil?

Die Madagascar Tribune hat in einem weiteren Artikel vom 17. 4. 2008 Thierry Bouteil, einen Vertreter der Brasseries Star zur neuen Konkurrenz interviewt. Beim Markteintritt der Marken Olympiko und Classiko habe man zu Beginn keinen großen Marktanteil verloren, um ihn nach und nach wieder zurückzuerobern. Die Star-Brauerei habe ihre Vorteile und man habe eine Dosenabfülllinie aufgebaut, um damit auf die Märkte exportieren zu können, wo viele Madagassen lebten, wie Frankreich, Réunion, die Komoren, Mayotte.

Dann habe man bei einer Tochtergesellschaft, der Mälzerei Malto, die Kapazität verdoppelt. Man lasse 5500 Bauern in der Region Vakinankarartra Gerste anbauen. Man stelle das Saatgut zur Verfügung und kaufe die ganze Produktion zu einem vorher festgelegten Preis auf. Die Ernte werde zu Malz verarbeitet, welches zur Bierherstellung diene. Die Nutzung lokal hergestellter Zutaten sei ein großer Vorteil, man müsse nicht für teure Euros Malz importieren. Die Maispflanzungen in Tulear habe man ebenso vergrößert.

Eine neue Drogenfabrikationsanlage wird also jetzt den Madagassen, den Touristen und den im Land lebenden Ausländern den Kopf benebeln. Ob es das ist, was ein so armes Land braucht, das sollte man sich wirklich fragen. Viele werden nun anführen, daß Bier ein Stück Lebensqualität darstellt. In Wahrheit ist es aber nichts anderes, als eine gefährliche Droge, die viele in die Sucht führt. Man sehe sich die traurigen Zahlen der Alkoholiker in Deutschland und überall in der Welt an. Man kann schon sagen, daß es sich um eine Volksdroge handelt, die entsprechend hohe volkswirtschaftliche Schäden verursacht.

Man sollte da nicht die Wahrheit aus den Augen verlieren. Prost!

Foto: aboutpixel.de / sarron

AREMA: Die Rückkehr der Exilierten ist unvermeidlich

Auf dem Sprung

So steht es heute als Überschrift eines Artikels in der Zeitung Malaza. Gestern hat es demnach eine Pressekonferenz der Partei AREMA gegeben. “Le retour des exilés politiques au pays dépend encore de l’organisation du gouvernement da la Haute Autorité de Transition. Ce dernier s’active actuellement dans ce sens.” Die Rückkehr der exilierten Politiker ins Land hängt noch von der Organisation der Regierung der Hohen Behörde des Übergangs ab. Letztere beschäftigt sich derzeit in diese Richtung. Die eventuelle Rückkehr in’s Land gewisser politischer Persönlichkeiten, darunter unter anderen der Admiral Didier Ratsiraka, Pierrot Rajaonarivelo, oder Tantely Andrianarivo, errege derzeit die Polemik, besonders nach dem kürzlichen Sieg der Hohen Behörde des Übergangs unter Vorsitz von Andry Rajoelina. Dieses eventuelle Comeback sei unausweichlich, wenn man betrachte, daß sich die Lage zu Gunsten des Gegners von Marc Ravalomanana gewendet habe. Das Hohe Verfassungsgericht habe gestern offiziell am Platz des 13. Mai die Legalität der Übergangsregierung bestätigt. Es handle sich schon um einen Schritt zur Errichtung einer IV Republik. Die Logik der Dinge möchte, daß diese Entscheidung durch das Hohe Verfassungsgericht als direkte Konsequenz die Annullierung gewisser Bestimmungen der alten Verfassung haben werde, und bei gleicher Gelegenheit die Aufhebung ministerieller Dekrete bezüglich der Festnahme exilierter Politiker, welche zur Zeit Marc Ravalomanana’s veröffentlicht worden seien.
Die Zeitung L’Express hat heute zu dem Thema getitelt: AREMA für eine Generalamnestie.
So läuft also der Hase! Die Madagassen werden – einmal mehr – total vera…

Foto: aboutpixel.de / Christoph Ruhland

Ankündigung der Rückkehr von Didier Ratsiraka nach Madagaskar?

Titelblatt Zeitung Malaza

Heute steht auf der Titelseite der Zeitung Malaza, die anscheinend zum Fernsehsender MATV gehört: “Andrasana manomboka anio ny amiraly Ratsiraka”, was soviel heißt, wie: “Das Warten auf den Admiral Ratsiraka beginnt heute.” Entgegen der Seitenangabe für die Seite 4 befindet sich aber in der ganzen Zeitung kein diesbezüglicher Artikel.
Es handelt sich also vielleicht um eine Provokation, um abschätzen zu können, wie die Madagassen darauf reagieren werden. Es kann jetzt jedenfalls als sicher gelten, daß es Bestrebungen gibt, zumindest Personen aus dem Dunstkreis von diesem Ex-Diktator, Terroristen und Mörder wieder nach Madagaskar zurückzuholen. Dazu gab es ja schon den Artikel bezüglich Pierrot Rajaonarivelo in diesem Blog. Und heute findet sich bei Reuters ein Artikel, in dem ein Interview mit jenem diesen Satz zu Rajoelina beinhaltet: “We have a sort of deal and I’m among the people behind him but I think as far as his approach is concerned, there’s a bit of amateurism there.” Und: “Rajaonarivelo said that any solution would have to include opposition politicians exiled after 2002.” Übersetzung: Wir haben eine Art Abkommen und ich bin unter den Leuten, die hinter ihm sind. Aber ich denke, was sein Herangehen an die Sache betrifft, so ist es ein wenig amateurhaft. Rajaonarivelo sagte, daß jede Lösung Politiker, die nach 2002 exiliert wurden, einschließen muß.
Also muß der boay kely (kleiner Junge), wie Ravalomanana seinen Herausforderer Rajoelina zu nennen pflegte, weichen für die Profis der AREMA? Wenn Ratsiraka kommen sollte, dann muß er sofort verhaftet werden und in’s Gefängnis gebracht werden, alles andere wäre ein Armutszeugnis für die Madagassen. Man erinnere sich nur daran, daß er 2002 versucht hatte, Madagaskar in mehrere Staaten zu spalten. Mit Terroraktionen, wie dem Sprengen von Brücken, hat er versucht, die Provinz Antananarivo auszuhungern. Oder man betrachte die Ereignisse, als er am 10. August 1991 ein Blutbad hat anrichten lassen, als er befahl, auf die unbewaffneten Demonstranten zu schießen, die auf dem Weg zum Präsidentenpalast in Iavoloha waren.
Heute sagte Andry Rajoelina auf dem Platz des 13. Mai, daß er bereit sei, den Gipfel der Afrikanischen Union zu empfangen. Der Club der Diktatoren kommt zum boay kely? Das hat Madagaskar wahrlich noch gefehlt.
Der gerade gestürzte Diktator Marc Ravalomanana ist verschwunden, sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Im Palast von Iavoloha soll er sich nicht mehr aufhalten und die amerikanische Botschaft ließ verlauten, daß er nicht bei ihr sei. Was soll man da noch sagen? Eine Kr.. äh, was wollte ich jetzt eigentlich in die Tastatur hacken? Aus!

Die Madagassen in Antananarivo leben jetzt mit der Angst

Grab in Antananarivo

Nachdem am Sonntag ein Teil der Militärs sich von dem Machthaber Marc Ravalomanana losgesagt hatte, gab es am Montag ein gewisses Vakuum, welches von der armen Bevölkerung in der Nähe von Tanjombato genutzt wurde zum Plündern. Im Fernsehen konnte man am Abend vom Montag Szenen dieser Raubzüge sehen, die sich am hellichten Tag abspielten, ohne, daß irgend jemand versuchte, einzuschreiten. Es wurden Fernsehapparate, Matratzen, Scooter und alle sonstigen Waren aus den Läden des Smart Centers in Tanjombato, zum Teil auch mit Einkaufswagen, herausgetragen und gekarrt. Courts, wo es hauptsächlich Möbel im Angebot gibt, Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik, lud im Laden zum Zugreifen ein, wie auch die französische Supermarktkette Jumbo. Die Kamera folgte dem Menschenstrom auf die Straße, alle hatten es eilig, ihre geklauten Sachen möglichst schnell in Sicherheit zu bringen. Und in der Gegenrichtung kamen jene, die sich noch mehr beeilten, um nicht leer ausgehen zu müssen. Unglaubliche Szenen, aber Realität. Bilder danach.
In einem Interview wurde dann auch am Montag Abend von abtrünnigen Militärs berichtet, wobei einer der Sprecher meinte, daß mittlerweile bereits etwa 75% der Militärs sich für die Belange des Volkes entschieden hätten. In der Zeitung “La Verité
” steht in einem kleinen Artikel, daß in Mahanoro letzten Sonntag bei einer Demonstration ein Demonstrant erschossen wurde. Nachdem die Gendarmerie sich geweigert habe, auf die Leute zu schießen, habe der lokale Distriktchef der Polizei befohlen, die Waffen gegen die Leute einzusetzen. Nach mehreren Schüssen, um die Menge zu zerstreuen, sei ein Mann unter den Kugeln der Polizisten gefallen. Wütend habe die Menge dann den Wohnsitz dieses Repräsentanten der Regierung angegriffen und die offiziellen Autos in Brand gesetzt. Hochglücklich habe dieser Distriktchef rechtzeitig entkommen können. Dieser Bericht zeigt, warum es dazu kommen könnte, daß der verbliebene Rest hinter Marc Ravalomanana auch noch die Seite wechseln könnte, da die Angst vor solchen Repressionen überall groß sein dürfte – die Nachbarn wissen ja, wer Soldat, Polizist oder Gendarm ist. Da kommt hinzu, daß man heute dem von Ravalomanana ernannten PDS für den Posten des Bürgermeisters von Antananarivo, Guy Rivo Randrianarisoa, das Haus abgebrannt hat.

Nach Mittag wurde auf sobika.com berichtet, der Verteidigungsminister von Ravalomanana, der Vize-Admiral Mamy Ranaivoniarivo, sei zurückgetreten. Später wurde berichtet, bei Radio Mada (gehört Ravalomanana) habe er dementiert, zurückgetreten zu sein. Am Abend konnte man im Fernsehen ansehen, wie viele Uniformierte anwesend waren, als er in einem Geländewagen das Gelände des Verteidigungsministeriums verlassen wollte. Man hatte das Tor mit einem Vorhängeschloß versperrt und den Minister aufgefordert, erst seinen Rücktritt zu unterschreiebn, bevor er gehen könne. Keiner der Anwesenden mochte dem Minister helfen, das Tor zu öffnen. Dann berichtete sobika.com von 5 Toten bei Kämpfen zwischen Anhängern von TGV und TIM, von denen es im Fernsehen aber keine Erwähnung gab.

Auf alle Bewohner der Stadt wirkt sich die aktuelle Lage aus. Heute waren viele Läden geschlossen und auch ein Hotel hatte ein verschlossenes Gitter, das sonst vermutlich nur nachts geschlossen wird. An vielen Stellen gab es wieder Straßensperren in der Stadt. Auch die Kinder bekommen die Krise mit, ihre Konzentrationsfähigkeit nimmt ab, und beim Spielen kann man sehen, wie Ängste zum Vorschein kommen, die dann im Spiel eingebaut und verarbeitet werden. Man denke nur an die ganzen Kinder, die mit dem Giftgas in Berührung gekommen sind.

Der Diktator selbst hat heute in einer Ansprache im Sender TVM zugegeben, Fehler gemacht zu haben und daß er jetzt zuhören werde. Das zeigt an, wie weit er gesunken ist, die Arroganz scheint verflogen zu sein. Das Ende der Ära Ravalomanana und seiner Herrschaft scheint nahe.

Petition an den Präsidenten von Madagaskar und den Bürgermeister von Antananarivo

Die Hand drauf

An: Den Präsidenten von Madagaskar und den Bürgermeister von Antananarivo

Für die Herren Marc Ravalomanana und Andry Rajoelina

Sehr geehrte Herren,

angesichts der politischen Krise, die Madagaskar derzeit durchzieht, unterzeichnen wir, Bürger von Madagaskar oder woanders, diese Petition, damit Sie und die Personen, die Sie jeweils unterstützen, akzeptieren, den Dialog zu beginnen, um möglichst bald alle Streitpunkte zu lösen, die Sie in Konflikt zueinander bringen, und nur das übergeordnete Interesse der Nation und des madagassischen Volkes zu betrachten.

Mit dem harten Leben, das wir bereits führen, können wir uns den Luxus nicht mehr leisten, unser Land und unser Leben von Ihnen für Ihren persönlichen Eifer als Geiseln nehmen zu lassen.

Viele Leben sind bereits ausgelöscht worden, viele Güter sind wegen dieser Krise zerstört worden. Es reicht!

Wir fordern also, daß Sie eine Lösung durch den Dialog und nicht durch die Demonstration Ihrer Autorität finden.

Wir starten auch einen Aufruf an alle Kräfte der Nation, alle Mittel einzusetzen (nationale Debatte, nationale Konzertation usw.), damit sich eine solche Krisensituation nie mehr in unserem werten Land wiederholt.

Wir Bürger wollen den Frieden und nicht Ihre egoistischen politischen Querelen.

Daß Gott Ihnen beiden und Ihren Anhängern den Mut und den Willen gibt, den Dialog zu akzeptieren.

Um ihre Heimat besorgte Madagassen

Foto: aboutpixel / Konstantin Gastmann

Vorsicht Loch! – Eine Fallgrube im Bürgersteig – Die Gefahr lauert

Schwierig erreichbarer Obststand

Dieses Bild zeigt, mit welchen Verhältnissen sich die Madagassen arrangieren müssen. Warum müssen sie das eigentlich? Das ist wohl eine Frage der Mentalität.

Vor dem Obststand ist die Betondecke des Bürgersteigs kaputt und es hat sich ein Loch aufgetan, in dem noch die Stahlstreben vom Beton sichtbar sind. Hier muß man immer mit offenen Augen durch die Gegend laufen, sonst könnte es einen Reinfall geben. Durch den Baustahl, der da noch verstrebt ist, könnte es zu schlimmen Verletzungen kommen.

Gerade ist es einem Deutschen in Tamatave passiert, daß er in ein tiefes Loch in der Straße getappt ist, weil er sich nach einem Unfall umgedreht hatte und währenddessen aber weitergelaufen war. Er hat sich den Fuß schlimm verstaucht und den großen Zeh am Zehennagel verletzt. Er hat berichtet, daß eine Schockwelle durch seinen Körper gelaufen ist, wie er es noch nie erlebt hatte.

In Majunga ist einem Österreicher auch ein Loch zum Verhängnis geworden. Der Löcher hat es also noch viele. Die Tiefe der Löcher kann sehr unterschiedlich sein – von einigen Zentimetern bis zu mehreren Metern. Nichts ist unmöglich. Und das gilt für alle ärmeren Länder, wo es dann heißt:
Vorsehen!

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