Madagaskar-Blog

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Tag: Marc Ravalomanana

Air Force One 2 – Der Luxus-Langstreckenjet wartet auf sein Schicksal – Ist Air Austral noch im Gespräch?

Was wird aus diesem Luxus-Flugzeug

Letzte Woche am Donnerstag war diese ganzseitige Anzeige in mehreren Zeitungen in Antananarivo erschienen.

Es wird dargestellt, was das Fluggerät, eine Boeing 737-74U gekostet haben soll, nämlich 110,4 Milliarden Ariary. Davon habe Marc Ravalomanana 63 Milliarden Ariary in Tana bei der Staatskasse geholt und 47,4 Milliarden Ariary beim Hafen in Tamatave.

Als Kontrast werden die Bilder vom armen madagassischen Volk gezeigt.

Es reiche jetzt mit den LÜGEN. Ja, richtig: ES REICHT JETZT MIT DEN LÜGEN.

Was wird hier wirklich gespielt?

Erst sollte das Flugzeug laut Medienberichten an Air Austral verkauft worden sein. Kurz darauf habe die Afrikanische Union AU sich dazu geäußert und gemeint, man könne das Flugzeug nicht verkaufen. Seitdem hörte man nichts mehr. Bis eben zu dieser Anzeige.

Die Fluggesellschaft Air Austral, die ihren Sitz auf der Nachbarinsel von Madagaskar, Réunion, hat, ist eine Tochtergesellschaft der Air France, welche wiederum noch zu einem Teil im Staatsbesitz von Frankreich ist. 16% ist die letzte Zahl, die ich dazu gefunden habe.

Seltsam all das. Wer sollte in der derzeitigen Weltwirtschaftskrise Interesse haben, ein solches Luxusflugzeug zu kaufen? Warum eventuell Air Austral? Weil man von Regierungsseite zu einem Interesse überredet wurde?

Und jetzt? Was wird aus dem Spielzeug vom Ex-Diktator? Zu wessen Spielball wird das Fluggerät?

Dank der Krise in Madagaskar: Halbfestes Fett wird als Pflanzenöl oder Speiseöl verkauft

Fett als Pflanzenöl verkauft in Antananarivo

Wenn man so eine Flasche in der eigenen Küche findet, dann fängt man schon an, sich zu überlegen, was das für ein Fett ist, das da verkauft wird. Jedenfalls wird das in Tana “en vrac” verkauft, also an einer Pumpe, die das Öl direkt aus dem Faß pumpt. Wenn das Faß zu kühl steht, dann tut sich da vermutlich gar nichts. In die Sonne gestellt würde das Fett dann schmelzen. Allerdings braucht das wohl auch seine Zeit. Der Schmelzpunkt liegt auf jeden Fall über 23° C.

Zu 5.000 Ariary wird der Liter verkauft. Irgend jemand macht hier wieder seinen Reibach auf Kosten der Allgemeinheit, denn dieses Fett dürfte im Einkauf deutlich billiger sein, als ein Produkt, welches permanent flüssig ist und die Bezeichnung Öl auch zu Recht tragen kann. Ein Verdacht auf eine gesundheitliche Bedenklichkeit ist dabei noch gar nicht in Betracht gezogen. Wer sollte das Öl – nein, es ist ja Fett – aber untersuchen? Jetzt, in der Krise. Ob sich da jemand findet, der sich zuständig fühlt?

Wenn es Palmfett sein sollte, was wahrscheinlich ist, dann ist es gut als Bratfett zu verwenden. Und dazu benutzen die meisten Madagassen es wahrscheinlich auch.

Anstehen für Öl an der PumpeHier noch ein Bild vom 4. 4. 2002, als es in Antananarivo auch eine Ölkrise gab.

Die Krise in Madagaskar dauert an – Kommen SADC-Truppen? – Droht ein Bürgerkrieg?

Die Wolken verdunkeln sich

Am Montag, dem 6. April 2009 stand in der Zeitung La Vérité ein Artikel, in dem berichtet wurde, daß es in Androndra einen Mord gegeben habe.

Zwei Brüder waren wegen politisch unterschiedlicher Ansichten in einen Streit geraten, der eine solche Eskalation erfuhr, daß der eine seinem Bruder ein Messer in den Bauch rammte. Einer der Brüder hat also sein Leben lassen müssen und der andere Bruder ist zum Brudermörder geworden. Und das nur wegen verschiedener Meinungen zur politischen Lage in Madagaskar.

Dieses Vorkommnis verdeutlicht aber recht gut, wie prekär sich die Lage derzeit auf der großen Insel gestaltet. Leider kann nicht ausgeschlossen werden, daß es so, wie zwischen den beiden Brüdern, im Volk zu schweren Auseinandersetzungen kommen kann.

Schon bei den Feierlichkeiten zur Amtseinführung von Andry Rajoelina am 21. 3. 2009 gab es eine Demonstration von vielleicht mehreren tausend Menschen im Park von Ambohijatovo, die sich für den geflüchteten Marc Ravalomanana einsetzten. Bei der Zeremonie ließ sich Rajoelina im Stadion von Mahamasina so behandeln, als sei er rechtmäßiger, gewählter Präsident von Madagaskar und ließ sich die Kette umhängen. Danach verkündete er sogleich eine Amnestie für politische Häftlinge und die politischen Exilierten, namentlich die alten Kader des Regimes unter Ratsiraka.

International ist offiziell bisher von allen Seiten eine ablehnende Haltung gegenüber dem neuen Machthaber in Madagaskar zu registrieren. Nur der französische Botschafter Jean-Marc Châtaigner, der mit dem geichen Flugzeug in Ivato angekommen ist, wie die Frau von Andry Rajoelina, hat sich offiziell mit dem neuen Präsidenten gleich am Tag nach der Inthronisierung getroffen.

Während man vom Verbleib des flüchtigen Ravalomanana einige Tage nichts gehört hatte, wurde dann mitgeteilt, er halte sich in Mbabane, der Hauptstadt von Swaziland auf. Dann hat er sich telefonisch bei den Demonstrationen der neuen Opposition gemeldet und seine baldige Rückkehr angekündigt. Immer mehr wird dabei jetzt die Möglichkeit in’s Spiel gebracht, daß Truppen der SADC nach Madagaskar kommen sollen, um den gestürzten Joghurtverkäufer wieder auf den Thron zu hieven. Sollte es wirklich so weit kommen, dann könnte das in einem echten Krieg enden.

Leider ist es so, daß Geld Macht bedeutet. Mit dem Geld kann man sich alle Schergen kaufen, die man braucht. In Madagaskar, einem der ärmsten aller Länder, sind die Preise vermutlich auch entsprechend niedrig. Daß sich immer wieder solche Leute finden, die ohne Skrupel ihr gesamtes Volk ausbluten lassen, das ist nur eines: Traurig!

Aber irgendjemand hat immer einen Vorteil, man denke an das Motto “Teile und herrsche!” Und man behalte im Hinterkopf, daß Madagaskar reich ist an Bodenschätzen!

Unter Rajoelina hat man das, was man unter Ravalomanana auch schon gemacht hat, fortgesetzt: Demonstranten mit Giftgas einnebeln und auch auf sie schießen. So wird Rajoelina kaum lange an der Macht bleiben. Vielleicht ist ja eine Rückkehr von Pierrot Rajaonarivelo geplant? Wenn man sich an das Interview mit Rajaonarivelo erinnert, dann scheint es durchaus denkbar, daß jener vielleicht den Posten des starken Mannes übernehmen soll, zumal er dem boay kely ja Amateurhaftigkeit vorgeworfen hatte. Sein Kommen hat er jedenfalls schon angekündigt.

Was für viele Madagassen gegen den aktuellen Machthaber Andry Rajoelina spricht, das ist eine offensichtlich zu große Nähe zur alten Kolonialmacht Frankreich. Viele Madagassen mögen die Franzosen wegen der kolonialen Vergangenheit nicht gerade und wünschen daher auch keine Intensivierung der Beziehungen mit diesem Land. Wenn die Spannungen anhalten und gar aus dem Ruder laufen, dann könnte es zu offenen Feindseligkeiten gegen die im Land lebenden Franzosen kommen.

Angesichts der etwa 30.000 Franzosen, die im Land leben, ist aber damit zu rechnen, daß, sobald Franzosen gezielt Opfer von Ausschreitungen werden sollten, französische Truppen, zum Beispiel der Fremdenlegion, eingreifen.

Ein Aspekt, der noch erwähnenswert ist, ist das madagassische Militär. Wenn man sieht, wie brutal das Militär vorgeht und in die Menge schießt, wieder auf unbewaffnete Demonstranten, wie es am 28. 3. 2009 geschehen ist, dann wirft das die Frage auf, wer dafür verantwortlich ist. Ein Todesopfer ist durch dieses Blutbad auf jeden Fall zu beklagen, einige Leichen sollen verschwunden sein.
Wer hat hier wirklich die Macht? Es könnte nämlich durchaus sein, daß die Meuterer, die CAPSAT-Soldaten, eine Eigendynamik entwickelt haben, denn dort führt sich manch rangniederer Krieger auf, wie man es in einer solchen Hierarchie so nicht gewohnt ist.

Warum läßt ein Machthaber, der seine Macht mit zweifelhaften Methoden errungen hat, den mehrfach verurteilten Mörder, Vergewaltiger, Folterer und Terroristen Coutiti frei? Schon, daß er Teilhaber des Ratsiraka-Regimes begnadigte, ist von vielen mit Unmut aufgenommen worden, aber die Befreiung von Coutiti dürfte ihn einige seiner Anhänger gekostet haben, die plötzlich anfangen, zu überlegen.

Warum, so kann man sich andererseits fragen, gibt es jeden Tag so viele Demonstranten, die sich den geflohenen Diktator Marc Ravalomanana, der das Land ausgesaugt und das Volk belogen und betrogen hat, zurückhaben will? Will man vielleicht nur das kleinere Übel? Warum erscheint nicht eine wirkliche Alternative auf der Bildfläche, ein Mann, der Ehre als das versteht, was sie ist? Oder vielleicht sogar eine Frau? Ist Madagaskar absolut ohne Hoffnung?

AREMA: Die Rückkehr der Exilierten ist unvermeidlich

Auf dem Sprung

So steht es heute als Überschrift eines Artikels in der Zeitung Malaza. Gestern hat es demnach eine Pressekonferenz der Partei AREMA gegeben. “Le retour des exilés politiques au pays dépend encore de l’organisation du gouvernement da la Haute Autorité de Transition. Ce dernier s’active actuellement dans ce sens.” Die Rückkehr der exilierten Politiker ins Land hängt noch von der Organisation der Regierung der Hohen Behörde des Übergangs ab. Letztere beschäftigt sich derzeit in diese Richtung. Die eventuelle Rückkehr in’s Land gewisser politischer Persönlichkeiten, darunter unter anderen der Admiral Didier Ratsiraka, Pierrot Rajaonarivelo, oder Tantely Andrianarivo, errege derzeit die Polemik, besonders nach dem kürzlichen Sieg der Hohen Behörde des Übergangs unter Vorsitz von Andry Rajoelina. Dieses eventuelle Comeback sei unausweichlich, wenn man betrachte, daß sich die Lage zu Gunsten des Gegners von Marc Ravalomanana gewendet habe. Das Hohe Verfassungsgericht habe gestern offiziell am Platz des 13. Mai die Legalität der Übergangsregierung bestätigt. Es handle sich schon um einen Schritt zur Errichtung einer IV Republik. Die Logik der Dinge möchte, daß diese Entscheidung durch das Hohe Verfassungsgericht als direkte Konsequenz die Annullierung gewisser Bestimmungen der alten Verfassung haben werde, und bei gleicher Gelegenheit die Aufhebung ministerieller Dekrete bezüglich der Festnahme exilierter Politiker, welche zur Zeit Marc Ravalomanana’s veröffentlicht worden seien.
Die Zeitung L’Express hat heute zu dem Thema getitelt: AREMA für eine Generalamnestie.
So läuft also der Hase! Die Madagassen werden – einmal mehr – total vera…

Foto: aboutpixel.de / Christoph Ruhland

Ankündigung der Rückkehr von Didier Ratsiraka nach Madagaskar?

Titelblatt Zeitung Malaza

Heute steht auf der Titelseite der Zeitung Malaza, die anscheinend zum Fernsehsender MATV gehört: “Andrasana manomboka anio ny amiraly Ratsiraka”, was soviel heißt, wie: “Das Warten auf den Admiral Ratsiraka beginnt heute.” Entgegen der Seitenangabe für die Seite 4 befindet sich aber in der ganzen Zeitung kein diesbezüglicher Artikel.
Es handelt sich also vielleicht um eine Provokation, um abschätzen zu können, wie die Madagassen darauf reagieren werden. Es kann jetzt jedenfalls als sicher gelten, daß es Bestrebungen gibt, zumindest Personen aus dem Dunstkreis von diesem Ex-Diktator, Terroristen und Mörder wieder nach Madagaskar zurückzuholen. Dazu gab es ja schon den Artikel bezüglich Pierrot Rajaonarivelo in diesem Blog. Und heute findet sich bei Reuters ein Artikel, in dem ein Interview mit jenem diesen Satz zu Rajoelina beinhaltet: “We have a sort of deal and I’m among the people behind him but I think as far as his approach is concerned, there’s a bit of amateurism there.” Und: “Rajaonarivelo said that any solution would have to include opposition politicians exiled after 2002.” Übersetzung: Wir haben eine Art Abkommen und ich bin unter den Leuten, die hinter ihm sind. Aber ich denke, was sein Herangehen an die Sache betrifft, so ist es ein wenig amateurhaft. Rajaonarivelo sagte, daß jede Lösung Politiker, die nach 2002 exiliert wurden, einschließen muß.
Also muß der boay kely (kleiner Junge), wie Ravalomanana seinen Herausforderer Rajoelina zu nennen pflegte, weichen für die Profis der AREMA? Wenn Ratsiraka kommen sollte, dann muß er sofort verhaftet werden und in’s Gefängnis gebracht werden, alles andere wäre ein Armutszeugnis für die Madagassen. Man erinnere sich nur daran, daß er 2002 versucht hatte, Madagaskar in mehrere Staaten zu spalten. Mit Terroraktionen, wie dem Sprengen von Brücken, hat er versucht, die Provinz Antananarivo auszuhungern. Oder man betrachte die Ereignisse, als er am 10. August 1991 ein Blutbad hat anrichten lassen, als er befahl, auf die unbewaffneten Demonstranten zu schießen, die auf dem Weg zum Präsidentenpalast in Iavoloha waren.
Heute sagte Andry Rajoelina auf dem Platz des 13. Mai, daß er bereit sei, den Gipfel der Afrikanischen Union zu empfangen. Der Club der Diktatoren kommt zum boay kely? Das hat Madagaskar wahrlich noch gefehlt.
Der gerade gestürzte Diktator Marc Ravalomanana ist verschwunden, sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Im Palast von Iavoloha soll er sich nicht mehr aufhalten und die amerikanische Botschaft ließ verlauten, daß er nicht bei ihr sei. Was soll man da noch sagen? Eine Kr.. äh, was wollte ich jetzt eigentlich in die Tastatur hacken? Aus!

Die Ära Ravalomanana ist beendet – wird Rajoelina minderjähriger Nachfolger?

Ex-Diktator Marc Ravalomanana

Nachdem die abtrünnigen Militärs gestern Abend den alten Präsidentenpalast Ambohitsorohitra eingenommen hatten, ist Marc Ravalomanana heute zurückgetreten und hat die Regierung aufgelöst, nachdem er noch am Samstag gesagt hatte, er werde nie zurücktreten. Vielleicht auch im Hinblick auf die Ermordung des Präsidenten Joao Bernardo Vieira in Guinea Bissau hatte er jetzt vielleicht so viel Angst, selbst getötet zu werden, daß er die Möglichkeit, Schutz durch die amerikanische Botschaft gewährt zu bekommen, in Anspruch genommen hat. Es scheint offensichtlich, daß Frankreich wieder mehr Einfluß geltend machen will und wohl auch wird. Ravalomanana hat bestimmt, daß die Macht auf 4 bestimmte unter den dienstältesten Generälen übergehen soll. Andry Rajoelina hat aber eine Militärregierung abgelehnt und die abtrünnigen Militärs haben dann die entsprechenden Generäle in Gewahrsam genommen. Am Platz des 13. Mai herrschte bei der versammelten Menge ein Freudentaumel. Okay, der Diktator hat abgedankt. Aber was kommt jetzt? Eine gehörige Portion Skepsis ist angebracht, wenn man den Blick in die Zukunft von Madagaskar wagen will.

Die Madagassen in Antananarivo leben jetzt mit der Angst

Grab in Antananarivo

Nachdem am Sonntag ein Teil der Militärs sich von dem Machthaber Marc Ravalomanana losgesagt hatte, gab es am Montag ein gewisses Vakuum, welches von der armen Bevölkerung in der Nähe von Tanjombato genutzt wurde zum Plündern. Im Fernsehen konnte man am Abend vom Montag Szenen dieser Raubzüge sehen, die sich am hellichten Tag abspielten, ohne, daß irgend jemand versuchte, einzuschreiten. Es wurden Fernsehapparate, Matratzen, Scooter und alle sonstigen Waren aus den Läden des Smart Centers in Tanjombato, zum Teil auch mit Einkaufswagen, herausgetragen und gekarrt. Courts, wo es hauptsächlich Möbel im Angebot gibt, Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik, lud im Laden zum Zugreifen ein, wie auch die französische Supermarktkette Jumbo. Die Kamera folgte dem Menschenstrom auf die Straße, alle hatten es eilig, ihre geklauten Sachen möglichst schnell in Sicherheit zu bringen. Und in der Gegenrichtung kamen jene, die sich noch mehr beeilten, um nicht leer ausgehen zu müssen. Unglaubliche Szenen, aber Realität. Bilder danach.
In einem Interview wurde dann auch am Montag Abend von abtrünnigen Militärs berichtet, wobei einer der Sprecher meinte, daß mittlerweile bereits etwa 75% der Militärs sich für die Belange des Volkes entschieden hätten. In der Zeitung “La Verité
” steht in einem kleinen Artikel, daß in Mahanoro letzten Sonntag bei einer Demonstration ein Demonstrant erschossen wurde. Nachdem die Gendarmerie sich geweigert habe, auf die Leute zu schießen, habe der lokale Distriktchef der Polizei befohlen, die Waffen gegen die Leute einzusetzen. Nach mehreren Schüssen, um die Menge zu zerstreuen, sei ein Mann unter den Kugeln der Polizisten gefallen. Wütend habe die Menge dann den Wohnsitz dieses Repräsentanten der Regierung angegriffen und die offiziellen Autos in Brand gesetzt. Hochglücklich habe dieser Distriktchef rechtzeitig entkommen können. Dieser Bericht zeigt, warum es dazu kommen könnte, daß der verbliebene Rest hinter Marc Ravalomanana auch noch die Seite wechseln könnte, da die Angst vor solchen Repressionen überall groß sein dürfte – die Nachbarn wissen ja, wer Soldat, Polizist oder Gendarm ist. Da kommt hinzu, daß man heute dem von Ravalomanana ernannten PDS für den Posten des Bürgermeisters von Antananarivo, Guy Rivo Randrianarisoa, das Haus abgebrannt hat.

Nach Mittag wurde auf sobika.com berichtet, der Verteidigungsminister von Ravalomanana, der Vize-Admiral Mamy Ranaivoniarivo, sei zurückgetreten. Später wurde berichtet, bei Radio Mada (gehört Ravalomanana) habe er dementiert, zurückgetreten zu sein. Am Abend konnte man im Fernsehen ansehen, wie viele Uniformierte anwesend waren, als er in einem Geländewagen das Gelände des Verteidigungsministeriums verlassen wollte. Man hatte das Tor mit einem Vorhängeschloß versperrt und den Minister aufgefordert, erst seinen Rücktritt zu unterschreiebn, bevor er gehen könne. Keiner der Anwesenden mochte dem Minister helfen, das Tor zu öffnen. Dann berichtete sobika.com von 5 Toten bei Kämpfen zwischen Anhängern von TGV und TIM, von denen es im Fernsehen aber keine Erwähnung gab.

Auf alle Bewohner der Stadt wirkt sich die aktuelle Lage aus. Heute waren viele Läden geschlossen und auch ein Hotel hatte ein verschlossenes Gitter, das sonst vermutlich nur nachts geschlossen wird. An vielen Stellen gab es wieder Straßensperren in der Stadt. Auch die Kinder bekommen die Krise mit, ihre Konzentrationsfähigkeit nimmt ab, und beim Spielen kann man sehen, wie Ängste zum Vorschein kommen, die dann im Spiel eingebaut und verarbeitet werden. Man denke nur an die ganzen Kinder, die mit dem Giftgas in Berührung gekommen sind.

Der Diktator selbst hat heute in einer Ansprache im Sender TVM zugegeben, Fehler gemacht zu haben und daß er jetzt zuhören werde. Das zeigt an, wie weit er gesunken ist, die Arroganz scheint verflogen zu sein. Das Ende der Ära Ravalomanana und seiner Herrschaft scheint nahe.

Pierrot Rajaonarivelo äußert sich in der Zeitung “La Vérité” zu Marc Ravalomanana

Grab in Antananarivo

In der heutigen Ausgabe bringt die Zeitung “La Vérité” ein Interview mit dem ehemaligen Vize-Premierminister Pierrot Rajaonarivelo, der aktuell im Exil in Paris lebt und Nationaler Sekretär der Partei AREMA ist.
Aus dem Interview mit dem Titel “Kein Nebeneinander mit Ravalomanana”:
Wegen seiner Erziehung und seiner politischen Verantwortlichkeit, die er repräsentiere, leide er, nicht physisch an der Seite all der Leute sein zu können, die wagten, sich unter Gefährdung ihres Lebens zu erheben und dem teuflischen Regime von Ravalomanana zu begegnen. Man habe alle die Fotos der barbarischen Taten gesehen, welche dieses Individuum unsere Brüder, Schwestern und Verwandten derart erleiden lasse, daß man glauben könne, daß das madagassische Blut nicht durch seine eigenen Adern fließe. Er sei wirklich traurig für sein Land, welches von einem Mann regiert werde, der beschlossen habe, den Krieg gegen sein Volk zu führen, Gott und die Ahnen mögen über ihn richten. Er erweise Andry Rajoelina seine Ehrerbietung für seinen Mut und seine Bestimmtheit…

Die Partei AREMA wurde gegründet von Didier Ratsiraka, dem letzten teuflischen Diktator, der in Madagaskar auf sein Volk hat schießen lassen. Unter jenem Mörder war Rajaonarivelo also Vize-Premierminister. Warum mußte er in’s Exil fliehen? Was ist hier geplant? Soll er als großer Politiker zurückkehren nach Madagaskar? Wer steckt dahinter? Ratsiraka? Frankreich?

Zur Zeitung “La Vérité” wird in einigen Zeilen in einem Artikel des Madagaskarkenners “ed2murrow” im Zusammenhang mit einem gewissen Patrick Rajoelina referiert.

Madagaskar – Abtrünnige Militärs in Soanierana kontrollieren die Straße

In Soanierana, einem Stadtteil von Antananarivo, gibt es eine Kaserne, Camp CAPSAT, die auch Lager für Munition sein soll. Dort scheint die Mehrheit jetzt gegen eine weitere Gewaltausübung gegen die Bevölkerung zu sein. Man kontrolliert die in der Nähe liegende Kreuzung von Ankadimbahoaka, um sich selbst zu schützen, da man befürchtet, daß die dem Diktator Marc Ravalomanana treuen Truppenteile versuchen werden, die eingelagerte Munition in ihren Besitz zu bekommen. Laut Bericht auf der Seite http://assidu-madagascar.info soll die Präsidentengarde gestern noch versucht haben, eine solche Operation durchzuführen. Allerdings wurde in einer Erklärung vom Chef der Sicherheit für den Präsidenten im Fernsehsender TVM am Abend oft wiederholt, daß das nicht der Fall sei.
Bei einem der Herren aus dem Geländewagen soll es sich um einen Abgeordneten handeln.

Teile der Armee verweigern Ravalomanana die Gefolgschaft

In dieser Woche wurden verschiedene Stadtteile von Antananarivo Schauplatz kriegsähnlicher Szenen. Dabei wurden auch Teile der Zivilbevölkerung Opfer. Die ganze Stadt lebt jetzt mit der Angst. Die Bewohner in den den betroffenen Gebieten sind alle Opfer dieser Gewalt, die sich auf der Straße entladen hat. Unbeteiligte Passanten wurden geschlagen, verhaftet und sogar getötet. Wenn Leute in Gruppen auf der Straße unterwegs waren, wurden sie leicht zu Opfern der “Ordnungskräfte”, die grundlos auf die Leute eingeschlagen haben. Besonders hatte man es auf jene abgesehen, die zu den Ärmsten der Armen zählen, die man daran erkennt, daß sie barfuß laufen. Hinzu kommt, daß auch Schüler Opfer auf beiden Seiten der Konfliktparteien geworden sind. Das Kinderkrankenhaus in Tsaralalana soll voll sein, weil viele Kinder mit dem Tränengas in Berührung gekommen sind. All das sind Auswüchse einer Krise, die man verurteilen muß.
Heute kam es in der Folge dieser Gewaltexplosion dazu, daß Teile der Armee sich von dieser Gewalt gegen die Bevölkerung losgesagt haben. Im Radiosender Ny Antsiva wurde das berichtet und Minuten später wurde der Sender gestört, so, daß man dem Programm nicht mehr folgen konnte. Soldaten sollen laut einem ersten Bericht bei BBC gesagt haben, daß sie sich dem Kommando des Oppositionsführers Andry Rajoelison unterstellen wollen. Auf einem anderen Blog, topmada.com, wird berichtet, daß die Präsidentengarde die abtrünnige Kaserne angegriffen habe, um Waffen sicherzustellen, wobei 10 Mitglieder der Präsidentengarde gefangen worden sein sollen.
Sollte nicht die Mehrheit der Militärs dem Diktator den Befehl verweigern, so könnte es bei falscher Reaktion der Beteiligten schnell zu einem echten Bürgerkrieg führen. Es ist zu hoffen, daß auf beiden Seiten mit Besonnenheit reagiert wird.
Es fällt auf, daß Marc Ravalomanana in der letzten Zeit, wenn er öffentlich aufgeteten ist, fast immer eine knallrote Krawatte getragen hat. Was hat das zu bedeuten?

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