Madagaskar-Blog

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Tag: Monja Roindefo

Wer steckt hinter dem Terrorismus und den Morden in Antananarivo, wer sind die Hintermänner?

Andry Rajoelina

Letzte Woche wurden wieder einige Menschen erschossen. Einer unbeteiligten Buchverkäuferin hat man das Gehirn aus dem Kopf geschossen. Auf der Straße konnte man das zweifelhafte Recht genießen, sich jederzeit erschießen zu lassen. In Pickups oder teuren Geländewagen sind Terroristen in zivil durch die Straßen gefahren und haben auf Passanten geschossen. Freiheiten wurden eingeschränkt. Radiosender wurden geschlossen, Journalisten wurden bedroht.

Wenn das öffentliche Morden so noch einige Zeit weiter geht, wird es schnell zu einem Bürgerkrieg ausarten. Mit Guerilla-Taktiken wird man dann auf die Gewalt vermutlich antworten.

Dann besitzt der HAT-Verteidigungsminister, Colonel Noël Rakotonandrasana, noch die Unverfrorenheit, zu behaupten, man habe nicht in die Menge geschossen? Das Video bei topmada.com beweist das Gegenteil. Wer sensibel ist, sollte sich das nicht ansehen, denn es wird der Kopf der Buchverkäuferin Haja gezeigt und die Leiche eines Mannes, dem es einen Teil des Arms herausgefetzt hat. Solche Wunden gibt es bei normaler Munition wohl kaum. Es darf vermutet werden, daß Dum-Dum-Geschosse verwendet wurden. “Die militärische Nutzung von solchen Geschossen ist bis heute geächtet und gilt als Kriegsverbrechen.

Die Übergangsregierung HAT (Haute Autorité de Transition) hatte eine Rückkehr der Exilierten AREMA-Schergen vor dem 26. Juni verboten und Monja Roindefo wollte es noch hinauszögern, aber Pierrot Rajaonarivelo ist trotzdem inzwischen in Madagaskar angekommen, frei und unbehelligt.

Andry Rajoelina scheint schon gar nicht mehr der starke Mann zu sein, wenn man die Medienpräsenz betrachtet. Da führt eher Monja Roindefo. Und wer jetzt wirklich die Macht innehat, das ist für Außenstehende nicht zu durchblicken. Wenn in zivil gekleidete Männer in Pickups oder Geländewagen durch die Straßen fahren und Jagd auf Menschen machen, ohne, daß sich jemand der sogenannten Machthaber darüber äußert, dann ist das entweder ein Zeichen der Schwäche der Regierung oder eben dafür, daß die Militärs das Zepter in der Hand haben. Man sollte hier die CAPSAT-Meuterer als die Verdächtigen betrachten.

Da paß gut der Bericht von topmada.com ins Bild, daß Soldaten jetzt beim Supermarkt Jumbo einkaufen gehen. Mit Kampfuniform und geschulterter Kalaschnikow. Also scheinen sie jetzt sehr viel mehr Geld zu haben, als vorher. Warum wohl?

Aber angeblich soll es jetzt eine Einladung der UN für Andry Rajoelina vom 1. bis 3. Juni nach New York geben, um an einer Konferenz zur Weltwirschaftskrise teilzunehmen. Das kommt doch irgendwie einer offiziellen Anerkennung gleich. Eine erste schüchterne, aber internationale Anerkennung also. Wenn man Frankreich als Unterstützer des Umsturzes vermutet, dann ist eine solche Anerkennung nur logisch. Wird sich das ausweiten? Wird das Regime um Andry Rajoelina bald auch von einzelnen Staaten anerkannt werden?

Daß das ganze Chaos gewollt ist, das erscheint naheliegend. Madagaskar ist reich an Rohstoffen und die sollen vermutlich möglichst billig ausgebeutet werden. Erdöl scheint man ja viel gefunden zu haben. Man betrachte sich die Geschichte einiger Länder in Afrika. Man betrachte sich dabei Kongo Kinshasa, das ehemalige Zaire, wo in den letzten Jahren ungezählte Menschen Opfer der internationalen Interessen und der Korruption geworden sind. Es sollen schon über 5 Millionen Tote zu beklagen sein. Und das ist eigentlich überhaupt nicht bekannt, kaum jemand weiß um die wahren Hintergründe.

Marc Ravalomanana – Eine Schande für Madagaskar

Diktator Marc Ravalomanana

Im Fernsehen gab es gestern, am Donnerstag Abend, wieder kriegsähnliche Szenen aus der Innenstadt von Antananarivo zu sehen. Der Sender TV-Plus, der noch am Mittwoch ausführlich die Söldner gezeigt hatte, war nicht mehr auf Sendung, sondern sendete ein Standbild mit dem Hinweis auf Technische Probleme. Das technische Problem, ist zu vermuten, bestand darin, daß man zu viel gebracht hatte – man hatte nämlich auch eine telefonische Ansprache von Andry Rajoelina gesendet. Bilder der Söldner sind unter anderem bei madagate.com zu sehen.

Zivilisten, die nichts mit den Demonstrationen zu tun haben, werden terrorisiert – oder eben auch einfach erschossen, wie das vorgestern mit dem jungen Mann in Isotry der Fall war, der als Straßenverkäufer seiner Arbeit nachging. Verkäufer auf der Straße werden wie Verbrecher behandelt, auch Frauen. Sogar in Schulen werden die Schüler terrorisiert. Beide Seiten sind an solchen Untaten beteiligt. Heute haben Demonstranten, Anhänger von Andry Rajoelina, die Schüler des Lycée Français am Verlassen der Schule gehindert, da sie es auf vermutete Kinder von Regierungspolitikern abgesehen haben sollen. Solche Zustände hat es in Madagaskar noch nie gegeben. Ein Diktator will, einmal mehr, mit aller Gewalt an der Macht kleben bleiben, um wie ein kleiner Junge im Sandkasten ein Spielzeug (Gipfel der AU) zu erringen. Dieser Junge will alles mit Geld regeln. Die Soldaten bekommen Prämien. Die Minister bekommen Prämien, es werden überall Prämien gezahlt. Keiner wagt es, ihm zu widersprechen, alle kuschen sie vor ihm, da sie Angst vor seiner Boshaftigkeit und seiner Macht haben. Die Ärmsten der Armen können kaum ablehnen, wenn ihnen Geld geboten wird, das sie wieder für ein, zwei Wochen in die Lage versetzt, den Reis für die Familie zu kaufen. Was der Junge aber nicht kaufen kann, das ist Liebe, Sympathie. Das sollte er eigentlich wissen, als 2. Vorsitzender der protestantischen Kirche FJKM. Es ist ein Hohn, daß jemand, der auf sein unbewaffnetes Volk schießen läßt, ein solches Amt in einer christlichen Kirche weiter behalten kann. Die Gemeinden sollten aus der FJKM austreten und eine neue Dachorganisation gründen. Dann wären die beiden Vorsitzenden die einzigen Mitglieder.
Was sagte Ravalomanana 2002 am Platz des 13. Mai? Wenn 200 Demonstranten dort am Platz des 13. Mai gegen ihn demonstrieren würden, dann würde er gehen. Das hätten die Leute seinerzeit sofort als gültigen Vertrag, notariell beglaubigt, einfordern sollen. Und sie sollten es auch jetzt tun mit dem kommenden Nachfolger, egal wer da kommen möge, ob das nun ein Andry Rajoelina ist (was immer unwahrscheinlicher wird, da auch ihm die Verantwortung für die Krise vorgeworfen wird), ein Monja Roindefo oder wer auch immer.
Jetzt schon muß den Leuten klar werden, daß sie aktiv weiter Forderungen stellen müssen, die verhindern, daß in ein paar Jahren wieder die gleiche Situation herrschen könnte. Der Kampf zur Erreichung der Ziele darf erst dann beendet sein, wenn solche vorgesehenen Auswege einer Krise in der Verfassung stehen. Aus der Geschichte muß man doch lernen können.

Ministerien zurückerobert. Und was wird morgen geschehen?

Ausgebranntes Gebäude von Courts, Ankorondrano

Die am Donnerstag von den Anhängern von Andry Rajoelina und Monja Roindefo besetzten Ministerien sind in der Nacht von Militärkräften zurückerobert worden. Dabei soll es laut Berichten eines Redners auf dem Platz des 13. Mai 8 Tote gegeben haben. In einer Erklärung der Gendarmerie Nationale teilt diese mit, daß es keine Toten gegeben hat und es wird betont, daß man keine Leichen versteckt. Man ruft zur Vorsicht vor Falschinformationen auf, die derzeit im Land verbreitet werden. Andry Rajoelina rief heute, am 19. 2. 2009, dazu auf, morgen zahlreich zu kommen, er werde den Marsch anführen und er werde sein Leben für Madagaskar geben, wenn es sein müsse. In seinem Fernsehsender Viva TV hat er seine Anhänger später dazu aufgefordert, zu Essen und Trinken mitzunehmen. Wohin der Marsch gehen wird hat er zwar nicht angekündigt, aber der Logik nach dürfte es sich dabei, wie am 10. August 1991, als Didier Ratsiraka ein Blutbad anrichten ließ, um den Regierungspalast in Iavoloha handeln, der etwa 11 km Luftlinie vom Platz des 13. Mai entfernt liegt.
All jenen, die daran glauben, ist empfohlen, für einen friedlichen Ausgang zu beten.

Die Protestbewegung erobert 4 Ministerien in Madagaskar

Demonstranten

Andry Rajoelina und Monja Roindefo von der selbsternannten Transitionsregierung hatten am Montag den ersten Versuch gestartet, Ministerien mit den ernannten Ministern zu übernehmen. Das klappte allerdings nicht, da Straßen von Ordnungskräften gesperrt waren und auch die Gebäude der Ministerien waren von stark bewaffneten Einheiten bewacht. Auch am Dienstag und am Mittwoch blieben solche Versuche mit Unterstüzung von ungezählten Protestlern ohne Erfolg. Am Rande dieser Ereignisse kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Mob und Polizisten, wobei es mehrere Schwerverletzte gegeben haben soll, vor allem sollen mehrere Polizisten durch Steinwürfe am Kopf getroffen worden sein.
Heute haben sich dann die Frauen der Ordnungskräfte in die erste Reihe begeben, um die Protestbewegung zu unterstützen und um dadurch ein Schießen in die Menge zu verhindern. So hat man letztlich trotz eines großen Aufgebots von Polizisten, Gendarmerie und Militär das Ministerium für Innere Sicherheit, das Erziehungsinisterium, das Innenministerium sowie das Ministerium für Dezentralisierung und Raumplanung besetzen können, nachdem man die verschlossenen Tore und Türen geknackt und aufgebrochen hatte.
Über Marc Ravalomanana hat man im Radio verbreitet, daß er gemeint haben soll, wenn das Flugzeug das Problem sei, man es verkaufen könne. Sollte das stimmen, dann zeigt das, daß er seine Felle davonschwimmen sieht. Denn zu Zugeständnissen wäre er nie bereit gewesen, wenn er sich nicht dazu gezwungen sehen würde. Andry Rajoelina hat nach zwischenzeitlichen Verhandlungen seine Position wieder geändert und bekräftigt, daß man nicht mehr verhandeln werde. Ravalomanana hat heute einen neuen Innenminister ernannt, was als ein weiteres Indiz für einen inneren Zerfall seiner Regierung gewertet werden kann. Die Chancen für einen Gipfel der Afrikanischen Union unter Ravalomanana’s Leitung scheinen also kontinuierlich zu sinken.

Marc Ravalomanana zeigt seine wahre Fratze: Blutbad in Antaninarenina

Schöne Blüte vor einer Granitmauer

Dieser 7. Februar ist wieder ein rabenschwarzer Tag, den Ravalomanana der Geschichte Madagaskars hinzugefügt hat. In seinem Flugzeug, das dem Volk gehört, soll er in Majunga gewesen sein, während er in Tana auf sein Volk schießen läßt. Ein ähnliches Bild, wie während der schlimmen Plünderungen in der vergangenen Woche, als Ravalomanana sich auch in seiner Boeing nach Morondava abgesetzt hatte.
Vor dem Präsidentenpalast Ambohitsorohitra in der Oberstadt Antaninarenina haben sich die Demonstranten versammelt, geführt von Monja Roindefo, der von Andry Rajoelina zum Premierminister ernannt wurde. In einem Fernsehbericht waren Gewehrsalven von Automatikwaffen zu hören, es wurde direkt in die Menge geschossen. Die schwer Getroffenen bleiben liegen, alle suchen Deckung. Mit 50 Toten ist mindestens zu rechnen. Die Zahl der Verletzten dürfte bei über 300 liegen. Ein Journalist der französischen RFI soll unter den Toten sein, wie im Radio verbreitet wurde. Damit würde, sollte sich das bestätigen, das Gemetzel gleich eine internationale Dimension bekommen haben.
Der amerikanische Botschafter in Antananarivo, Niels Marquardt, hat am Vortag in 2 Radiointerviews mit BBC und RFI die Regierungsführung von Marc Ravalomanana kritisiert, indem er meinte, der Zeitpunkt für eine bessere Regierungsführung sei gekommen und daß wenig Aussicht auf Finanzhilfen für Madagaskar bestünde, solange die wirtschaftliche und die politische Lage nicht geregelt sei. Außerdem habe er gesagt, daß man private und staatliche Interessen nicht zu sehr vermischen solle. Ravalomanana antwortet an diesem Tag mit einem Massaker. Die Ära Ravalomanana neigt sich mit großen Schritten ihrem Ende entgegen, wie es scheint.
In den Medien ist überwiegend Trauermusik zu hören. Andry Rajoelina gibt weinend ein Interview am Telefon.

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