Madagaskar-Blog

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Tag: Marc Ravalomanana

Marc Ravalomanana – Eine Schande für Madagaskar

Diktator Marc Ravalomanana

Im Fernsehen gab es gestern, am Donnerstag Abend, wieder kriegsähnliche Szenen aus der Innenstadt von Antananarivo zu sehen. Der Sender TV-Plus, der noch am Mittwoch ausführlich die Söldner gezeigt hatte, war nicht mehr auf Sendung, sondern sendete ein Standbild mit dem Hinweis auf Technische Probleme. Das technische Problem, ist zu vermuten, bestand darin, daß man zu viel gebracht hatte – man hatte nämlich auch eine telefonische Ansprache von Andry Rajoelina gesendet. Bilder der Söldner sind unter anderem bei madagate.com zu sehen.

Zivilisten, die nichts mit den Demonstrationen zu tun haben, werden terrorisiert – oder eben auch einfach erschossen, wie das vorgestern mit dem jungen Mann in Isotry der Fall war, der als Straßenverkäufer seiner Arbeit nachging. Verkäufer auf der Straße werden wie Verbrecher behandelt, auch Frauen. Sogar in Schulen werden die Schüler terrorisiert. Beide Seiten sind an solchen Untaten beteiligt. Heute haben Demonstranten, Anhänger von Andry Rajoelina, die Schüler des Lycée Français am Verlassen der Schule gehindert, da sie es auf vermutete Kinder von Regierungspolitikern abgesehen haben sollen. Solche Zustände hat es in Madagaskar noch nie gegeben. Ein Diktator will, einmal mehr, mit aller Gewalt an der Macht kleben bleiben, um wie ein kleiner Junge im Sandkasten ein Spielzeug (Gipfel der AU) zu erringen. Dieser Junge will alles mit Geld regeln. Die Soldaten bekommen Prämien. Die Minister bekommen Prämien, es werden überall Prämien gezahlt. Keiner wagt es, ihm zu widersprechen, alle kuschen sie vor ihm, da sie Angst vor seiner Boshaftigkeit und seiner Macht haben. Die Ärmsten der Armen können kaum ablehnen, wenn ihnen Geld geboten wird, das sie wieder für ein, zwei Wochen in die Lage versetzt, den Reis für die Familie zu kaufen. Was der Junge aber nicht kaufen kann, das ist Liebe, Sympathie. Das sollte er eigentlich wissen, als 2. Vorsitzender der protestantischen Kirche FJKM. Es ist ein Hohn, daß jemand, der auf sein unbewaffnetes Volk schießen läßt, ein solches Amt in einer christlichen Kirche weiter behalten kann. Die Gemeinden sollten aus der FJKM austreten und eine neue Dachorganisation gründen. Dann wären die beiden Vorsitzenden die einzigen Mitglieder.
Was sagte Ravalomanana 2002 am Platz des 13. Mai? Wenn 200 Demonstranten dort am Platz des 13. Mai gegen ihn demonstrieren würden, dann würde er gehen. Das hätten die Leute seinerzeit sofort als gültigen Vertrag, notariell beglaubigt, einfordern sollen. Und sie sollten es auch jetzt tun mit dem kommenden Nachfolger, egal wer da kommen möge, ob das nun ein Andry Rajoelina ist (was immer unwahrscheinlicher wird, da auch ihm die Verantwortung für die Krise vorgeworfen wird), ein Monja Roindefo oder wer auch immer.
Jetzt schon muß den Leuten klar werden, daß sie aktiv weiter Forderungen stellen müssen, die verhindern, daß in ein paar Jahren wieder die gleiche Situation herrschen könnte. Der Kampf zur Erreichung der Ziele darf erst dann beendet sein, wenn solche vorgesehenen Auswege einer Krise in der Verfassung stehen. Aus der Geschichte muß man doch lernen können.

Söldner am Platz des 13. Mai in Analakely – Ultimatum der AU an Ravalomanana

Grab in Antananarivo

Im Fernsehen wurden heute wieder kriegsähnliche Bilder aus den an Analakely angrenzenden Stadtteilen gezeigt. Vom Markt Petite Vitesse in Tsaralalana wurden alle Anwesenden, inklusive der Marktfrauen, mit Waffengewalt vertrieben. In Isotry wurde ein Mann erschossen, dessen Leiche im Fernsehen gezeigt wurde, und es soll noch einen weiteren Toten gegeben haben. Analakely selbst war von miltitärisch ausgerüsteten Truppen abgeriegelt. Direkt am Platz des 13. Mai wurden 6 Weiße Männer gezeigt, die dort mit den madagassischen Truppen zusammenstanden und die dann in eines der madagassischen Fahrzeuge eingestiegen sind. Sie hatten militärisch kurz geschnittene Haare, waren aber in ziviler Kleidung. Ganz Analakely ist abgeriegelt und Vazaha-Söldner sind am Platz des 13. Mai. Man konnte den Eindruck gewinnen, als würden die Männer den Ort inspizieren. Für einen späteren Einsatz dort? Auf sobika.com ist von Südafrikanern die Rede. Außerdem wird dort berichtet, daß die Afrikanische Union ein Ultimatum an Marc Ravalomanana gerichtet habe. Wenn nicht innerhalb von 15 Tagen wieder normale Verhältnisse hergestellt würden, dann werde das Gipfeltreffen nicht in Madagaskar stattfinden.
Die Radiosender Viva und Ny Antsiva sind großenteils nicht zu empfangen, werden anscheinend gestört, wie auch Viva TV schon seit Tagen.
Was wird Ravalomanana jetzt tun, sollte die Sache mit dem Ultimatum keine Fehlinformation sein? Alle Demonstranten erschießen, damit Ruhe einkehrt? Also das erscheint wenig praktikabel. Andererseits ist kaum anzunehmen, daß die Demonstrationen jetzt plötzlich aufhören werden, damit der Gipfel in Madagaskar stattfinden kann. Eher im Gegenteil, das wird Ansporn sein, alles zu tun, damit der Gipfel nicht kommt. Also wird Ravalomanana sich daran gewöhnen müssen, daß man ihm seinen Gipfel entziehen wird, er wird ihn begraben müssen. Aber was kommt dann? Setzt er sich dann in die Boeing?

Haben die Franzosen etwas mit der Krise in Madagaskar zu tun?

Botschaft von Frankreich in Antananarivo

Wer weiß das schon? Diejenigen, die beteiligt sind, halten lieber den Mund. Aber es gibt Dinge, die dennoch Anlaß geben, Fragen zu stellen. Schon im Blog planet.vaovaoweb.de gab es im letzten Jahr einen Hinweis, allerdings wurde dort noch die Vorgehensweise von Ravalomanana eher belächelt. Einem Madagaskarkenner, der unter dem Pseudonym “ed2murrow” schreibt, war das jetzt schon etwas verdächtiger: Gildas Le Lidec, der französischer Botschafter in Madagaskar war, wurde nach 5 Monaten im Juli 2008 zur „persona non grata“ erklärt und mußte daraufhin ausreisen. Das Büro des Präsidenten Marc Ravalomanana hatte 12 Gesuche zu einer Audienz zurückgewiesen. Unter normalen Umständen erscheint ein solches Vorgehen doch recht ungewöhnlich. Aber lesen wir weiter: Dieser Gildas Le Lidec war Botschafter in Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo, als 2001 die Leibwache den Machthaber Laurent-Désiré Kabila ermordete. Von 2002 bis 2005 war er Botschafter von Frankreich in Abidjan in der Elfenbeinküste, wo gegen den Präsidenten Laurent Koudou Gbagbo mehrfach versucht wurde, zu Putschen, was Anlaß zur Einmischung einer französischen Eingreiftruppe bot. Sollte das purer Zufall sein? Wenn man sich die kriminellen Machenschaften der Geheimdienste betrachtet, die manchmal – vermutlich als Spitze eines Eisbergs – an’s Tageslicht kommen, dann fällt einem dieser Glaube doch schwer. Man denke nur an die Versenkung des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior im Hafen von Auckland durch den französischen Geheimdienst am 10. Juli 1985. Staatsterrorismus par excellence.
Jetzt fragen wir weiter: Wer hat die ganzen Aufbrecher und die Plünderer bei den jüngsten Unruhen in ganz Madagaskar, besonders aber in Antananarivo, bezahlt? Wem nutzt die Zerstörung so vieler Güter am Meisten? Hat es da jemand geschickt verstanden, den Volkszorn in die gewünschte Richtung zu entfesseln? Wir erinnern uns beiläufig daran, daß Frankreich noch immer der größte Handelspartner von Madagaskar ist.
Ein Punkt, der im Artikel des “ed2murrow” auch angeschnitten wird, ist, daß Marc Ravalomanana während seiner Amtszeit eine Abkehr von den Franzosen einleitete und lieber Geschäfte mit zum Beispiel Amerikanern, Deutschen oder Südafrikanern machte. Das dürfte den Franzosen natürlich überhaupt nicht gefallen haben, denn für ihre ehemaligen Kolonien fühlen sie sich in besonderer Weise zuständig. Da wird mit allen Mitteln hinter den Kulissen gearbeitet. Und nun bringen wir den ehemaligen Präsidenten von Madagaskar, Didier Ratsiraka, auch noch in’s Spiel, der ja ein guter Freund des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac ist und die Verhältnisse in Madagaskar daher sehr gut kennt. Und zum Schluß stellt sich die Frage: Welches Spiel spielt Andry Rajoelina? Spielt er insgeheim vielleicht eine andere Rolle, als die, die er seinen Anhängern darstellt?
Wie dem auch sei, eines muß man immer wieder feststellen: Das Madagassische Volk leidet unter all diesen Machtspielen. Man dreht sich im Kreis, es gibt keinen wirklichen Fortschritt und Madagaskar bleibt am Ende der Liste der reichsten Länder, während sich die Machthaber die Taschen vollstopfen und gut und gerne in der Forbes-Liste der reichsten Menschen auftauchen könnten, wenn sie ihren Reichtum nicht so gut verstecken würden. Welch ein Kontrast!

In Madagaskar konzentriert ein Mann die ganze Macht auf sich allein

Ausgebranntes Auditorium Ankorondrano

Niemals in der jüngeren Geschichte dieses Landes, und das ohne Zweifel, hat ein Mann in solch brutaler Weise und ohne zu teilen, die Macht so auf den Punkt konzentriert. Er hat die politische Macht mit seinem Amt verknüpft – aber auch die wirtschaftliche Macht, verknüpft mit seinen eigenen Interessen, die zu jenen des Staates geworden sind.

Niemals in der jüngeren Geschichte dieses Landes und insbesondere seit dem Erscheinen der Demokratie zu Beginn der neunziger Jahre, sind die fundamentalen Freiheiten derart zurückgegangen, bis zu dem Punkt, daß man sich fragen kann, ob sie weiterbestehen, oder ob sie gewidmet sind, unter den Anschlägen der Regierung Marc Ravalomanana zu verschwinden.

Wir haben den PSD-Staat gesehen… und 1972 ist gekommen!
Wir haben den Arema-Staat gesehen… und 1991 und 2002 sind gekommen!
Wir leben heute unter dem Staat TIKO-TIM, und einmal mehr müssen wir uns erheben!

In einem Diskussionsbeitrag bei sobika.com war der oben übersetzte Text zu finden. Nach dem Gugeln ist die Originalquelle ein Beitrag im Blog von madagate.com vom 12. Januar 2009.

Kriegsähnliche Zustände in Antananarivo

Zerstörtes Einkaufszentrum Zoom Ankorondrano

Gestern noch versetzte Marc Ravalomanana alle beteiligten Parteien bei der geplanten Vermittlungsrunde der Konfliktparteien. Andry Rajoelina hatte danach erklärt, daß er nicht mehr an diesem Treffen teilnehmen werde. Und heute versammelt sich Ravalomanana mit dem Minister für Wirtschaft, Industrie und Handel und dem Präsidenten der Nationalversammlung, Jacques Sylla, wieder am Ort der Treffen der Vortage, dem Le Hintsy in Ambohimanambola. Zu dem Treffen hatte man den Sondergesandten der Vereinten Nationen, Haile Menkerios, eingeladen, wohl wissend, daß Rajoelina am Vortag gesagt hatte, nicht mehr an diesen Verhandlungen teilzunehmen. Rajoelina erklärte zudem noch am Abend, daß er gar keine Kenntnis von dem Treffen gehabt habe. Eine reine Medienveranstaltung also.
Zur gleichen Zeit werden Demonstranten von einem massiven Aufgebot an Ordnungskräften aus Mahamasina verjagt. Die Auseinandersetzungen gehen bis zum Einbruch der Dunkelheit, wo die Demonstranten nach Anosibe verfolgt werden. Wenn man die Bilder im Fernsehen sieht, dann fühlt man sich unweigerlich an Krieg erinnert. Alles ist eingenebelt, es wird geschossen (eventuell mit Gummigeschossen). Tränengasgranaten werden abgefeuert.

Es wird bitter Ernst! – Geht jetzt das Licht aus in Madagaskar?

Ausgebrannte Halle von Magro, Ankorondrano

Die Beschäftigten der JIRAMA (Jiro sy Rano Malagasy – Madagassische Strom und Wasser) wollen ab morgen streiken, um damit zu Erreichen, daß der deutsche Chef der Firma geht.
Das für heute festgesetzte Treffen zwischen Marc Ravalomanana und Andry Rajoelina kam nicht zustande. Das Treffen sollte ursprünglich um 13 Uhr stattfinden. Da Ravalomanana zu der Zeit in Tamatave weilte, habe er auf eine Verschiebung auf 15 Uhr gedrängt. Anstatt aber zu dem Treffen zu kommen, sei er nach Majunga geflogen. Damit ist auch vom vermittelnden Kirchenrat Odon Razanakololona eingeräumt worden, daß die Verhandlungen gescheitert sind und er sich von den Vermittlungsbemühungen zurückzieht. Dieses Tor hat sich also geschlossen, man kann auf düstere Aussichten blicken.
Im Radiosender Ny Antsiva wurden Interviews mit Militärangehörigen gesendet, in denen die gestrige Ankunft dubioser Kisten auf dem Flughafen Ivato bezeugt wurde, die unter hohem militärischem Einsatz und im Schutze der Dunkelheit dort in Empfang genommen worden seien. Es könne sich auch um Waffen handeln. Vorgestern habe man auf der RN2 zwischen Antananarivo und Tamatave 5 von einem großen Militäraufgebot bebgleitete (vermutlich) Tieflader gesichtet, die mit Planen zugedeckte Objekte transportiert hätten. Es könne sich dabei möglicherweise um Panzer gehandelt haben.
Ein weiterer Interviewter sei ein Soldat gewesen, der ausgesagt habe, daß er bei der Aktion der Rückeroberung der 4 Ministerien am Freitag letzter Woche dabei gewesen sei. Er habe bestätigt, daß es Tote gegeben habe.
Mit Bangen kann man jetzt in die Zukunft blicken.

Marc Ravalomanana – und wieder: Der Gipfel der Afrikanischen Union

Hotelrohbau für den Gipfel der Afrikanischen Union, Ankorondrano

Gestern kam es zu einem zweiten Treffen zwischen Marc Ravalomanana und Andry Rajoelina. Im Fernsehen berichtete Rajoelina, daß er Fragen an Ravalomanana gerichtet habe, dieser aber habe gar nicht richtig zugehört und dann vom Gipfel der Afrikanischen Union und dem MAP (Madagascar Action Plan) geredet. Ständig habe er auf seine Uhr gesehen, um schließlich zu sagen, er habe einen Termin und sich zu verabschieden.
Rajoelina gab am Abend seine Forderungen bekannt: Die sofortige Freilassung des Jean Théodore Ranjivason, der ehemaliger Minister unter Ravalomanana ist und der am 20. 2. 2009 vor seinem Haus von maskierten Männern entführt wurde, um ins Gefängnis Tsiafahy gebracht zu werden. Freie Meinungsäußerung und freier Zugang zu den öffentlichen Medien, besonders RNM und TVM. Rücktritt der Minister der Regierung von Ravalomanana. Abberufung des PdS Guy Rivo Randrianarisoa auf seinem Bürgermeisterposten. Bezüglich der Treffen mit Ravalomanana habe Rajoelina angekündigt, daß, wenn keine Fortschritte erzielt würden, noch diese Woche wieder die Versammlungen am Platz des 13. Mai aufgenommen werden.
Vom Treffen zwischen Marc Ravalomanana und Andry Rajoelina am heutigen Dienstag ist bisher keine Information durchgesickert. Es hat Ravalomanana anscheinend nicht gefallen, daß die ganze Welt über sein unmögliches Verhalten informiert wurde. Es geht um die Zukunft von Madagaskar und er hat vor allem im Kopf, daß er irgendwo hin muß und den Gipfel der Afrikanischen Union, der dem Volk überhaupt nichts bringt. Man kann also den Eindruck gewinnen, daß Ravalomanana es irgendwie schaffen will, bis Juli an der Macht zu bleiben, um diesen Gipfel zu empfangen.

Kein Marsch nach Iavoloha, sondern Treffen zwischen Ravalomanana und Rajoelina!

Ausgebrannte Halle von Magro, Ankorondrano

Der an diesem Tag von Andry Rajoelina vorgesehene Marsch ist ausgefallen, da es um 13:00 Uhr zu einem Treffen zwischen ihm und Marc Ravalomanana kam. Rajoelina schickte die Leute vom Platz des 13. Mai also wieder nach Hause. Viele der Leute, die gekommen waren, blieben aber dort und harrten bis zum Einbruch der Dukelheit aus.
Am Abend um 20:00 Uhr wurde dann im Fernsehen von Viva TV ein Interview mit Rajoelina übertragen, in welchem er sagte, daß man sich am Montag wieder treffen werde. Für die Zwischenzeit sei vereinbart worden, daß:
  • jede Form der Provokation, Verleumdung und Verbreitung falscher Nachrichten über die Medien zu stoppen sei,
  • mit allen Plünderungen und jedem Vandalismus aufzuhören sei,
  • alle Demonstrationen auf den Straßen zu stoppen seien,
  • damit aufgehört werde, politisch bedingte Festnahmen und Verfolgungen auszuführen.

Um 21:45 Uhr wurde eine Ansprache von Marc Ravalomanana im Fernsehen beim Sender TVA übertragen, in der ein etwas müde und unsicher wirkender Mann sagte, er freue sich darüber, daß man zum Gespräch gefunden habe.
So war man das aber nicht gewohnt. Der starke Mann zeigt Schwäche. Jetzt darf man gespannt sein, wie die Verhandlungen am Montag weitergehen werden.

Ravalomanana hat nur eine Sorge: Den Gipfel der Afrikanischen Union

Demo 7. 2. 2009 Platz des 13. Mai

Zum Blutbad vom Samstag ist anzumerken, daß die Demonstranten friedlich und wehrlos waren. Es sah auch nicht so aus, als wollte die Menge versuchen, den noch etwa 20m entfernten Zaun des Staatspalastes Ambohitsorohitra zu erreichen. Wäre die Menge bis zum Zaun gelangt, wäre es ihr aber wohl kaum gelungen, auf das Innengelände vom Präsidentenpalast zu gelangen, da der Zaun ein massives Eisengitter ist. Es bestand also eigentlich keine wirkliche Gefahr für den Staatspalast. Es wurde dann ohne Vorwarnung in die Menge geschossen. Selbst als erste Helfer versuchten, die zurückgebliebenen Schwerverletzten zu bergen, wurde erneut geschossen.
Ein befragter Armeegeneral soll heute in einem Radiointerview gesagt haben, daß man die Demonstranten zuerst mit einem Megaphon hätte warnen müssen. Dann hätte eine zweite Warnung folgen müssen und als letzte Warnung hätte man in die Luft schießen müssen. Das wäre die normale Vorgehensweise.
Was man hier getan hat, ist nichts anderes, als heimtückischer Mord. Die Beteiligten der Befehlskette sollten sich dafür vor Gericht verantworten müssen, wie der UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon meinte.

Marc Ravalomanana hat am Sonntag im Fernsehen in einer Ansprache ausführlich über den Gipfel der Afrikanischen Union im Juli philosophiert, der in Ivato stattfinden soll. Das scheint seine einzige Sorge, denn er spricht immer wieder davon. Dafür geht er über Leichen. Er will es auskosten, die Staatschefs der afrikanischen Staaten in Madagaskar zu empfangen. Das wird aber immer zweifelhafter, wenn man sich den Lauf der Dinge betrachtet. Heute wurde der erste Rücktritt aus seinem Kabinett bekannt, die Verteidigungsministerin Cécile Manorohanta hat ihr Amt niedergelegt.

Marc Ravalomanana zeigt seine wahre Fratze: Blutbad in Antaninarenina

Schöne Blüte vor einer Granitmauer

Dieser 7. Februar ist wieder ein rabenschwarzer Tag, den Ravalomanana der Geschichte Madagaskars hinzugefügt hat. In seinem Flugzeug, das dem Volk gehört, soll er in Majunga gewesen sein, während er in Tana auf sein Volk schießen läßt. Ein ähnliches Bild, wie während der schlimmen Plünderungen in der vergangenen Woche, als Ravalomanana sich auch in seiner Boeing nach Morondava abgesetzt hatte.
Vor dem Präsidentenpalast Ambohitsorohitra in der Oberstadt Antaninarenina haben sich die Demonstranten versammelt, geführt von Monja Roindefo, der von Andry Rajoelina zum Premierminister ernannt wurde. In einem Fernsehbericht waren Gewehrsalven von Automatikwaffen zu hören, es wurde direkt in die Menge geschossen. Die schwer Getroffenen bleiben liegen, alle suchen Deckung. Mit 50 Toten ist mindestens zu rechnen. Die Zahl der Verletzten dürfte bei über 300 liegen. Ein Journalist der französischen RFI soll unter den Toten sein, wie im Radio verbreitet wurde. Damit würde, sollte sich das bestätigen, das Gemetzel gleich eine internationale Dimension bekommen haben.
Der amerikanische Botschafter in Antananarivo, Niels Marquardt, hat am Vortag in 2 Radiointerviews mit BBC und RFI die Regierungsführung von Marc Ravalomanana kritisiert, indem er meinte, der Zeitpunkt für eine bessere Regierungsführung sei gekommen und daß wenig Aussicht auf Finanzhilfen für Madagaskar bestünde, solange die wirtschaftliche und die politische Lage nicht geregelt sei. Außerdem habe er gesagt, daß man private und staatliche Interessen nicht zu sehr vermischen solle. Ravalomanana antwortet an diesem Tag mit einem Massaker. Die Ära Ravalomanana neigt sich mit großen Schritten ihrem Ende entgegen, wie es scheint.
In den Medien ist überwiegend Trauermusik zu hören. Andry Rajoelina gibt weinend ein Interview am Telefon.

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